Für deutsche Wirtschaft scheint die Sonne

7. April 2011, 11:18
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Institute heben Wachstumsprognose an

Berlin - Steigende Preise und hohe Staatsschulden sind nach Einschätzung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute die größten Risiken für die weltweite Erholung. Schon jetzt träten gerade Schwellenländer wie China auf die Bremse, um den weiteren Anstieg der Lebenshaltungskosten zu dämpfen, schrieben die Institute in ihrem am Donnerstag vorgelegten Frühjahrsgutachten. In Industriestaaten, vor allem am Rande der Euro-Zone, sei zudem ein staatlicher Sparkurs eingeschlagen worden, um das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen. Das dämpfe das Wachstum ebenfalls. Die Forscher rechnen für das laufende Jahr mit einem Anstieg der globalen Wirtschaftsleistung von 3,4 Prozent, 2012 seien 3,3 Prozent Zuwachs möglich.

Risiken

"Es besteht aber das Risiko, dass es zu einem Rückschlag kommt", schrieben die Experten. Anfällig für Schocks seien besonders die Länder, in denen die Krise große strukturelle Probleme offenlegte, wie etwa die USA und einige Euro-Länder. Das könne Vertrauensschocks an den Finanzmärkten auslösen, deren Folgen derzeit an der Entwicklung in den Peripheriestaaten der Euro-Zone ablesbar seien. "Sollte es in großen Ländern mit erheblichen finanzpolitischen Schieflagen, etwa in Japan oder den USA, zu einer solchen Entwicklung kommen, würde die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden." Japan ist mit mehr als dem Doppelten seiner Wirtschaftsleistung verschuldet, das Haushaltsdefizit der USA ist derzeit so groß wie nie zuvor.

Auch die Unruhen in Nordafrika und der steigende Ölpreis seien ein Risiko für die Erholung. Sollte es zu einem Angebotsschock kommen und der Preis deutlich zulegen, könne das in einigen Ländern zu einem Rückfall in die Rezession führen. Derzeit sei aber der größte Teil des Ölpreisanstiegs auf die gute Konjunktur zurückzuführen, lediglich gut zehn Dollar je Barrel seien in erhöhten Versorgungsrisiken begründet. "Diese Größenordnung reicht wohl nicht aus, die Weltkonjunktur deutlich zu dämpfen", schränkten die Forscher ein.

Das Erdbeben und die Atomkatastrophe in Japan dürften die weltweite Wirtschaft dagegen kaum belasten. Allenfalls kurzfristig sei mit Dämpfern zu rechnen, weil die Lieferkette bei wichtigen Elektroteilen unterbrochen sei. Ab der zweiten Jahreshälfte dürfte die japanische Wirtschaft wegen des Wiederaufbaus sogar deutlich in Schwung kommen, schrieben die Forscher. Voraussetzung sei allerdings, dass es nicht zu einer massiven nuklearen Verseuchung komme und insbesondere der Großraum Tokio verschont werde. "Die Folgen einer solchen Entwicklung erscheinen unkalkulierbar."

Wachstum zieht an, Löhne steigen

Deutschland wird nach Ansicht der führenden Wirtschaftsexperten in diesem Jahr einen kräftigen Aufschwung erleben. In ihrem Frühjahrsgutachten sagten sie einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,8 Prozent für dieses Jahr und einen Anstieg von 2,0 Prozent im kommenden Jahr voraus. Mit dem anhaltenden Aufschwung werde die Arbeitslosenquote voraussichtlich auf 6,9 in diesem und auf 6,5 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen.

Mit dem Wachstum werden auch die Löhne steigen, die Binnennachfrage werde "mit nahezu unverändertem Tempo zunehmen", erwarten die Wirtschaftsforscher. Mit ihrer Prognose liegen sie über ihren Schätzungen vom Herbst, als sie für 2011 ein Wachstum von 2,0 voraussagten. Die deutsche Bundesregierung rechnet in diesem Jahr bisher mit einem Wirtschaftswachstum um 2,3 Prozent, nachdem im vergangenen Jahr mit 3,6 Prozent das höchste Plus seit der Wiedervereinigung erreicht worden war.

Die acht führenden Institute, die das Frühjahrsgutachten für die deutsche Regierung erarbeiteten, plädieren als Lösung der Euro-Schuldenkrise für eine stärkere Einbindungen privater Gläubiger und die Möglichkeit von Staatspleiten. Der von der Euro-Zone geplante Rettungsschirm (ESM) ab 2013 gehe zwar in die richtige Richtung, lasse aber auch Zweifel aufkommen, erklärten die Wirtschaftsforscher in ihrem Frühjahrsgutachten. "Die aktuellen Regelungen lassen vielmehr erwarten, dass die Gläubiger auch bei schwerwiegenden Finanzierungsproblemen eines Landes nicht an den Kosten beteiligt werden." Dies sollte aber geschehen, damit die Finanzmärkte Risiken angemessen bewerteten.

Eine Beteiligung der Kapitalgeber sei nur glaubhaft, wenn ein staatlicher Zahlungsausfall nicht zu größeren Verwerfungen auf den Finanzmärkten oder im Bankensystem führe, argumentieren die Forscher. "Um dies zu erreichen, ist ein geordnetes Insolvenzverfahren für Staaten erforderlich." Der mit dem ESM eingeschlagene Weg gewährleiste dies aber nicht und könne letztlich dazu führen, dass die Solidarität der finanzstarken Länder erheblich strapaziert werde. "Die Institute empfehlen der Bundesregierung daher, auf Änderungen beim ESM hinzuwirken mit dem Ziel, einen funktionsfähigen und anreizkompatiblen Insolvenzmechanismus für Staaten zu schaffen."

Nach wochenlanger Gegenwehr musste auch Portugal am Mittwochabend einräumen, dass es auf Finanzhilfen der EU angewiesen ist. Die Refinanzierung der Regierung in Lissabon hatte sich zuletzt drastisch verteuert. Auch Griechenland und Irland profitieren bereits von Hilfspaketen der EU und des Internationalen Währungsfonds in Milliardenhöhe. (APA)

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    Es geht weiter aufwärts mit Deutschland.

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