Multiresistente Keime kommen mit dem Wasser

10. April 2011, 18:59
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Forscher fanden insgesamt 14 Bakterienarten mit dem NDM-1-Gen im Ab- und Trinkwasser von Neu Delhi

London/Neu Delhi - Armut ist nicht nur ein lokales Problem für die Gesundheit, sondern hat auch Auswirkungen auf den Rest der Welt:  In Neu Delhi spürten britische Experten sowohl in Ab- als auch in Trinkwasser mehrfach jene multiresistenten Bakterien auf, die das NDM-1-Gen in sich tragen und sie somit gegen fast alle Antibiotika immun macht. Die Wissenschafter um Timothy Walsh von der Cardiff University berichten darüber in der neuesten Ausgabe von Lancet Infectious Diseases.

Im Jahr 2010 hatte eine Veröffentlichung in der Fachzeitschrift zunächst in den britischen Medien, dann auch weltweit für Aufsehen gesorgt. In Großbritannien waren Keime mit dem NDM-1-Gen bzw. der dadurch vermittelten Resistenz auch gegen das bisher von Bakterien kaum "schlagbare" Carbapenem bei Patienten registriert worden. Sie kamen offenbar anfänglich aus Indien und Pakistan. Bei einer solchen Infektion bleiben nur noch wenige Medikamente zur Behandlung übrig. Auch in Österreich wurden schon NDM-1-positive Keime in geringem Ausmaß registriert.

Walsh machte sich ausgesprochen publikumswirksam auf die Suche nach solchen Bakterien. Gemeinsam mit Journalisten vom britischen Channel 4-TV-Programm entnahmen er und sein Team 171 Proben aus Wasserlacken und 50 Trinkwasserproben in einem Umkreis von zwölf Kilometern vom Zentrum New Delhis. Das für die Hygiene ziemlich niederschmetternde Ergebnis: Hoch resistente Keime wurden in zwei der Trinkwasserproben und 51 der 171 Proben aus Sickerwasser entdeckt. In Kultur ließen sich die Bakterien dann in zwei Fällen in Trinkwasser und in zwölf Fällen in Sickerwasser sogar künstlich "züchten".

Gefahr im Trinkwasser

Das wohl größte Problem: Damit ist belegt, dass diese höchst gefährlichen Keime wahrscheinlich über mit Fäkalien verunreinigtes Wasser auch oral übertragen werden können. Und das ist in Ballungsräumen wie Neu Delhi eine riesige Brutstätte für Infektionen.

Hinzu kommt, dass die NDM-1-Bakterien insgesamt 14 verschiedene Mikroben-Arten umfassten. Bei elf davon war das Gen für das durch NDM-1 kodierte Metallo-Beta-Laktamase-Enzym bisher noch nicht beobachtet worden. Und schließlich: Auch so gefährliche Keime wie Shigella boydii (Shigellen-Infektionen) und Vibrio cholerae (Cholera) wiesen das Gen auf.

Die Autoren der wissenschaftlichen Publikation: "Die oral-fäkale Übertragung von Bakterien ist ein weltweites Problem. Das Risiko hängt aber vom Standard der Wasser- und Abwasser-Versorgung ab. In Indien ist das aber ein spezielles Problem. Denn 650 Millionen Einwohner haben keinen Zugang zu Wassertoiletten und wahrscheinlich noch mehr Menschen keinen Zugang zu reinem Wasser." (red/APA)

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    Eine Kultur der Bakterienart Klebsiella mit dem gefährlichen Gen NDM-1. Britische Forscher entdeckten sowohl in Ab- als auch in Trinkwasser mehrfach multiresistente Keime.

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