Forschungszentrum eröffnet
Wien/Tulln - "Ich werde so weit kommen, dass man erschrecken wird, vor
der Größe eines jeden meiner ,lebendigen' Werke", schrieb Egon Schiele
am 1. 9. 1911 an Leopold Czihaczek. Wenn auch der Verbleib dieses
Briefes unbekannt ist, so ist doch das Faksimile und der Wortlaut des
Dokuments erhalten - in der Autografendatenbank des Leopold-Museums. Und
diese inzwischen fast 2500 Datensätze aus 30 nationalen wie
internationalen Sammlungen vereinende Archiv ist eine der drei Säulen
des neuen Schiele-Dokumentationszentrums, das nun im Leopold-Museum
eröffnet wurde.
Dies vereint die auf den Archiven des verstorbenen Sammlers Rudolf
Leopold aufbauenden Schiele-Dokumentation mit der Bibliothek (7.000
Publikationen, Schwerpunkt Schiele) und der Provenienzforschung des
Hauses.
Während die Autografendatenbank bereits über das Internet zugänglich ist
(www.egonschiele.at), sind andere für den externen Zugang zu
Schiele-Materialien noch im Aufbau. Sechs Arbeitsplätze stehen nun
einmal die Woche (gegen Voranmeldung, Donnerstags von 13 bis 18 Uhr) für
Studierende, Forschende und Journalisten zur Verfügung. Ebenfalls ins
Leben gerufen wurde ein "Egon-Schiele-Stipendium", das im Herbst
erstmals ausgeschrieben wird (Gesamtfördersumme 15.000 Euro).
Dem Werk des österreichischen Ausnahmekünstler widmet sich auch das
Egon-Schiele-Museum seiner Heimatstadt Tulln. Dieses wird heute,
Freitag, nach umfassenden Umbau- und Umgestaltungsarbeiten mit einer
Ausstellung über die "Jugendjahre des Künstlers" wiedereröffnet. (kafe / DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2011)