Moral-Medikamente

Wunderpillen für mehr Moral

Maria Kapeller, 15. April 2011, 15:02
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    foto: apa/frank may

    Medikamente könnten die Moral sowohl positiv als auch negativ beeinflussen, so britische Wissenschaftler. Was sich wie Science Fiction anhöre, sei bereits Forschungsthema.

Britische Wissenschaftler diskutieren über Medikamente, die auf die Moral von Menschen einwirken - Gefahr oder Segen für die Menschheit?

Medikamente sind eigentlich dazu da, Krankheiten zu heilen oder zu verhindern. In Zukunft könnten sie auch eingesetzt werden, um auf die Moral von Menschen einzuwirken. Das berichtete der britische Guardian unlängst. Die Forschung darüber stecke zwar noch in den Kinderschuhen, werde aber mehr und mehr zum Thema. Es gebe bereits Studien die zeigen, dass bestimmte Medikamente das moralische Verhalten beeinflussen, indem sie die Fähigkeit für Empathie und Gruppenzugehörigkeit steigern und die Aggressionen senken.

Science Fiction?

Auch das im März erschienene Buch "Enhancing Human Capacities" dreier britischer Wissenschaftler beschäftigt sich in einem Kapitel mit der Besserung von Moral durch Medikamente. Heute mag man zwar noch an Science Fiction denken, wenn man hört, dass es vielleicht einmal eine Therapie gegen rassistische Gedanken oder eine Pille zur Steigerung der Moral geben wird. Die Gesellschaft sollte sich aber auf solche Szenarien vorbereiten, schreiben die Buchautoren.

Schon jetzt gibt es Medikamente, die moralisches Denken und Verhalten von Patienten ändern können. So zum Beispiel das Antidepressivum Prozac, auch unter dem Namen Fluctin bekannt. Das Medikament hebt die Stimmung, indem es in den Stoffwechsel des "Glücksbotenstoffs" Serotonin eingreift. Weil Aggression und Verbitterung gegen die Umwelt sinken könnte man sagen, dass es Menschen gefälliger macht.

Globale Problemlösung

Wissenschaftler sagen für die Zukunft weitere manipulative Wirkungen von Medikamenten voraus. Guy Kahane, der stellvertretende Direktor des Zentrums für Neuroethik der Universität Oxford und Mit-Herausgeber des Buches, glaubt sogar, dass solche "Moral-Medikamente" bei entsprechender Verbreitung dabei helfen könnten, globale Probleme zu bewältigen. "Es liegt nicht in unserer Natur, die Notlagen jener zu verstehen, die auf der anderen Seite der Erde oder erst nach unserer Zeit leben", sagt er dem Guardian. "Diese neue Form von Medikamenten könnte Gefühle globaler Zusammengehörigkeit und Empathie für zukünftige Generationen ermöglichen."

Negative Beeinflussung möglich

Ein anderer britischer Wissenschaftler, Ruud ter Meulen von der Universität Bristol, ebenfalls Mit-Herausgeber des Buches, warnt: Derartige Medikamente könnten die Moral nicht nur positiv, sondern auch negativ beeinflussen. Ein Beispiel: Das Peptidhormon Oxytocin wirke zwar so auf Menschen, dass sie anderen vertrauen und mit ihnen kooperieren. Das gelte jedoch nur für Mitglieder innerhalb einer sozialen Gruppe. Gegenüber Außenstehenden würde die Empathie hingegen reduziert.

Das sagen österreichische Wissenschaftler dazu

derStandard.at hat bei zwei heimischen Wissenschaftlern, die sich mit Ethik befassen, nachgefragt. Sie zeigen sich skeptisch. "Ich halte wenig davon", sagt Evolutions-Biologe und -Ethiker Franz Wuketits. "Wenn man Menschen durch Medikamente moralisch beeinflusst, profitiert davon einzig die Pharmaindustrie."

Peter Kampits, Leiter des Instituts für Ethik und Wissenschaft im Dialog der Universität Wien sowie Mitglied der Bioethik-Kommission der Bundesregierung, steht solchen Szenarien zwiespältig gegenüber: Einerseits sei es zwar Tradition, Menschen durch Medikamente zu manipulieren und beeinflussen. "Das ist im Falle von Erkrankungen durchaus zu unterstreichen. Im Sinne von moralischer Beeinflussung erinnert mich das aber an George Orwell und seinen Roman 1984. Da bin ich skeptisch, das halte ich für sehr gefährlich." Außerdem stelle sich die Frage, wer über die Einnahme solcher Medikamente entscheidet. (derStandard.at, 15.04.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 126
1 2 3 4
sturmy
01
Breitentest in der katholischen Priesterschaft...

delysid
01
27.4.2011, 14:47
"...Fähigkeit für Empathie..."

Also, MDMA für's BMi !?

Nachdem voriges Jahr, die Ravehippies von den Robocop's aufgemischt worden sind, werden's wohl
jetzt als die neuen Emphatogen-Experten herangezogen :-)

FloPie
00
27.4.2011, 11:34
man kann die stimmung beeeinflussen, nicht aber die Einstellung

Richtig ist, dass bestimmte psychotrope Substanzen die momentanige Stimmung beeeinflussen.
Aggressive Menschen sind beispielsweise unter der Gabe von Neuroleptika weniger gereizt, ruhiger und in Folge nicht aggressiv.
Die grundsätzliche positive Einstellung zur Gewalt bleibt jedoch unangetastet davon.

Wunderpillen, die sich nicht nur auf die momentanige Stimmung auswirken, sondern auch im Stande sind, Einstellungen und Moralvorstellungen verändern, gibt es bis dato (noch) nicht.

wirsinddiezukunft
 
00
25.4.2011, 11:07

jetzt geht´s los mit der massenmedikation...

george orwell lässt grüßen

Birgit 68
00
27.4.2011, 10:27
Papagei?

silence
00
22.4.2011, 14:36
diese dinger werden sich sicher nicht...

...flächendeckend durchsetzen. wer würde denn sonst politiker- oder managementjobs übernehmen? :)

Birgit 68
00
27.4.2011, 10:36

Wieso?
Ist die Fähigkeit zu verantwortungslosem Handeln denn Voraussetzung für Politiker- oder Manageragenden?

silence
00
28.4.2011, 21:48
voraussetzung kann ich nicht mit 100%iger

sicherheit sagen, aber sich mit moralischen skrupeln nicht auseinandersetzen zu müssen erleichtert den job anscheinend ungemein.

Birgit 68
01
29.4.2011, 08:29

Das dürfte aber nur für Leute gelten, für die der schnöde Mamon die oberste Maxime ist.
Wer sein Leben dem Geld unterordnet, darf sich nicht wundern, dass moralische Überlegungen dann keinen Platz mehr haben.

nick morgenland
 
11
21.4.2011, 12:52

damit es keine missverständnisse gibt: ich halte das auch für gefährlich. die argumente (die ins treffen geführt werden) halte ich aber für schwach. die mentalität die mit diesen argumenten korreliert ist mir unsympathisch. am ärgsten sind katholische naturwissenschaftler(innen). ja, ich bin naturwissenschaftler, tief gläubig. ich nicht: ich bin naturwissenschaftler (im erstberuf) und sehr skeptisch (daher vor drei jahrzehnten aus der kirche ausgetreten). es gibt aber menschen (in der kirche), die ich schätze. in der geschichte der römisch-katholischen kirche ist mir franz von assisi positiv aufgefallen. franziskaner sind mir sympathischer als opus dei leute.

xxx...yyy...
00
26.4.2011, 18:37
sie sind naturwissenschaftler?

da lachen sogar meine hühneraugen ;-)

nick morgenland
 
10
21.4.2011, 09:45
@ karlheinz töchterle

errare humanum est. ebony and ivory - john lennon (räusper). imagine (and no religion, too). in diesem sinne plädiere ich für den gleitenden ausstieg aus allen religionen (insbesondere den dreifaltigen) und religionsähnlichen ideologien (stahlhelmfeminismus - anspielung auf die stahlhelmfraktion der österreichischen volkspartei - wobei ich fritz könig persönlich und seine gattin erst recht sehr sympathisch finde - beim eistanzen kennen gelernt - vorurteile bedrohen uns alle)...bis zum einunddreißigsten dezember (zweitausendfünfzig - vierundzwanzig uhr). religionsähnlichkeit ist gegeben: wenn humorlosigkeit auffällt. die grünen und alternativen tanzen nicht. bei einer siegesfeier im palais auersperg ist mir das aufgefallen (auch h. stojka).

nick morgenland
 
10
21.4.2011, 10:13
das leben könnte sehr schön sein, wenn man mehr davon wüsste und verstünde. transfer: individuell ---> gesellschaftlich. die menschheit könnte so leben wie die sennerinnen auf der übergossenen alm (schneeloch - schifoahn). automatisches schreiben...

karlheinz töchterle ist altphilologe und (hoffe ich doch) im herzen grün (geblieben). mein oberster chef sozusagen (im berufsleben nummer eins) ... - im berufsleben nummer zwei bin ich mein eigener chef - gastwirt eines szenekulturbeisels (traisma - aelium cetium - zwei jahre älter als enns - städtenationalismus off).

by the way: leitstammgäste kehren zurück. hihi...

fb = restauration akiwi (werbemodus off).

berufung nummer drei = fmsi.

da geht es um wirkliche kreativität (man kann auch schöpferisch sein - im destruktiven sinne - anatomie menschlicher destruktivität - da war doch etwas).

s. freud (gegen ende seines lebens - von den nazis verfolgt - den ösis nicht anerkannt (kein ordentlicher professor an der uni wien): das leben...

Unermüdlicher Einsatz
 
00
20.4.2011, 23:07
Umkehrsarazzin

Lass mich mal traeumen:
Alle Politiker und Karierevoegel muessen das schlucken.
Strasser wird darin gebadet.

r2pi
01
19.4.2011, 10:26
Super wird es erst dann, wenn wir alle auf Droge sind und die Versorgung unterbrochen wird - cause this is thriller, thriller night ... :-)

r2pi
01
19.4.2011, 10:20
"... Außerdem stelle sich die Frage, wer über die Einnahme solcher Medikamente entscheidet ..."? Natürlich die Betreiber der MATRIX, welche uns diese Mittelchen in die Nährlösung kippen :-)

Gegrillte Galle
03
19.4.2011, 08:57
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral...

erhält so einen völlig neuen Inhalt....

Hui Buh
00
19.4.2011, 11:19
Gefällt mir!

Dirty Sanchez
 
02
19.4.2011, 08:04
Keine Pille kann Dirty Sanchez einbremsen!

werwolfi
05
17.4.2011, 20:46

""Das ist im Falle von Erkrankungen durchaus zu unterstreichen. Im Sinne von moralischer Beeinflussung erinnert mich das aber an George Orwell und seinen Roman 1984."

da verwechselt der gute mann etwas - das mit den drogen ist "brave new world".

in "1984" wird ganz normal (!) mit staatsterror, überwachung und folter gearbeitet... ;o)

nick morgenland
 
00
21.4.2011, 09:41
hänge

mich an (tschuldigung) ihren kommentar (weil er einleuchtend ist - und meine ideen - rudelweise bleiben sollen). lg, nm

ps: da könnte man auch über gott lachen (der blinde abt, jorge, umberto eco sei dank, der name der rose, in sorge um die dreifaltigkeits-ein-gott-religion). auffallen ohne gewalt, wie geht das (copyright aurorafalter - im open forum der grünen - aurorafalter = nick morgenland - im standard ist es mir damals nicht gelungen - aus welchen gründen auch immer - aurorafalter als nickname zu verwenden - aurora = göttin der morgenröte, symbol der hoffnung - ich liebe schmetterlinge wer liebt sie nicht siehe werbekampagnen - fliegende blütenblätter). abendland & morgenland - ebony and ivory. john lennon schau oba...

werwolfi
00
21.4.2011, 12:19

"hänge mich an (tschuldigung) ihren kommentar (weil er einleuchtend ist - und meine ideen - rudelweise bleiben sollen)."

you're welcome.

allerdings glaube ich nicht, dass ihn dann alle zu gesicht bekommen, v.a. wenn er nicht zu dem passt wo er dranhängt.

aus erfahrung besser:
alles zuerst fertigschreiben und dann in kurzer folge hintereinander posten (mit "teil 1/4" o.ä.)
oder
einen toppost machen und auf den selbst antworten mit den anderen teilen.

:o)

nick morgenland
 
00
21.4.2011, 08:37

ich habe das privileg gehabt (so hätte sich fred selber ausgedrückt, hat seit seiner amerikazeit amerikanisch gedacht), mit frederick mayer eng befreundet gewesen zu sein (3 1/2 jahre ab 2002). zu seinen freunden (in den usa) zählte aldous huxley (brave new world, wackere neue welt, hopefully a selfdestroying prophecy, hoffentlich eine sich selbst zerstörende prophezeiung). die geschichte hat er mehr als einmal erzählt (thema vorurteile, oberflächlichkeit, image ist alles). fred war mit aldous unterwegs (ohne auto, huxley nicht besonders gut angezogen). der polizist zu fred: "who is this character?" - was ist denn das für ein typ? aldous huxley entstammt einer familie von wissenschaftlern und denkern. "island" hat mich auch sehr beeindruck

nick morgenland
 
00
21.4.2011, 08:31

ist es künstlich oder natürlich, dass medienkonsument(inn)en einem informationsstrom ausgesetzt sind, der überwiegend aus angsterregenden oder deprimierenden inhalten sowie datenmüll (in einer woche oder in einem jahr ohne bedeutung - schnee von gestern) zusammengesetzt ist. aus praktischen gründen kann ich seit vier monaten (ich könnte, aber da müsste ich etwas tun) nicht mehr fernsehen. ich kann nicht behaupten, dass mir dieser informationsentzug geschadet hätte.

ich vertrete die these, dass in der (altstein)zeit das leben leichter gewesen ist. zurück zur natur im sinne von rousseau. das ist auch nicht der weg, der gangbar ist. anpassung der politik und der wirtschaft an den menschen und verzicht auf erfindungen (kapitalismus): warum n?

nick morgenland
 
00
21.4.2011, 08:27

außerdem. was ist schon natürlich (oder künstlich)? wir leben nicht mehr in der altsteinzeit. homo sapiens sapiens ist angepasst an eine (technische, soziale) welt, die überschaubar ist, in der die bevölkerungsdichte (noch) geringer ist als heute in kanada. ein mensch ist für einen anderen menschen (das ist halt meine vermutung) in der altsteinzeit eher ein segen (freund, helfer in der not, bereicherung, erweiterung des genpools) gewesen als ein fluch (konkurrent, wolf). in einer zeit hoher veränderungsgeschwindigkeit (gesellschaft, technik), zivilisationsschäden, ist es nicht von von vorn herein ein fehler, mit hilfe "künstlichen" methoden probleme zu lösen. ich schätze wuketits. aber österreich ist verhinderungsweltmeister (top ten).

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