Deutschland

Erblindungen werden häufiger

7. April 2011, 13:41

Die demografischen Enwicklung in Deutschland wird in den nächsten Jahrzehnten ein deutliche Zunahme an Sehbehinderungen mit sich bringen

Blindheit und Sehbehinderung in Deutschland immer häufiger - DOG fordert mehr Forschung
München - Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) rechnet bis zum Jahr 2030 mit 25 Prozent mehr Blinden und Sehbehinderten in Deutschland. Denn die Deutschen werden immer älter - Blindheit und Sehbehinderung sind hierzulande vor allem ein Problem des Alters. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Diese Trends sind Ergebnis der Auswertung von Daten des Blindengeldarchivs des Landschaftsverbands Rheinland durch ein Forscherteam der Universitäts-Augenklinik Bonn.

„In den nächsten zwei Jahrzehnten ist aufgrund der demografischen Entwicklung mit einer deutlichen Zunahme der Neuerblindungen pro Jahr zu rechnen", sagt Robert Finger, Leiter der Studie. Während im Jahr 2010 über 100 000 Personen in Deutschland neu erblindeten, werden es 2030 hochgerechnet etwa 125 000 Menschen sein. Die Anzahl der neu erblindeten Frauen pro Jahr wird dann mehr als doppelt so hoch wie die der neu erblindeten Männer sein. Mehr als die Hälfte der Betroffenen wird zum Zeitpunkt der Neuerblindung 80 Jahre und älter sein.

Zum Zeitpunkt der Untersuchung an der Universitäts-Augenklinik Bonn waren im Rheinland rund 20.000 Personen als blind oder stark sehbehindert registriert. Deren Sehvermögen liegt damit unter fünf Prozent beziehungsweise das Gesichtsfeld ist bis auf einen schmalen Tunnel von nur maximal zehn Grad eingeschränkt. Im Rheinland sind rund 50 von 100 000 Menschen betroffen, in ganz Deutschland etwa 44 von 100 000. Das Durchschnittsalter der Registrierten liegt derzeit bei 72 Jahren. Etwa zwei Drittel davon sind Frauen - mehr als die Hälfte von ihnen älter als 80 Jahre.

Altersbedingte Makuladegeneration und Glaukom

Die Gründe sind nahezu ausschließlich altersbedingt, so die Bonner Forscher: Altersabhängige Makuladegeneration (AMD), eine Erkrankung der Mitte der Netzhaut im Alter, ist mit 50 Prozent die häufigste Ursache von neuer Erblindung und starker Sehbehinderung. Hierauf folgt das Glaukom - „Grüner Star" - mit 15 Prozent. Die diabetische Retinopathie, eine Netzhauterkrankung als Folge von Diabetes mellitus liegt bei 10 Prozent. Diese Erkrankungen bleiben auch in Zukunft die führenden Ursachen für Erblindung. AMD wird dabei eine Spitzenposition einnehmen.

Blindheit und Sehbehinderung schränken die Lebensqualität der Betroffenen erheblich ein. Auch Angehörige, die blinde Partner oder Kinder pflegen, sind davon belastet. Die Bereitstellung von medizinischen Services und Pflegeleistungen durch die Kranken- und Pflegekassen wird durch diese Entwicklung stark erweitert werden müssen: „Zudem wird der Bedarf an Transferleistungen wie Blindengeld und anderen Sozialleistungen notwendigerweise stark zunehmen", sagt DOG-Präsidiumsmitglied Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. Um diese dramatische Entwicklung aufzuhalten, fordert die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft mehr Forschung für wirksame Therapien und Strategien zur Bewältigung dieses Problems. Hierfür müssen bereits jetzt entsprechende Ressourcen bereitgestellt werden. (red)

Quellen:

Finger et al., Prevalence and causes of registered blindness in the largest federal state of Germany, Br J Ophthalmol. 2011 Mar 3.

Finger RP et al., Incidence of blindness and severe visual impairment in Germany - projections for 2030. Invest Ophthalmol Vis Sci.2011 Mar 29. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 21447690.

Weiterlesen:

Blindheit kostet

Kommentar posten
15 Postings
byron sully
00

erblindungen und sehbehinderungen ist aber nicht das selbe. der artikel ist insofern ein wenig widersprüchlich.

Al Borland
00
11.4.2011, 10:31

Blindheit ist also keine Sehbehinderung?

byron sully
00
11.4.2011, 14:27

blindheit ist eine mögliche (die heftigste) art von sehbehinderung. es gibt aber auch jede menge leichtere.

Chocoholic
22
Hat natürlich nix mit bildschirmarbeitb zu tun....

Neuer Nick neues Glück
00

Kurz- und Weitsichtigkeit führen nicht zur Erblindung.

Anna Heuss
00
leider manchmal schon

sehr starke kurzsichtigkeit kann (aber muss nicht) im alter durchaus zu erblindung führen. vielleicht bleibt ein sehrest oder extrem eingeschränktes blickfeld (wie bei makuladegeneration), aber ein fuchs'scher fleck zB bildet sich aufgrund einer dünnen oder brüchigen netzhaut, was eben bei stark kurzsichtigen leuten vorkommt.

Hans Krankls Frisör
01

Genau, schließlich haben die ganzen betagten 70,80,90 -jährigen ihr halbes Leben vorm Computerbildschirm verbracht.

jcMaxwell
10

eh nicht.
bildschirmarbeit ist wenn dann schlecht für die elastizität der linse (langes starren auf ein objekt in gleichem abstand).
davon bekommst vielleicht schneller eine alterssehschwäche, aber blind wirst nicht davon.

odrr
00

höheres lebensalter --> augenerkrankungen --> höheres sterberisiko (http://www.sueddeutsche.de/leben/ael... n-1.87195)

so dürfte sich der kreis schliessen....

odrr
00
http://www.sueddeutsche.de/leben/ael... in-1.87195

hier nochmals der link, scheint im ersten posting nicht zu funktionieren.

Christoph Karl Steininger
20
Das hohe Alter ist generell kein Segen!

Der Körper spielt nicht mehr mit, der Geist lässt nach.

presumption of innocence
02

man muss den Geist halt schon trainieren, wie alles andere auch. Am besten mit Innenschau, dann ist das Alter ein Segen, denn es führt zu Weisheit.

Radiolar
11

Noch nie Seniorenheime von innen gesehen ?

nesingwary 4000
10

ich kenne zu viele alte leute um das zu glauben.

Mokka Sinn
01

Nicht viele Menschen haben bis dato Innenschau betrieben, würde ich sagen. Deshalb ist ihre Aussage von ihrer Warte verständlich, der Vorposter brachte jedoch ein großes Fremdwort aufs Tapé, das wohl nicht von ungefähr hier nicht ankam: INNENSCHAU eben.
Ein heisser Tipp übrigens auch und vor allem für junge Leute! ;-)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.