Ein ungewöhnlicher Fund in einem Baltischen Bernstein

7. April 2011, 15:45
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Forscher entdeckte erste fossile Larve einer Fanghafte, die Huckepack auf einer Spinne sitzt

Ein deutscher Wissenschafter hat in Baltischem Bernstein eine überraschende Entdeckung gemacht: Michael Ohl vom Museum für Naturkunde Berlin fand die Larve einer sogenannten Fanghafte, die Huckepack auf einer Spinne sitzt. Dieser besondere Fund weist das außergewöhnliche Verhalten erstmals bei Fossilien nach und zeigt, dass es bereits vor mehr als 44 Millionen Jahren entstanden ist.

Fanghafte (Mantispidae) sind eine exotische Gruppe von Netzflüglern, die dank ihrer Fangvorderbeine wie kleine Gottesanbeterinnen aussehen. Die meisten Fanghafte zeigen ein ungewöhnliches Verhalten ihrer Larven. Diese ernähren sich ausschließlich von Spinneneiern oder Spinnenlarven, die sie in den Kokons von Wolfsspinnen und Verwandten aussaugen. Um solche Kokons zu finden, setzen manche Fanghafte eine besondere Strategie ein: Die Erstlingslarven sind sehr agil und schaffen es, ein Wolfsspinnenweibchen zu erklettern.

An Bord der Spinne verbleiben sie solange, bis diese einen Kokon spinnt, in den die Larve schließlich eindringt. Dann kann die Spinnenmahlzeit beginnen. Die späteren Larvenstadien der Fanghafte sind dann madenartig und fressen sich bis zur Verpuppung fett. Solche spinnenreitenden Larven von Fanghaften können sogar die Häutung von Spinnen überstehen, indem sie sich in die Buchlungen der Spinnen zurückziehen und abwarten.

Huckepack vom Harz umschlossen

Ohl hat einen solchen "Spinnenreiter" in Baltischem Bernstein entdeckt. Als die Larve der Fanghafte vom Baumharz umschlossen wurde, saß sie auf dem Rücken einer Sackspinne (Clubionoidea) und wartete bereits darauf, dass die Spinne einen Kokon baut.

Dieser Fund ist nicht nur ungewöhnlich, weil es die erste fossile Larve einer Fanghafte überhaupt ist, sondern auch, weil dies der direkte Nachweis für die Existenz einer besonderen Verhaltensstrategie vor 44 Millionen Jahren darstellt. Nur selten lässt sich Verhalten bei Fossilien nachweisen. Und nicht zuletzt ist dies auch der erste Nachweis von Fanghaften aus dem Baltischen Bernstein überhaupt. (red)

  • Die Larve der Fanghafte saß auf dem Hinterleib einer Sackspinne, als sie vor etwa 44 Millionen Jahren vom Baumharz umschlossen wurde.
    foto: michael ohl/museum für naturkunde berlin

    Die Larve der Fanghafte saß auf dem Hinterleib einer Sackspinne, als sie vor etwa 44 Millionen Jahren vom Baumharz umschlossen wurde.

  • Die rezente Fanghafte Euclimacia horstaspoecki aus Thailand.
    foto: sören materna

    Die rezente Fanghafte Euclimacia horstaspoecki aus Thailand.

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