Intensive Machtlosigkeit

7. April 2011, 17:49
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Wagners "Rheingold" mit Dirigent Adam Fischer an der Wiener Staatsoper

 

Wien - Was immer man der gesamten Ring-Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf (aus der Ioan-Holender-Ära) an Mutlosigkeit in Sachen Werkdeutung vorwerfen konnte - in puncto Personenführung war sie ein Exempel detailverliebter Regiekunst. Besonders beim Rheingold lief dieses Konzept zur Bestform auf, und es ist auch in der nunmehrigen Wiederaufnahme noch viel Leben drin.

Nach wie vor sind die subtil gezeichneten Beziehungsprobleme des solide singenden Personenkreises (etwa Michaela Schuster als Fricka) um Wotan herum (prägnant, aber leider kaum zu vokalen Differenzierungen in der Lage Juha Uusitalo) deutlich zu erkennen. Nach wie vor sind natürlich auch die Riesen Fasolt (Sorin Coliban) und Fafner (Günther Groissböck), die von Wotan in Form von Freia (tadellos Alexandra Reinprecht) oder Gold bezahlt werden wollen, in ihrer klobig-putzigen Ausstrahlung ein szenischer Augenhit.

Und natürlich tänzelt nach wie vor der schlaue Loge elegant von Problem zu Problem, um mit diskreter Heuchelkunst deren Lösungen zu erschwindeln (souverän bis auf wenige hohe Töne Adrian Eröd). Gott sei Dank ist aber vor allem nach wie vor Tomasz Konieczny (als Alberich) zugegen, um mit seltener Intensität einen zwischen Macht und Machtlosigkeit torkelnden Liebesentsager zu porträtieren.

Nicht dabei ist krankheitsbedingt Dirigent Franz Welser-Möst. Der eingesprungene Adam Fischer schafft es jedoch aus einer etwas romantischeren Position, Spannung aufzubauen und diese sowohl im Tumult wie auch im Diskreten zu erhalten.

Ob Fischer, der auch die donnerstägige Walküre dirigierte, seine Ring- Arbeit mit Siegfried (10. 4.) und Götterdämmerung (13. 4.) vollenden wird oder ob Welser-Möst zurückkehren kann, wird sich am Freitag weisen. (Ljubisa Tosic / DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2011)

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