Eine Familie am Freiwilligentrip

7. April 2011, 13:03
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Die Pappfiguren-Familie Pfaderer reist durch Österreich und die EU, um Freiwilligeninitiativen vor den Vorhang zu holen

Manche Leute haben am WC die besten Ideen, andere beim Auto- oder Zugfahren. Auf jeden Fall an Orten, an denen man Zeit hat und seinen Gedanken nachhängen kann. Philipp Pertl hatte "seine beste Idee" im Bett, am 27. Dezember 2010. Er wollte das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 besonders würdigen, nicht zuletzt, weil er selbst bei den Pfadfindern freiwillig engagiert ist. Aus der Idee wurde schnell eine kreative Aktion: Eine Familie aus Pappfiguren sollte zu Freiwilligen Organisationen in Österreich reisen - und auch ausländische Initiativen innerhalb der EU besuchen. Der Name: Familie Pfaderer. Warum? Laut Pertl und Telefonbuch gibt es den Namen in Österreich sonst nicht.

Die Muslimische Jugend, die Interessensgemeinschaft Epilepsie oder der Elternverband Wien: Sie alle waren schon Gastgeber der vierköpfigen Familie oder ihrem Hund. Das Prinzip ist einfach: Max, Vroni, Philipp, Christl und Wuffi I. sollen von Initiative zu Initiative weitergeschickt werden und so dazu beitragen, dass sich die Freiwilligenorganisationen untereinander besser kennenlernen.

Nach jedem Besuch sollen sich die Freiwilligen selbst mit den Figuren fotografieren und einen kurzen Vorstellungstext schreiben. Den stellt Pertl dann auf das eigens eingerichtete Onlineportal. "Ich kenne durch mein Engagement viele Aktionen, aber bei weitem nicht alle", sagt Pertl. "Ich will auch die Unbekannten vor den Vorhang holen und sie vorstellen. Und vielleicht kann ich auch den einen oder anderen für ein freiwilliges Engagement begeistern."

15-20 Pfaderers unterwegs

Was jetzt schon quasi ein Selbstläufer ist und mit bis zu zwei neuen Geschichten pro Tag auf die Homepage schafft, war am Anfang mühsame Arbeit. "Ich habe viele Organisationen aktiv angeschrieben, herumtelefoniert und die Figuren verschickt", erzählt Pertl. So seien mittlerweile bereits 15 bis 20 Personen im Umlauf. Christl, die vor allem im europäischen Ausland unterwegs ist, ging schon einmal verloren: auf dem Postweg nach Passau. 

Jede der Figuren soll außerdem spezielle Organisationen besuchen. So reist Familienhund Wuffi I. vor allem zu Aktionen, die sich mit dem Thema Tiere befassen, etwa der Rettungshundestaffel. Mama Vroni soll bei Fraueninitiativen vorbeischauen und Sohn Philipp ist für Jugendorganisationen zuständig. Letztere liegen Pertl, der sich selbst in der Figur des Sohnes verewigte, besonders am Herzen. "Denkt man an Freiwilligeninitiativen, dann vor allem an die Blaulichtorganisationen wie Feuerwehr oder Rettung", sagt Pertl. "Dabei kümmern sich die Jugendorganisationen um die Bildung unserer Kinder und Heranwachsenden. So tragen sie viel zu unserer Gesellschaft bei, auch wenn sie nicht gleich Leben retten."

Sponsoren gesucht

Die Familie Pfaderer soll noch bis Ende des Jahres unterwegs sein und weiterverschickt werden. Die Deadline sei laut Pertl aber nicht zwingend, wenn es danach noch weitergehe, würde er das begrüßen. Zurzeit ist der Initiator außerdem auf der Suche nach Sponsoren, denn er selbst habe schon 1.500 Euro, neben unzähligen Arbeitsstunden, in das Projekt investiert. (Bianca Blei, derStandard.at, 7.4.2011)

  • Behindertensportler Thomas Geierspichler mit den Pfaderers.
    foto: zvg

    Behindertensportler Thomas Geierspichler mit den Pfaderers.

  • Der Initiator, Philipp Pertl, ist selbst bei den Pfadfindern.
    foto: pertl

    Der Initiator, Philipp Pertl, ist selbst bei den Pfadfindern.

  • Auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer unterstützt das Projekt.
    foto: zvg

    Auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer unterstützt das Projekt.

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