Der ewige Nahostkonflikt, zum In-die-Luft-Gehen

7. April 2011, 17:55
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Österreichische Erstaufführung: "Die letzte Jungfrau"

Wien - 72 Jungfrauen, sogenannte Huris, erwarten den guten Muslim gemäß der Überlieferung von Abu Musa im Paradies - eine Vorstellung, die nicht nur die Hauptzielgruppe fasziniert. So ist sie auch zentral für Tuvia Tenenboms kontroverse Farce Die letzte Jungfrau, welche Hartmut Nolte als erste Produktion des Modernen Theater Wien inszeniert. Als Aufführungsort dient ein Hörsaal der Wiener TU, dessen speziellen Charme auch Eva Wielandners konventionelles Bühnenbild nicht vergessen machen kann.

Tenenbom, der einer Rabbinerdynastie entstammt und mit 17 Jahren von Tel Aviv nach New York auswanderte, hat für sein Stück ein halbes Jahr "undercover" mit Palästinensern in Jordanien gelebt. Ebenso sind auch seine Figuren nicht das, was sie zu sein vorgeben. Von Szene zu Szene bekennen sich die drei in einem Jerusalemer Pub abhängenden Männer (Mathias Erich Gruber, Artur Ortens, Phillip Stix) zu einer anderen Religion. Sie sind mal Muslim, mal Jude, mal Christ. Konstant bleibt nur der Hass auf die anderen Glaubensgemeinschaften, der Wille, diesen das Leben im Heiligen Land zur Hölle zu machen, und der Wunsch nach sexueller Befriedigung jenseits aller irdischen Schranken.

Als Mittel zum Zweck erwählen die Tarner und Täuscher die junge Muslimin Fatima (präsent: Atina Tabiei Razligh), welche rasch entehrt wird und später ihren Platz im Paradies als verlockende Sprengstoffgürtelträgerin zurückgewinnen soll. Speziell die Sache mit dem Entehren nehmen die religiösen Doppelagenten besonders genau - und den Protestslogan "Fuck the bomb" somit mehrfach wörtlich.

Der Witz des Stücks ist so zumeist von der derben Sorte, die geschmiedeten Ränke dermaßen konstruiert, dass es oft schwer fällt, den Motivationen der Figuren zu folgen. Dadurch zeigt Tenenbom aber, zu welch großem Teil der Nahostkonflikt rein emotionaler Natur ist, dass viele nur um des Hassens willen hassen.

Einzelne Buhrufe werden vom Autor des rabiaten Stücks, bei dem die nach Huris gierenden Muslims bei aller Gleichberechtigung am meisten durch den Kakao gezogen werden, vermutlich gerne akzeptiert. (Dorian Waller / DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2011)

Bis 30. 4., TU Wien, Treitlsaal

 

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