Kurze Rückkehr in Sperrgebiet ungefährlich

7. April 2011, 12:21
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Wiener Strahlenexperte Selzer: Schuhe abwaschen und Mundschutz als Sicherheitsmaßnahmen gegen radioaktiven Staub - Geigerzähler-Check für geborgene Gegenstände

Die japanische Regierung überlegt, Atom- und Erdbeben-Flüchtlinge für kurze Zeit in die Sperrzone um das havarierte AKW Fukushima eins zurückkehren zu lassen. Den Menschen soll die Möglichkeit gegeben werden, persönliche Besitztümer aus ihren früheren Wohnorten zu holen. "Nach allem, was wir über die Lage wissen, wären die Leute dabei keinen besonderen Risiken ausgesetzt", urteilte der Wiener Strahlenexperte Edgar Selzer über das Vorhaben.

Selzer, Leiter der Abteilung für Strahlenbiologie an der Universitätsklinik für Strahlentherapie und Strahlenbiologie der MedUni Wien, schätzt die Gefahren im Umkreis von Fukushima eins weit geringer ein als nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl: "In Japan gab es nicht diese riesige Explosion, es ist keine radioaktive Wolke über das Gebiet geflogen. Wenn es so gewesen wäre, wären die Gebäude vermutlich stark verseucht."

Reichweite der Strahlung der radioaktiven Partikel sehr gering

Im Fall des japanischen Katastrophenreaktors hingegen habe man es in der Rückkehrer-Frage mit zwei Faktoren zu tun: Zum einen mit der unmittelbar austretenden Strahlung: "Diese hat eine begrenzte Reichweite, die hört relativ knapp nach der Anlage auf", so Selzer.

Zum anderen geht es um radioaktive Partikel: "Die muss man sich wie Staub vorstellen. Wo Staub ist, finden sich auch die Partikel." Der Staub enthalte häufig Cäsium und Strontium. Vermutlich sind die freigesetzten Nuklide auf vielen Gebäuden in der gesperrten Zone zu finden - die Regierung hat im Umkreis von 20 Kilometern um das Kernkraftwerk eine Evakuierungszone eingerichtet. Bewohner, die 20 bis 30 Kilometer von der Atomruine entfernt leben, wurden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. In geschlossene Räume kann der strahlende Staub nicht eindringen.

"Die Reichweite der Strahlung der radioaktiven Partikel ist sehr gering", erklärte Selzer. "Wenn sich Partikel auf dem Dach eines Hauses befinden, werden sie Menschen im Gebäude nicht gefährden." Gefährlich würde es nur, "wenn man sie in den Körper aufnimmt. Dann kommt es noch darauf an, wie lange die Substanzen im Körper bleiben".

Schuhe abwaschen

Falls sich größere Mengen radioaktiven Staubs verteilt haben sollten - "Das wäre trotzdem nicht lebensgefährlich", so der Experte -, könnte es eine nützliche Maßnahme sein, nach der Rückkehr aus der Sperrzone die Schuhe abzuwaschen, meinte Selzer. Auch der von vielen Japanern schon vor der Katastrophe verwendete Mundschutz "könnte meiner Meinung nach Sinn machen, wenn radioaktive Partikel in der Luft schwirren".

Gegenstände, die aus dem Evakuierungsgebiet mitgebracht werden, würden wahrscheinlich von Experten mit einem Geigerzähler untersucht. "Ich erwarte mir aber keine gefährlichen Werte. Sonst würde die Regierung diesen Schritt erst gar nicht zulassen", ist der Mediziner überzeugt. (APA)

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