Britisches Außenministerium erklärt sich für nicht zuständig
London - Großbritannien wird von den Grausamkeiten
seiner einstigen Kolonialherrschaft eingeholt: Vier ältere Menschen
aus Kenia sind am Donnerstag in London vor Gericht gezogen, weil sie
zum Ende der Kolonialzeit in ihrem Heimatland von den Kolonialherren
gefoltert worden seien. Der High Court hat acht Verhandlungstage
angesetzt.
Das britische Außenministerium erklärte sich für die Ansprüche
der
Kläger für nicht zuständig. Juristisch habe der kenianische Staat die
Rechtsnachfolge der ehemaligen Kolonie angetreten. Anwälte der Kläger
bezeichneten diese Rechtsauffassung als "zynisch".
In Kenia hatten Aufständische in den 1950er Jahren ihr Land von
den Kolonialherren zurückgefordert und den "Mau-Mau"-Krieg begonnen.
Der Aufstand von 1952 bis zur Unabhängigkeit 1963 wurde zum
blutigsten Kolonialkrieg der Briten. Nach Angaben der kenianischen
Regierung und kenianischer Menschenrechtsorganisationen wurden
damals 90.000 Kenianer hingerichtet, gefoltert oder verstümmelt.
160.000 Menschen wurden eingesperrt. (APA)