Youtube will offenbar "Fernsehkanäle" einführen

7. April 2011, 10:53
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Google Videoplattform plant mehr hochwertige Inhalte - Werbung soll neues Angebot finanzieren

Einem Bericht des Wall Street Journals zufolge möchte sich Google mit seiner Online-Videoplattform YouTube neu positionieren. Das Portal soll damit auf die neue Generation an Fernsehgeräten vorbereitet werden, die das Abspielen von Online-Videos erlauben. Kurzum: YouTube will ins Wohnzimmer.

Das WSJ stützt sich bei der eigenen Berichterstattung auf Personen die mit den vermeintlichen Plänen vertraut sind. Demnach sei es YouTubes Ziel gegen Rundfunker und Kabelanbieter anzukommen. Dafür müssten Nutzer über einen längeren Zeitraum auf YouTube verweilen, Werbetreibende müssten von der Nutzerreichweite der Videoplattform überzeugt werden. 

Neue Inhalte, loyale Nutzer

Geplant seien einigen Veränderungen, unter anderem soll eine Reihe an YouTube-Kanälen hervorgehoben werden und darin professionell produzierte Inhalte platziert werden. Rund 20 Kanäle, wie beispielsweise Kunst oder Sport, sollen wöchentlich mit dem Content gefüttert werden. Günstige, für das Internet produzierte, Inhalte sollen um rund 100 Millionen US-Dollar eingekauft werden.

YouTube erhoffe sich neben der Mischung von nutzergenerierten Inhalten mit vollwertigen TV-Sendungen eine neue Nische an hochwertigen Webvideos zu schaffen, durch welche man loyale Nutzer gewinnen wolle. Die Leute sollen "YouTube sehen" wie sie "fernsehen."

Konkurrenz mit Netflix und Co

Sollten sich die Schritte Googles mit YouTube bestätigen so kommen diese nicht unerwartet. Denn mit Netflix, Hulu und Amazon.com gibt es bereits einige Anbieter von Online-Streaming-Diensten mit hochwertigen Inhalten, darunter Fernsehsendungen aber auch Filme. Solche Dienste treten damit in direkte Konkurrenz zu Rundfunk - und Kabelanbietern. Kürzlich erklärte etwa der US-amerikanische Anbieter von Satellitenfernsehen, Dish Network, dass man in einer Auktion das Unternehmen "Blockbuster Inc." erstanden habe. Blockbuster streamt unter anderem Filme aus dem Internet.

Gewinn statt Traffic

In der Vergangenheit setzte Google auf hohen Traffic, das Rampenlicht wurde auf einzelne Videoclips gelenkt um diese berühmt zu machen. YouTube versäumte es in direktem Kontakt zu Nutzern mit selbsterstellten Videoinhalten zu stehen. Qualitätsanforderungen an Inhalte gab es keine, der Gewinn blieb ebenso aus.

Im Jahr 2006 wurde YouTube von Google für eine Summe von 1,6 Milliarden US-Dollar übernommen um die Plattform profitabel zu machen. In der Hoffnung mehr Werbung verkaufen zu können begann die Suche nach Fernsehsendungen und Filmen, mit wenig Erfolg. Denn Google weigerte sich in der Vergangenheit Lizenzgebühren in einer Höhe zu bezahlen wie es etwa Netflix bereit war. 

Zwar gibt und gab es auf YouTube schon lange hochwertige Inhalte, doch wurden diese oftmals ohne Einverständnis des Rechteinhabers hochgeladen. Anstelle der Bezahlung hoher Lizenzgebühren setzt Google daher auf ein Filtersystem und weitere Verbesserungen bei der Programmierung von YouTube. Momentan befindet sich die Videoplattform daher auch auf Personalsuche. 

Hollywood soll an Bord

Die Arbeiten am neuen YouTube seien noch nicht abgeschlossen, in den vergangenen Wochen sollen Gespräche mit Talentagenturen aus Hollywood geführt worden sein. Möglicherweise könnten mit den Agenturen eigene Kanäle, etwa für Newcomer, geschaffen werden. Es könnte aber auch sein, dass es lediglich um Verträge mit Produktionsfirmen oder einzelnen Berühmtheiten geht. 

Letzten Herbst habe YouTube bereits 100 Millionen US-Dollar für die Filmbibliothek von Miramax geboten, gleich viel wie Netflix. Netflix habe diese Summe schließlich auch für die 700 Filme bezahlt, Youtube nicht.

Umsätze und TV-Markt

70 Milliarden US-Dollar werden jährlich im US-Fernsehen durch Werbung erwirtschaftet - Google möchte einen Teil davon. Momentan liegt die durchschnittliche tägliche Verweildauer eines YouTube-Besuchers bei nur etwa einer Viertelstunde.

Führende YouTube-Mitarbeiter erklärten, so das WSJ, dass man fast profitabel sei. Letztes Jahr fuhr die dritt-meistbesuchte Seite der Welt 544 Millionen Dollar ein, dieses Jahr sollen es mehr als 800 Millionen Dollar sein - schätzt die Citigroup. (red)

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