Mozarteum-Orchester sagte Korea-Tournee kurzfristig ab

6. April 2011, 19:28
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Aus Angst vor japanischer Radioaktivität - Weitere Saisonpläne präsentiert

Salzburg - Eine Tournee des Salzburger Mozarteumorchesters hätte ab 23. März drei Konzerte in Korea umfassen sollen - für den 30. März war die Rückkehr geplant. Zwei Tage vor dem geplanten Abflug haben sich die 55 für das Gastspiel vorgesehen Musiker aber schriftlich gegen die Reise entschieden.  Der Grund: Bei den Musikern überwog mehrheitlich die Angst vor atomarer Verstrahlung aus dem Katastrophenreaktor im japanischen Fukushima.

"Es gibt zwar einen Kollektivvertrag, der die Musiker zur Mitwirkung an Konzerten verpflichtet", erläuterte Vera Hazebrouck, Geschäftsführerin des Orchesters:  "Aber als Dienstgeber habe ich eine Fürsorgepflicht, und es kam für mich nicht infrage, die Musiker zu einer Reise in ein Gefahrengebiet zu zwingen. Immerhin wurden auch im 1.000 Kilometer von Japan entfernten Korea erhöhte Strahlenwerte gemessen."

Hazebrouck sprach von höherer Gewalt und hat sich für ihre Absage Rückendeckung von der lokalen Politik geholt:  "Es ist jetzt zwei Wochen her, dass ich den koreanischen Veranstaltern unsere Entscheidung mitgeteilt habe, bisher liegt nur eine Antwort vor, in der unsere kurzfristige Absage außerordentlich bedauert wird. Mit Regressforderungen wurden wir bisher aber nicht konfrontiert".

Pläne für 2011/2012

Das Management des Mozarteumorchester stellte am Mittwoch ihre Partner für die kommende Konzertsaison  bei einer Pressekonferenz vor. In den vier Sonntagsmatineen und den sechs Donnerstagkonzerten werden Marc Minkowski, Thomas Quasthoff, Angelika Kirchschlager, Elena Bashkirova, Isabelle Faust, Frank Peter Zimmermann oder David Afkham mit dem Orchester auftreten.

Bei den Salzburger Festspielen steht heuer zumindest eine konzertante Oper auf dem Spielplan: Als Solisten in Tschaikowskys "Iolanta" sind unter anderen Anna Netrebko und Piotr Beczala angekündigt.

Chefdirigent Ivor Bolton, über dessen zweite Vertragsverlängerung zurzeit gerade geredet wird, sagte, es gehe nicht um seine Person, sondern um die kontinuierliche Weiterentwicklung auf allen Ebenen.

Von Erfolgen sprach Geschäftsführerin Hazebrouck. Für die Sonntagsmatineen im Großen Festspielhaus (Auslastung 75 Prozent) und die Donnerstagkonzerte im Großen Saal der Stiftung Mozarteum (Auslastung 100 Prozent) seien alleine bei den Abos 1.300 Stück verkauft worden.

Neben den eigenen Konzerten bespielt das Orchester von  das Landestheater (acht Produktionen), die Mozartwoche (zwei Konzerte), die Festspiele (außer der Oper fünf Matineen und zwei Sonderkonzerte) und wirkt im Programm der Salzburger Kulturvereinigung mit (zwei Konzerte). Dazu kommen regelmäßige Plattenaufnahmen sowie Tourneen und Gastspiele. (APA)

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