Das Leben im "öffentlichen Raum"

10. April 2011, 17:33
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    foto: standard/cremer

    Studiengangsleiter Wilfing: "Der Schwerpunkt liegt auf theoretischen Studien."

Der Master "Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit" bildet Studierende aus: Für die Arbeit in der Praxis, in der Forschung, in Führungspositionen - das Studium wird ab Herbst von berufsbegleitend auf ein Voll-Studium umgestellt

Soziale Räume in ihren Eigenheiten erfassen, mit den dort lebenden Menschen Neues entwickeln und aufbauen oder aber für die Arbeit im stationären und ambulanten Gesundheits- und Sozialdienst ausgebildet werden - all das bietet der vier Semester dauernde Master "Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit" an der "FH Campus Wien".

Was hat man sich unter "Sozialraumorientierung" vorzustellen? Heinz Wilfing, Studiengangsleiter des Masterlehrgangs, klärt auf: "Sozialraumorientierung meint eine Spezialisierung auf Bereiche der sozialen Arbeit, die sich mit dem Leben von Menschen im öffentlichen Raum befasst." Nicht so sehr der einzelne Mensch steht im Vordergrund, vielmehr die Arbeit in und mit dem gesamten sozialen Umfeld, in dem sich Gruppen bewegen. Beispiele hierfür sind "offene und mobile Kinder- und Jugendförderung oder eine bewohnerInnenorientierte Stadterneuerung, wie etwa im Rahmen der 'Wiener Wohnpartnerschaft'", führt Wilfing weiter aus.

Und "Klinische Soziale Arbeit"? Diese beschäftigt sich mit "kurativen und präventiven Gesundheitsprozessen", wobei der Fokus hier vor allem auf der "Bewältigung der mit Krankheit verbundenen sozialen und ökonomischen Problemen" liegt, so der Studiengangsleiter: Klinische Sozialarbeit werde sowohl "in stationären Gesundheitseinrichtungen (Spitälern und Rehabilitationszentren), als auch in ambulanten Sozial- und Gesundheitsdiensten (z.B. Psychosoziale Dienste, Suchtberatungseinrichtungen) angeboten".

Berufsbilder sehr unterschiedlich

Die beruflichen Möglichkeiten gestalten sich für AbsolventInnen des Studiengangs unterschiedlich: So sind AbsolventInnen mit Berufserfahrung nach dem Master für Leitungsfunktionen im öffentlichen Dienst oder privaten "Non-Profit-Organisationen" qualifiziert, wohingegen AbsolventInnen ohne Berufserfahrung erst in die Praxis müssen: Arbeit im Gewaltschutz, Jugendwohlfahrt, Arbeitsmarkt, Betreuung älterer Menschen, Arbeit mit MigrantInnen, offene Jugendarbeit, Arbeit in Kliniken und ähnliches sind ihre Arbeitsfelder, so Studiengangsleiter Wilfing.

Fokus auf Theorie

Denn der Master ersetzt nicht die praktische Arbeitserfahrung: Diese muss man entweder vorher oder nachher sammeln. "Der Schwerpunkt liegt auf theoretischen Studien", klärt Wilfing auf, praktische Beispiele werden zwar bearbeitet, es ist jedoch kein Praktikum verpflichtend. Der Fokus liegt also auf der Wissenschaft: AbsolventInnen sind an sozialwissenschaftlichen Instituten sehr gesucht, weiß Wilfing, da sie im Unterschied zu "reinen UniversitätsabsolventInnen", auch über eine soziale Ausbildung und Berufspraxis verfügen.

"Altersverteilung stark gestreut"

Für den Studiengang, bei dem es pro Jahrgang rund 60 TeilnehmerInnen gibt, können sich AbsolventInnen von Studien der Sozialarbeit mit oder ohne Berufserfahrung, aber auch AbsolventInnen anderer sozial- bzw. humanwissenschaftlicher oder pädagogischer Studien bewerben: "Das Aufnahmeverfahren berücksichtigt Vorstudien, Berufserfahrungen und persönlichkeitsmäßige Aspekte, es werden schriftliche Beiträge erbeten und Interviews geführt". Zustande kommt ein buntgemischter Haufen: Das Alter reicht von 25 bis 50 Jahre, StudentInnen mit langjähriger Berufserfahrung sitzen neben solchen mit gerade beendetem Erststudium.

"Weiterbildung ist wichtig"

Auch Sabine Weichinger, eine Absolventin des Masterstudiengangs, hat nach ihrem Erststudium der Sozialen Arbeit in unterschiedlichen sozialen Bereichen Berufserfahrung gesammelt, bevor sie sich für ein erneutes Studium entschieden hat. Den Bereich der Klinischen Sozialen Arbeit hat sie aus Interesse gewählt. Weichinger hält es im Sozialbereich für wichtig, "sich kontinuierlich weiterzubilden, um auch neuere Entwicklungen erfassen zu können". Seit einigen Jahren arbeitet sie in der MA 11, in der Magistratsabteilung für Jugend und Familie. Als Sozialarbeiterin ist sie hier für vor allem für den Kinderschutz zuständig, das heißt, sie kümmert sich unter anderem um "Gefährdungsmeldungen", entscheidet, "ob Kinder und Jugendliche bei ihren Eltern aufwachsen können oder in einer Wohngemeinschaft untergebracht werden müssen".

"Das beim Masterstudium erworbene Wissen hat mich auf jeden Fall bereichert", sagt Weichinger, besonders "in den Bereichen der Forschung, des Qualitätsmanagements, der sozialen Diagnostik und des Projektmanagements" habe sie viel dazugelernt. Auch die "Durchmischung der Vortragenden", welche auch an anderen Fachhochschulen und Universitäten lehren, empfindet die Sozialarbeiterin als positiv. Und nicht zuletzt die unterschiedlichen Hintergründe und Berufserfahrungen der Kommilitonen haben es ermöglicht, "von vielen erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu lernen bzw. selbst Wissen in die Gruppe einzubringen".

Master wird zu "Vollzeit-Studium"

Im kommenden Herbst kommt es zu einer grundlegenden Änderung des Masterstudiums "Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit": Der bisher berufsbegleitend zu absolvierende Master wird ab dem Studienjahr 2011/12 auf ein Vollzeit-Studium umgestellt. Aber, so versichert der Studienprogrammleiter, das Studium werde weiterhin "berufstätigenfreundlich" organisiert, das heißt mit teilweise geblockten Lehrveranstaltungen, dem Einsatz von Fernlehreelementen und gelegentlichem Unterricht an den Samstagen. (Sophie Leitner, derstandard.at, 11.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
st. eiermark
41
13.4.2011, 20:23
schaler nachgeschmack

erfahrungsbericht:

nach vier jahren uni-vollzeit-studium in so einem berufsbegleitendem sozial-blabla-"studium" zwecks beruflicher fortbildung auf einer fh zu sitzen ist so, als würde man nach der matura wieder mit der volksschule beginnen.... die lehre/die lehrenden sind ok und recht bemüht (aber v.a. damit die teilnehmenden nicht zu überfordern, weil die könnten sich ja beschweren...), die "studierenden" sind aber opportunistisches und bequemes pack.

weekend friend
00
12.4.2011, 17:39

Ich bin ja eigentlich ein Befürworter der Fachhochschulen. Aber bei manchen Richtungen fragt man sich schon, wer die genehmigt hat...
Erstaunlicherweise kommen die "lustigsten" Richtungen alle von der FH Campus Wien. Da drängt sich die Vermutung auf, dass der Michi Häupl einfach mal auf Verdacht eine FH gebaut hat und jetzt versucht man verzweifelt dieser Leben einzuhauchen.

P.S. bevor jetzt hier wieder das FH-Bashing los geht, es gibt auch genug fragwürdige UNI-Studiengänge!

KlopfGeister
00

nennen sie mir einen guten grund, warum es im sozialbereich keine akademischen abschlüsse geben soll? was glauben sie wo unsere (zivil)gesellschaft stehen würde, gäbe es all die sozial engagierten menschen nicht. warum diesen keine hochqualifizierte, professionelle ausbildung ermöglichen?

<"robots"= no index, no follow/>
00
12.4.2011, 18:59
die fh wien, bzw. gerade wiener fhs sind eher berüchtigt als berühmt,...

das technikum ist mit mühe und not unter den 5-7 besten fhs, wenns explizit um TECHNIK geht,...
bfi und wko bilden, wenn auch nicht auf schlechtem niveau, nur wirtschaftler aus,...
und der fh campus ist unter jeder sau,...

andererseits gibts gute fhs wie hagenberg, johanneum, eisenstadt, villach, wr. neustadt udgl...

es gibt an jedem institut studiengänge und "spaziergänge" mit exotisch anmutenden bezeichnungen und existenzberechtigungen,...

aber sie haben es eh schon geschrieben,...

die uni wien bildet physiker, humanmedizinier, informatiker ect. aus. aber auch publizisten, theater- und pferdewissenschaftler,...

ich bin gespannt, wann die frustrierten "möchtegern akademiker" endlich studiengänge und keine institutionen mehr vergl.

Andreeeas
00
19.4.2011, 15:53

Pferdewissenschaftler sind aber von der BOKU/VetMed.

Nicht, dass ich einer wäre... :P

</>
13
11.4.2011, 22:10
ich bin schon gespannt,...

wie lange es dauert, bis der comedian diesen artikel zum spammen entdeckt hat,...

steht ja nicht explizit fh in der headline. und mehr hat er scheinbar eh noch nie gelesen,...

Corpo
22
11.4.2011, 16:07

Bei manchen FH Studienrichtungen fragt man sich schon was sich der Antragsteller, der FHR und das Ministerium sich dabei gedacht hat!

Jumper
31
11.4.2011, 20:23
ach, tatsächlich?

sehen sie sich die entwicklungen rund um die "neue mitte lehen" an. hier wurde natürlich gemeinsam mit sozialarbeitern konzeptiert und ein sozialer brennpunkt innerhalb kurzer zeit weitgehend deeskaliert.

wenn man sich nicht auskennt - klappe zu.

Corpo
23
11.4.2011, 20:50

Keine Ahnung was Sie mir mit Ihrem Gebrabbel sagen wollen aber schauen Sie sich den Lehrplan an!
Sinnlose Sache, eine Sozialarbeiter Ausbildungen gibts schon und die ist nicht akademisch und wenn man unbedingt Akademiker braucht sollte man vielleicht Psychologen von der Uni nehmen!

Jumper
41
12.4.2011, 02:31
psychologen in die sozialraumplanung? ich lach mich schief...

die ausbildung zum sozialarbeiter ist nebenbei schon seit ewigen zeiten ein akademischer abschluss, sie vogel.

Corpo
00
13.4.2011, 08:50
schon seit ewigen zeiten ein akademischer abschluss

Ach ja?
http://emile.kfunigraz.ac.at/cgi-win/s... nternal=10

Offenbar kennen Sie den Unterschied zwischen universitärem Lehrgang und einem Studium nicht - sie Vogl :D

evolution hunter
11
11.4.2011, 17:07

Sie konzipieren bereits die FH-Studiengänge "Wedding Planner" (mit möglicher Master Spezialisierung auf "Royal Weddings") und - sehr interessant - den international ausgerichteten Studienzweig "Supertalent Juror" (mit Master Spezialisierungen auf "Amateuropernsänger", "Sesselakrobaten", und "Talentlosigkeit").

newworld2511
22
11.4.2011, 21:01
Sind Sie von einer FH geflogen, oder warum diese Antipathie?

evolution hunter
21
11.4.2011, 21:37

Ich war nie auf einer FH und hab mich auch nie dort beworben. Ich bin ganz einfach nur der Ansicht, dass Fachhochschulen ehemals akademische Bildungsideale zur "Employability" degradieren. Das stört mich. Und es stört mich, dass so viel Geld dafür aufgewendet wird.

Jumper
20
12.4.2011, 02:33
soso. bologna ist übrigens kein spaghettisugo.

Fred vom Mars
12
11.4.2011, 15:50
Handwerk versteht jeder Hausverstand

zur Metallbearbeitung kann man lernen: Maschinenschlosser, Werkzeugschlosser vielleicht etwas spezielleres, so wie Fräser und Dreher oder andere Bearbeitungstechniken wie (Pfannen-,Messer-, Gold-,Kunst- oder sonstwas) Schmied oder Schweißer; modernere Bearbeitungsmethoden (Laser, Wasserstrahl, CNC,.. ) liefern nochmal einen ganzen Haufen an speziellen Ausbildungen.

Nur wer davon ausgeht, dass Arbeit mit Menschen und sozialen Systemen um vieles einfacher ist als Metall zu bearbeiten kann glauben dass eine Sozak allen Anforderungen gerecht wird.

Ministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
12
11.4.2011, 15:27
man wird also in einem einzigen studiengang ausgebildet

- zum sozialarbeiter
- zum soziologen
- zum sozial-irgendwas-manager

eh klar.

ich mach jetzt auch bei humboldt den Ing-PhD-MBA! da könnte der hahn seinen dr. reparieren.

MA_dam
12
11.4.2011, 15:05
Das ist ein sinnloser

Lehrgang und nur eine Beschäftigung für Menschen ohne konkrete Vostellungen.

Johann Dau
02
11.4.2011, 13:41

Ein Masta für jede Lebenslage ;)

knievel
19
11.4.2011, 11:28

also langsam wirds skurril mit den studienrichtungen an den fh's.
kann man eigentlich schon einen master in 'verhaltenskreative studienrichtungsplanung' machen?

Georg mit der roten Vespa
65
11.4.2011, 10:05
Aha, ein Frauen"studium".

Herr und Frau Österreicher
 
03
11.4.2011, 10:31
wtf?

Freigeist78
33
11.4.2011, 09:31
"Leitungsfunktionen im öffentlichen Dienst "

Ja genau. *rofl*

Herr und Frau Österreicher
 
02
11.4.2011, 08:23
"die sich mit dem Leben von Menschen im öffentlichen Raum befasst."

Das klingt interessant. Gemeint ist aber damit ie Unterstützung einer Politik, die sich wahrscheinlich unbewusst an realsozialistische Vorbilder annähert. Der Unterschied ist nur, dass man die Menschen im realsozialismus "zu- und abrichten" wollte, um sie in die sozialistische (Stadt-)Planung integrieren zu können, während heute von der Politik drauf losgeplant wird und alles was nicht in den Plan passt, alles was nicht planbar ist, einfach mittels Priavtisierung des öffentlichen Raums und mittels Ordnungskräften entfernt wird! Schöne neue Welt...

http://lisasyndikat.wordpress.com/2010/07/0... sauberung/

http://lisasyndikat.wordpress.com/2007/11/1... eoliberal/

xy
00
11.4.2011, 04:33

danke redaktion :)

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