Test: Das Rennen der Davids gegen den iPod

7. April 2011, 16:52
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MP3-Player zum Laufen im Test - Nicht jeder überzeugt und Apple ist etwas teuer

Laufen und dabei Musik hören: Millionen tun es, tagtäglich. Aber warum eigentlich?, fragte sich der Redakteur, der bisher auch recht gut ohne Musik im Ohr das Auslangen fand. Und bestellte sich kurzerhand ein paar dieser modernen MP3-Player.

Bloß: welche? Unzählige Modelle existieren, das verriet ein kurzer Klick zum Geizhals. Zahlreiche Hersteller wurden also angeschrieben, auf dass sie speziell für das Laufen (wenn's denn sein muss, auch: Joggen) designte Geräte zur Verfügung stellen mögen. Erstaunlicherweise ließen bei weitem nicht alle etwas von sich hören; nur von Philips kam dabei eine Entschuldigung: Die alte Serie sei gerade am Auslaufen, die neue noch nicht erhältlich, sorry. Sony versprach, die Verfügbarkeit zu prüfen, schickte dann aber nichts. Ein paar weitere antworteten weder so, noch so. Sondern gleich gar nicht.

Egal. Im Rennen blieb der französische Hersteller Archos, der gleich zwei Player schicken ließ, sowie der i.Beat von TrekStor, ein Produkt aus deutscher Wertarbeit (theoretisch; "Made in China" prangt hinten an allen Geräten drauf). Ach ja: Und Apple schickte den iPod Nano 8 GB inklusive dem "Nike+ Sport Kit", mit dem der Musikplayer zum Personal Trainer wird. So viel zum ersten Eindruck. Noch Fragen?

Sportkopfhörer sind eine Option

Es wurde also ein Kampf der Herausforderer gegen den Platzhirschen. Der Davids gegen den Goliath. Eines wurde beim Testen schnell klar: Für sportliche Betätigungen sind alle herkömmlichen Ohrhörer schlecht geeignet. Hier macht es durchaus Sinn, noch etwas Geld in Sportkopfhörer zu investieren, die einen Nacken- oder Ohrbügel aufweisen und deshalb nicht ständig herausplumpsen.

Mehrere weitere Ums und Aufs konnten dann auch noch rasch herausgefiltert werden: Die Kabel der Ohrhörer sollten lang genug sein, um das Gerät überall wo gewünscht unterzubringen, aber auch wieder nicht zu lang, damit man nicht das Gefühl kriegt, eine Kabeltrommel durch die Gegend zu schleppen. Das Gerät sollte außerdem eine möglichst geringe Größe aufweisen, die ein aufwandloses Einstecken irgendwo zwischen Schulter und Gürtellinie - wo es die Adjustierung eben gerade zulässt - ermöglicht.

Knöpfe und ihre Bedienbarkeit

So weit, so gut. In den ersten Testläufen offenbarte sich dann schon das (um hier noch vornehm im Singular zu bleiben) größte Problem der Low-Cost-Produkte (vulgo Herausforderer vulgo Davids): Sie weisen enorme Schwächen auf, wenn es etwa darum geht, im Lauf einen neuen Titel anzuwählen, die Lautstärke zu regeln oder sich auch nur am Display rasch zurechtzufinden. Die Displays sind durch die Bank unbrauchbar, in der Sonne praktisch gar nicht zu lesen. Die Lautstärke ist etwa bei den Archos-Geräten viel zu laut eingestellt, sie muss bei jedem neuen Training erst zurückgedreht werden. Und auch die Bedienbarkeit stellt sich rasch als regelrecht zum Davonlaufen heraus: Das Drücken mancher Knöpfe ist nur mit höchstem Aufwand möglich, weil der notwendige Gegendruck genau dort entstehen müsste, wo sich akkurat ein anderer Knopf befindet. Zumindest ist das beim kleineren Archos-Player (Vision A14VG) so, die anderen beiden wollen an der Vorderfront bedient werden.

Die positiven Eigenschaften der billigeren Player sind eigentlich sehr schnell gar keine mehr, weil sie entweder genau deswegen ausgewählt wurden (ihre geringe Größe und ihr geringes Gewicht), oder sowieso schon Standard auf dem gesamten Produktsektor sind: ein Flash-Speicher, der für ruckelfreien Musikgenuss sorgt; die Aufladung des Akkus über USB; keine Software, die langwierig installiert werden müsste; mindestens 4 GB Speicherplatz, die per Drag-and-drop befüllt werden können; ein Radio-Tuner; und die eine oder andere Halteschlaufe, mit der das Abspielgerät auch an der Kleidung befestigt werden könnte.

Preis und Leistung

Schließlich also der iPod nano. Der überzeugt den langjährigen Apple-Skeptiker zwar auf Anhieb: hervorragendes Touch-Display, sehr gute Menüführung, klein und leicht, enorm vielseitig. Das Nike-"Sport Kit" (30 Euro extra) macht zudem Lust darauf, sofort wieder mit dem Halbmarathon-Training zu beginnen. Allerdings ist da auch der stolze Preis, der mit rund 140 Euro um das Zweieinhalb- bis Vierfache über jenem der anderen Geräte liegt.

Was also tun? Künftig ebenfalls, wie die zahllosen anderen, auf Donaulände und -insel mit Stöpseln im Ohr auftauchen? Die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedenfalls größer geworden. (map, derStandard.at, 7.4.2011)

  • TrekStor i.Beat move S 2.0, 8 GB, ab ca. 50 Euro
    foto: derstandard.at/putschögl

    TrekStor i.Beat move S 2.0, 8 GB, ab ca. 50 Euro

  • ARCHOS lab Vision, 4 GB, ab ca. 50 Euro
    foto: derstandard.at/putschögl

    ARCHOS lab Vision, 4 GB, ab ca. 50 Euro

  • ARCHOS Vision A14VG, 4 GB, ab ca. 30 Euro
    foto: derstandard.at/putschögl

    ARCHOS Vision A14VG, 4 GB, ab ca. 30 Euro

  • iPod Nano 8GB, ab ca. 140 Euro
    foto: derstandard.at/putschögl

    iPod Nano 8GB, ab ca. 140 Euro

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