Musikrundschau

7. April 2011, 17:31
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Neue Alben von The Vaccines und Papercuts

THE VACCINES
What Did You Expect From The Vaccines?
(label)
Mit dem schönen und trotz junger Jahre ungemein lebenserfahren tuenden Text ihres Hits Post Break-up Sex begeistern die vier hängeschultrigen Briten derzeit das gitarrenhörige Jungvolk. Texte sind Sänger Justin Young insofern wichtig, als er in seinem früheren Leben als Jay Jay Pistolet im Folk- und Zupfgitarren-Genre unterwegs war. Dort kommt man mit Lalelu ja ungleich schwerer davon als im handelsüblichen Britpop. Mit The Vaccines wandelte sich Young vom sensiblen Singer-Songwriter zum sensiblen Rocker. Er kombiniert in klischeeverdächtig betitelten Songs wie Blow It Up, Under Your Thumb oder Wolf Pack den melodie- und sixtiesseligen Punkrock der Ramones mit dezent angelegtem Feedbackkreischen der 1980er-Jahre-Post-Punkhelden The Jesus And Mary Chain, die hinter ihren durchgebrannten Verstärkern auch heimlich die Beach Boys und die Shangri-Las beherbergten. Dass The Vaccines dasselbe Management wie die Kaiser Chiefs und Franz Ferdinand haben und mit ihrer landesüblichen Liebe für Fußballchöre in den Refrains und weite Klangräume nicht hinter dem Berg halten, dürfte einen zusätzlichen Karriereschub bedeuten. Wenn man die Fußballchöre abzieht, spricht wenig gegen diese sympathische Band. Allerdings nerven die, wie soll man es sagen, nicht wahnsinnig komplex angelegten Songs ungefähr ab dem vierten CD-Durchlauf. Das Frühwerk der Ramones und The Jesus And Mary Chain ist dann doch entschieden dringlicher angelegt.

PAPERCUTS
Fading Parade (Sub Pop / Trost)
Lascher und verhallter Traummännlein-Pop aus San Francisco, der viel Morrissey und The Smiths gehört, dann aber darauf vergessen hat, ergänzend Vitamintabletten einzunehmen. (schach / DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2011)

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