Grasser und die Buwog-Partie

7. April 2011, 17:42
45 Postings

Ex-Minister und seine Freunde unter Untreueverdacht

Wien - Es war die Causa Immofinanz, aus der einer der aufsehenerregendsten Justizfälle des Landes erwuchs: Buwog. Mittlerweile wird unter anderem gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, die Ex-Lobbyisten Peter Hochegger und Walter Meischberger sowie Immobilien-Kaufmann Ernst Karl Plech ermittelt:

Im Herbst 2009 wurde bekannt, dass die Immofinanz als Käufer der Bundeswohnungsgesellschaften (Buwog) 9,6 Mio. Euro an Hochegger und Grasser-Trauzeugen Meischberger für deren Beratungsdienste springen hatte lassen. Der Honorarfluss verlief über die zypriotische Briefkastenfirma Astropolis und Delaware, endete auf Konten Meischbergers in Liechtenstein. Deren Namen sind inzwischen landauf, landab bekannt: Walter, Karin und Natalie. Den Weitertransport des Geldes nach Wien besorgte ein Geldbote, den Meischberger in einem Innenstadthotel zu empfangen pflegte. Die Umständlichkeiten haben einen Grund: Die Lobbyisten haben ihr Honorar nicht versteuert, inzwischen Selbstanzeige erstattet.

Ausgehend von der Buwog-Provision haben die Ermittler die gesamte Privatisierung 2004 aufgerollt, man vermutet Geldflüsse an Grasser. Laut Vorwürfen der Staatsanwaltschaft geht es um Untreue, illegale Absprachen und Steuerhinterziehung. Die Beschuldigten bestreiten das, und es gilt die Unschuldsvermutung.

Schon 2002 soll bei der Auswahl der beratenden Investmentbank Lehman Brothers (die teurer als die CA-IB war) bevorzugt worden sein; der Berater von Lehman in Österreich, Karlheinz Muhr, ist ein guter Bekannter Grassers. Der zweite Verdacht: illegale Absprachen beim Buwog-Zuschlag. Das Immofinanz-Konsortium überbot den Zweitgereihten CA Immo nur um den Hauch von 1,19 Mio. Euro - und weil der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider in letzter Minute auf ein Vorkaufsrecht für eine im Paket mit verkaufte Gesellschaft verzichtet hatte.

Ermittelt wird auch gegen Grasser-Freund Plech. Er war Buwog-Aufsichtsratschef und saß in der Investmentbank-Vergabekommission. "Von Plech wurde Meischberger und Hochegger empfohlen, einen Vertragsentwurf für das beabsichtigte Geschäft bei einem Plech bekannten Anwalt entwerfen zu lassen", so einer der Vorwürfe des Staatsanwalts.

Nur ein paar der personellen Verquickungen: Grasser war nach der Politik Gesellschafter von Meischbergers Valora Solutions. Heute hält er ein Drittel an der GPS Immobilien GmbH, an der auch Plech&Plech beteiligt sind. Plech hat etliche Immobiliendeals mit der Republik getätigt, mit ihm hat Meischberger telefoniert, als er den Grund für seine Honorare recherchierte ("Wos woa mei Leistung?") Plech klärte ihn dabei über Projekte auf. (gra, STANDARD, Print-Ausgabe, 8.4.2011)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Walter Meischberger verdiente an Buwog enorm.

Share if you care.