Kunsthaus Bregenz widmet seinen Architekturarbeiten eine Ausstellung
Bregenz - Man solle Ruhe bewahren, noch wisse man nichts Genaues,
schrieben Mitarbeiter des chinesischen Konzeptkünstlers Ai Weiwei kurz
nach dessen Verhaftung an das Kunsthaus Bregenz. Wenig später endete der
Austausch von E-Mails abrupt. "Alle Computer im Studio von Ai Weiwei
wurden konfisziert, sogar die privaten", schildert KUB-Direktor Yilmaz
Dziewior im Gespräch mit dem Standard die Situation seiner
Kooperationspartner in Peking.
Dziewior bereitet mit Ai Weiweis Studio die große Sommerausstellung vor,
die sich auf die Architekturprojekte des Künstlers konzentrieren wird.
Eigene und Kooperationen mit anderen Architekten wie das Olympiastadion
mit Herzog und de Meuron werden zu sehen sein. Darunter auch Ai Weiweis
Atelier in Schanghai, das kürzlich von den chinesischen Behörden
niedergerissen wurde. "In seinen Arbeiten thematisiert Ai Weiwei
kulturelle, soziale und politische Fragestellungen, was immer wieder
dazu geführt hat, dass er von der chinesischen Regierung mit
Repressionen belegt wurde", heißt es dazu im Pressetext zum
KUB-Jahresprogramm. Dziewior: "Da konnte noch keiner voraussehen, dass
die Situation in diesem Ausmaß eskalieren würde, die ganze Sache ist
furchtbar."
Die Ausstellung vom 16. Juli bis 10. Oktober werde auf jeden Fall
stattfinden, kalmiert der Kunsthaus-Direktor. Große Sorgen mache er sich
aber um Ai Weiwei: "Keiner weiß, wo er sich befindet, weder seine Frau
noch sein Anwalt wurden informiert." Die Kommunikation mit dem Team in
Peking gestalte sich aufgrund der Repressalien schwierig. Dziewior: "Es
ist nun an uns, die Situation, in der kritische Menschen in China leben
müssen hier im Bewusstsein zu halten."
Der internationale Museumsrat ICOM richtete am 5. April ein
Protestschreiben an Kulturminister Cai Wu und forderte die sofortige
Freilassung des Künstlers. Die Forderung nach "bedingungsloser
Freilassung" stellen Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und der
Vorsitzende der IG Autorinnen Autoren, Gerhard Ruiss, in einem
gemeinsamen Aufruf. Die Verhaftungen und Anklagen von Personen wie dem
Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, Wu Yuren oder Ran Yunfei basierten
auf "willkürlichen Anschuldigungen", heißt es darin. Demokratische
Staaten müssten ihre Beziehungen zu China "in den Dienst der Grund- und
Freiheitsrechte unserer chinesischen Kolleginnen und Kollegen stellen",
fordern Jelinek und Ruiss. (jub / DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2011)
China wirft Ai Weiwei Wirtschaftsdelikte vor, neue Festnahmen
Peking - Nach einem internationalen Aufschrei hat Peking reagiert: Ai Weiwei
sei wegen Wirtschaftsverbrechen verhaftet worden, erklärte die
Regierung. Über seinen Aufenthaltsort gibt es weiterhin keinerlei
Informationen.
Am Donnerstag wurden zwei weitere Bürgerrechtler verhaftet: Die Anwältin
Ni Yulan und ihr Partner Dong Jiqin wurden nach Angaben ihrer Tochter zu
Hause abgeholt. Die Anwältin Ni hatte bereits zwei Jahre wegen
"Behinderung öffentlicher Angelegenheiten" in Haft verbringen müssen.
(red)