Aus dem Leben eines Superhirns

7. April 2011, 17:50
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Im Prozess um manipulierte Fußballspiele gewährte der Hauptangeklagte Einblicke

Bochum - Als Ante Sapina auspackte, war selbst der Richter beeindruckt. "Wenn Sie irgendwann einmal draußen sind, gibt's ja vielleicht einen Lehrstuhl für Wetten", sagte Wolfgang Mittrup während des umfangreichen Geständnisses des Wettbetrügers vor dem Bochumer Landgericht. Der Hauptangeklagte gab nicht nur zu, Fußballspieler bestochen zu haben. Er breitete am fünften Verhandlungstag auch sein enormes Wissen über den Sportwettenmarkt aus. "Ich habe mich an den Kosten beteiligt, wenn Spieler Geld bekamen", erklärte Sapina und räumte ein: "Wir haben einige Spiele manipuliert." Angeblich auch welche aus Österreich.

Ein Trainingslager des bosnischen Klubs NK Travnik in der Schweiz sei organisiert und finanziert worden, um auf manipulierte Spiele hohe Beträge zu wetten. Kompagnon Marijo C. habe die Partien "mit Fifa-Schiedsrichtern und namhaften Gegnern" organisiert. Der seit 16 Monaten in U-Haft sitzende Sapina nutzte die Gelegenheit, sich als "Superhirn" zu präsentieren. Der ehemalige Student der Volkswirtschaftslehre dozierte darüber, wie Sportwetten funktionieren und wann sie sich lohnen. "Am liebsten war mir, wenn die Spieler gegen ihre eigene Mannschaft wetteten", erklärte er. Wetten seien für ihn "sehr viel Mathematik", sagte er. Ab welchen Quoten Wetten für ihn einen "Value", einen Wert, hatten, führte er genau aus. So rechnete er vor, dass er zwar bei einem Spiel des belgischen Zweitligisten UR Namur 50. 000 bis 60.000 Euro gewonnen habe, aber auch 20.000 Euro für bestochene Spieler bezahlen musste. "Ja, rechnen können Sie", meinte Mittrup anerkennend.

Immer wieder reicherte Sapina, der 2005 für die Bestechung des deutschen Schiedsrichters Robert Hoyzer zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden war, seine Erläuterungen mit Beispielen an. Als er Über- und Untertore erklären sollte, sagte er: "Als Schalke noch Felix Magath hatte, war es so, dass wenig Tore fielen." Sein Kompagnon Marijo C., den er "Knödel" nannte, sei "sehr einfallsreich" gewesen, wenn es darum ging, Bestechungsgelder zu organisieren. "Geld hin- und herschieben konnte er", sagte Sapina.

Auch über den Wettmarkt in Asien, über den er Millionen umgesetzt haben soll, referierte er. "Wenn denen das Ergebnis nicht gefallen hat, haben sie im Stadion das Licht ausgeknipst. Dann waren alle Wetten hinfällig." Staatsanwalt Andreas Bachmann fand für Sapinas Aussagen lobende Worte. "Sehr konkret. Er hat einen Großteil der Vorwürfe eingeräumt." Die Urteile sollen in einer Woche ergehen. (sid, red, DER STANDARD Printausgabe, 8.4.2011)

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