Musikverein verspricht "besonders aufwändige" Jubiläums-Saison

7. April 2011, 12:54
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Acht Uraufführungen und viele Stargäste aus Anlass des nahenden 200. Geburtstages

Wien - Es wird für den Musikverein eine besondere, "besonders aufwändige" Saison: Denn die Festlichkeiten zum 200. Geburtstag der Gesellschaft der Musikfreunde im Herbst 2012 gehen schon 2011/12 mit einem Aufgebot der Superlative los. "Wir haben alle Künstler eingeladen, die diesem Haus nahstehen", fasste es Intendant Thomas Angyan beim Pressegespräch amDonnerstag  zusammen. Das Resultat: 401 Konzerte in 61 Zyklen, mit mehr Gastorchestern, Residenzen und zeitgenössischen Auftragswerken "als wir jemals hatten".

Carte Blanche für Barenboim und  Kirchschlager

Ganz vorne in der Reihe der Geburtstagsgratulanten stehen Daniel Barenboim und Angelika Kirchschlager, beide mit Carte Blanche. Barenboim wird dabei 14 Konzerte bestreiten, zehn davon als Dirigent, aber auch als Solist bei Recitals und in Orchesterkonzerten sowie als Liedbegleiter von Anna Netrebko (am 6. Mai 2012). Als Artists in Residence stark präsent sind außerdem Andris Nelsons, der sechs Konzerte mit vier Orchestern geben wird, Zubin Mehta, der neben seinem Maggio Musicale auch mit den Wiener sowie mit den Münchner Philharmonikern auftritt und Rudolf Buchbinder, der erstmals im Concentus Musicus-Zyklus mit Mozart auf Hammerklavier programmiert ist.

Besonders froh zeigte sich Angyan über die Rückkehr von Claudio Abbado, der "an Wien wieder Freude gefunden hat" und ab der kommenden Saison für drei Jahre regelmäßig im Musikverein dirigieren wird. In dieser Zeitspanne werden sich auch die zahlreichen, vom Musikverein angesichts des 200ers in Auftrag gegebenen Kompositionen zur Uraufführung einfinden: Neben Christian Muthspiel, Krzysztof Penderecki und Herbert Willi steuern auch Thomas Daniel Schlee, Wolfgang Rihm oder Pierre Boulez in den nächsten zwei Jahren etwas bei. In der kommenden Saison stehen acht Uraufführungen an, darunter von Klaus Lang, Wolfgang Mitterer, Norbert Sterk und Thomas Wally.

Zahlreiche Orchester-Residenzen

Eröffnet wird die Saison schon am 5. und 6. September durch Riccardo Muti mit seinem Chicago Symphony Orchestra, dicht gefolgt von der Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann. Neben Auftritten etwa der Berliner Philharmoniker (unter Gustavo Dudamel), stehen allerdings auch zahlreiche Orchester-Residenzen auf dem Plan: Barenboim spielt mit seiner Staatskapelle Berlin alle neun Bruckner-Symphonien in elf Tagen, Riccardo Chailly mit dem Gewandhausorchester neunmal Beethoven.

Das Cleveland Orchestra, mit seinem Chef Franz Welser-Möst alle zwei Jahre in Wien, kehrt mit vier Konzerten zurück. Die beiden Mariss Jansons-Klangkörper, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und das Concertgebouw, kommen mit Andris Nelsons und ohne ihren Chef, der kommende Saison insgesamt weniger dirigieren wird und im Musikverein nur einmal mit den Wiener Philharmonikern auf dem Spielplan steht. Die 13 Auftritte der Philharmoniker werden außerdem von Daniele Gatti, Lorin Maazel, Thielemann, Muti, Barenboim, Mehta und Pierre Boulez geleitet. Die Symphoniker treten 14 Mal auf, darunter mit dem Musikvereins-Debüt des jungen Dirigenten David Afkham.

Gagen-"Notbremse"

Das Who is Who der Klassik setzt sich bei den Solisten ungebrochen fort: Liederabende geben neben Anna Netrebko auch Elina Garanca, Jonas Kaufmann, Mojca Erdmann und Renee Fleming, am Klavier werken Maurizio Pollini oder Mitsuko Uchida, an der Violone Gidon Kremer oder Anne-Sophie Mutter. Gemeinsam mit den Münchnern wird auch Lang Lang auftreten - für einen Soloabend zog Angyan im Angesicht der geforderten Gage "die Notbremse". An und über die Grenze des finanziell Machbaren gehe auch manche Orchester-Forderung, berichtete Angyan. "Wir hoffen, uns das noch eine Weile lang leisten zu können."

Im Budget liegt die Summe der Sponsorengelder heuer erstmals über den Förderungen durch die öffentliche Hand. Über die seit 1994 eingefrorene Bundes-Subvention zeigte sich Angyan zwar in Zeiten wie diesen "dankbar", weniger Freude machte ihm aber eine Kürzung seitens der Stadt Wien: Für das derzeit laufende Frühlingsfestival wurde die im März 2010 zugesagte Förderung von 240.000 Euro im Dezember auf 140.000 Euro gestutzt. Für 2013 gebe es allerdings wieder die - leider nicht schriftliche - Zusage für die volle Summe. Treu dagegen das Publikum, das in der laufenden Saison für einen Kartenverkauf "über Budget" gesorgt hat. Besonders gut verkauft ist das erneut ausgebaute Angebot für junge Zuhörer. 43 Prozent der Konzerte sind Programme für Kinder und Jugendliche. (APA)

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