Sackerl sind politisch schwer abbaubar

6. April 2011, 19:10

Wieselburg hat vor drei Monaten die große Plastiksackerl-Freiheit ausgerufen – Die Umsetzung dieses Zieles ist freilich nicht so einfach – Im Landtag üben sich SPÖ und ÖVP derweilen im Antragstellen

Wieselburg/Wien - Das Ziel klingt ehrgeizig: "Optimal wäre es, die Plastiktaschen gänzlich und dauerhaft aus den Wieselburger Geschäften/Betrieben zu entfernen", heißt es in einer Resolution, die der Gemeinderat der SP-regierten niederösterreichischen Kleinstadt Ende vergangenen Jahres einstimmig beschlossen hat.

Ein Lokalaugenschein drei Monate später. Im Einkaufszentrum herrscht am Samstag reger Betrieb, die Wieselburger transportieren ihre Einkäufe nach wie vor in bunten Sackerln nach Hause. Bei kleinen Geschäften sei man durchaus erfolgreich gewesen, die großen Handelsketten seien allerdings schwerer zu überzeugen, räumt Umweltgemeinderätin Irene Weiß (SP) im Gespräch mit dem Standard ein: "Wir können ja Tchibo, Lidl oder Penny schlecht vorschreiben, dass sie keine Sackerln mehr verkaufen dürfen."

Das könnte nur der Umweltminister - an den die Stadt schon appelliert hat. Zu einem österreichweiten Plastiksackerlverbot konnte sich Nikolaus Berlakovich (ÖVP) noch nicht durchringen; das Ministerium startete Anfang März aber ein Pilotprojekt, in dessen Rahmen Sackerln aus biologisch abbaubaren Materialien in österreichischen Handelsketten eingeführt werden sollen.

Sackerlfrage beschäftigt auch Landtag

In Wieselburg versucht man einstweilen, "gute" Sackerl aus natürlichem Kunststoff ("Naku") an die Konsumenten zu bringen. Auf der Website www.mybagisnotplastic.at dokumentiert Umweltgemeinderätin Weiß, die sich zu der Aktion vom Film Plastic Planet inspirieren ließ, den unterschiedlichen Verfallsprozess zweier Sackerln: Jenes aus "richtigem" Kunststoff übersteht zehn Tage auf dem Komposthaufen völlig unbeschadet, das Naku-Produkt ist auf dem Vorher-nachher-Foto gänzlich verschwunden.

Der Spar-Markt im Einkaufszentrum verkauft die Naku-Sackerln um zehn Cent statt der Gratis-Obstsackerl; immerhin 1300 hätten in einem Monat den Besitzer gewechselt, sagt Weiß. Auch das große, natürliche Plastiksackerl schlägt mit 35 Cent deutlich mehr aufs Geldbörsel als die Papiertasche (24 Cent) oder die Plastiktasche (21 Cent).

Die Sackerlfrage beschäftigte Ende Februar auch den niederösterreichischen Landtag. Günther Leichtfried, Bürgermeister von Wieselburg und Klubobmann der Roten im Landtag, brachte gemeinsam mit den Grünen einen Antrag auf ein Plastiksackerlverbot ein. Die VP lehnte diesen ab, um postwendend ein "Verbot von nicht biologisch abbaubaren Kunststofftragetaschen aus fossilen Rohstoffen" zu fordern - und natürlich zu beschließen.

Der feine Unterschied

Der Unterschied zwischen den Ansinnen dürfte auch den Protokollführern der Landtagssitzung nicht ganz klar gewesen sein: "Der Resolutionsantrag betreffend Verbot von Plastiktaschen wurde abgelehnt, der Resolutionsantrag betreffend Plastiksackerlverbot wurde mit Mehrheit angenommen", hieß es in einer Aussendung nach der Sitzung.

SP-Umweltgemeinderätin Weiß sieht's gelassen: "Die ÖVP hat das abgeschmettert, weil anscheinend eine gute Idee nicht von woanders kommen kann. Aber mir ist das egal, Hauptsache es geht durch. Wir können uns bei Umweltfragen keine politischen Querelen mehr leisten."

Für das Land bringt derzeit Umweltlandesrat Stephan Pernkopf (VP) 50.000 biologisch abbaubare Sackerln unters niederösterreichische Volk, in erster Linie bei Märkten. Darin sollen sich Brot, Obst, Gemüse und Schwammerln sogar länger halten. Vielleicht machen Pernkopfs Sackerln auch in Wieselburg die Runde - die rote Stadt ist immerhin die Heimat des schwarzen Landesrates. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2011)

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Politik als Gestalter.

Diskussion über Plastiksackerl - etwa 30 Jahre.
Diskussion über Ortstaferl - etwa 60 Jahre.

Probleme haben wir sonst keine?, bei dem Umsetzungstempo würde es auch etwa 4000 Jahre dauern bis fundamentalere Probleme behandelt und Lösungen dafür gefunden werden.

Wir leben in einem Wirtschaftsfaschismus, recht ausgedehnt über dem Globus.
Manchmal kommunistisch, manchmal demokratisch, manchmal anderswie genannt.

Politiker sind diejenigen die über den Steg der Modeschauen schreiten und den Trend für nächstes Jahr vorbereiten.

Wahlen, bisserl links Färbige, bisserl rechts Färbige.
Bei genauer Betrachtung der bunten Packerl, der Inhalt - immer der Gleiche faulende Inhalt.

In Spanien sind die Plastiksackerln bereits

aus den Geschäften verschwunden. Bitte dort erkundigen, wie s geht!

"dm" wird ab 1.Juli keine Plastiksackerl mehr haben

Stattdessen Papiersackerl um 30 Cent (4 Schilling 50, stolzer Preis)
oder Baumwolltaschen um 1,- aber mit Rückgaberecht

Wenn man sich anschaut, wie all die Waren verpackt sind, bevor sie ins Regal eingeschlichtet werden, dann ist das Plastiksackerlverbot für den Endkunden ein blanker Hohn

m.E. eine Ausrede, dem Kunden bei jedem EInkauf 30 Cent aus der Tasche zu leiern - denn wer nimmt schon in die Arbeit seine dm-baumwolltasche mit, wenn er/sie nach Büroschluß schnell ins Geschäft huscht

In einigen Filialen haben sie's ab Jahresbeginn ausprobiert, zB Hietzing Dommayergasse, ob die Leute sich aufregen

Nein, sie regen sich nicht auf, die Kunden in dem Laden sind im Schnitt 80 Jahre alt

Ich hab schon begonnen, Sackerl zu hamstern.

Ich hamstere zwar auch Plastiksackerl, aber ich habe auch mehrere Baumwolltaschen, von denen ich immer eine mit habe, falls ich unterwegs etwas kaufen will. So ein Aufwand ist das nicht. Die Taschen sind klein und leicht, zusammengeknüllt spürt man die überhaupt nicht.

Verglichen mit einem modernen Smartphone...

... ist der Stoffsack wirklich nicht viel größer :-)

Das Plastiksackerl ist österreichisches Kulturgut!

Insbesondere in der Erscheinungsform als gelbes Billasackerl.Woanders gibt's bestenfalls Tüten.
Ein Glück, dass das der Prawy nicht mehr erleben muss. Der hat die ja sogar im Sacher salonfähig gemacht.

P.S.: Meine deutsche Freundin hat bei ihrem ersten Wienaufenthalt die Frage der Supermarktkassiererinnen "A Sackerl a?" für eine freundliche österreichische Grußformel gehalten.

Himmel Arsch und Zwirn

Die Ägypter haben vor tausenden Jahren die Pyramiden gebaut und wir schaffen's nicht mal Plastiksackerl los zu werden....

es is zan rean

Ich wiederverwnde das Platiksackerl für den Küchenabfall

Sie higegen kaufen sich ein Plastiksackerl für den Küchenmüll.
Meines wird mit der schlussendlichen Verbrennung mindestens dreimal verwendet. Ihres hingegen nur zweimal.

Ausserdem - ÜBERRASCHUNG!!! - gibt es inzwischen auch Sackerln aus anderen Materialien bei denen es nicht gewährleistet ist dass Archäologen in einigen tausend Jahren immer noch verkündet wird dass der Hausverstand Billa sagt...

Wer sagt das?

Ich z.B. hebe Plastiksackerln auf und verwende sie in der Regel weit häufiger als nur zwei Mal.

Toll!

Liebe Wieselbuger, liebe Nö'er!

Wer Interesse an wirklich wichtigen Umweltthemen hat, sollte sich (z.B.) einmal dem Pendlerproblem widmen; Zitat: "Bei der Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel liegt Niederösterreich (20%) nach Wien (52%) insgesamt an der zweiten Stelle und leicht unter dem österreichischen Durchschnitt von 24%."

Hier entnommen: http://m.arbeiterkammer.at/bilder/d2... lyse05.pdf

USA führt die Dickensteuer ein - in AT denkt man auch gleich darüber nach; in IT das Verbot von Plastiksackerln - in Wieselburg dreht sich alles darum.

Sehr kreativ....

der durchsnittsösterreicher verwendet pro jahr 30 plastiksackerl und 66 gemüsesackerl - macht 2,2 kg co2 im jahr.
das ist weniger als ein liter diesel und
wenn der müll verbrannt wird, dann fehlt diese energie und muss von der fernwärme verbrannt werden.
das sind populisitsche scheingefechte und ablenkungsmanöver.
ausserdem wird für die produktion der stärke und der stärkesackerl auch energie benötigt - (kunstdünger, spritzmittel...) also sparen wir nicht einmal die 2,2 kg co2.

bei einem öko-fairtrade-bio-sackerl werden weder kunstdünger noch spritzmittel verwendet.

kunstdünger für biosackerl wäre ja der hohn schlechthin. verkäufern solcher sackerl sollte man die lizenz entziehen.

genauso ist es

volksverdummung wird hier betrieben ned mehr und ned weniger

plastik(sackerln) sind erdoel welches am weg zur thermischen nutzung vorher sinnvolle zwecke erfuellt

Bitte um Hilfe!

(zugegeben, bisserl OT, sorry!)

In W muß man seit geraumer Zeit Plastikfolien (alles außer Hartplastik) wieder in den Restmüll geben - das macht den Restmüll auch nicht größer, versicherte die damalige Umweltstadträtin. *g*

Nur ist es mir entgangen, WARUM eigentl?

Gerüchte besagten, der Restmüll brenne nicht gut genug undoder käme wahlweise nicht auf die notwendigen Temperaturen...? (Jajaaa, die Wiener trennen zu gut ;o) )

Kennt sich wer aus bitte? :o)

Das liegt daran, dass Wien seinen Müll

zu 100% verbrennt. Deshalb werden nur mehr die wertvollen PET-Getränkeflaschen recycled, aus denen man wieder neue Flaschen machen kann. Der "minderwertige" Kunststoff aus Folien und Sackerln wird thermisch verwertet, weil sich hier das Recycling nicht lohnt und die Sackerln guter Brennstoff für die Verbrennungsanlage sind.

In anderen Gemeinden dagegen, wo man den Müll noch deponiert, muss das Plastik zur Gänze aus dem Restmüll herausgenommen werden, denn Plastik darf nicht mehr deponiert werden.

Die Gerüchte, dass die Verbrennungsanlage sonst nicht gut brennt, sind übrigens unwahr.

Weil das andere Kunststoffe sind, und wenn man die vermischt, kommt nix Gutes dabei raus. Die wollen nur PET.

das passiert, wenn man auf etwas bestimmtes zu sehr spekuliert.

ist doch schwachsinnig hoch zehn, von den bürgern anzunehmen, dass sie bis zum nimmerleinstag müll produzieren. ist denen nicht in den sinn gekommen, dass die leute irgendwann mal anfangen den müll zu trennen?

was als nächstes? schmeißt man das altpapier dazu, weil zuwenig rest- und plastikmüll vorhanden ist, statt es zu recyclen?

frage mich, wie das die korneuburger machen. da schmeisst man aludosen und plastikflaschen in dieselbe tonne, aber auch nicht zum restmüll.

stimmt

seit der idiotischen trennung von plastikmuell und restmuell vor ca 15 jahren muessen die entsorgungsbetriebe gewaltige mengen an gas und erdoel MEHR zur verbrennung aufwenden

das absurde daran:
um guenstig an brennstoff zu kommen haben die wr. entsorgungsbetriebe den plastikmuell der getrennte entsorgt wurde wieder ANGEKAUFT

der wurde da - von der selbe rampe bei der der restmuell eingekippt wuerde - wieder auf den restmuell draufgekippt

dieses verkofferte spiel zu lasten der konsumenten - die die "getrennte" entsorgung ja teuer zusaetzliche bezahlt haben - wurde zum glueck seit ein paar jahren gestoppt und der plastikmuell bleibt wo er hingehoert; beim restmuell

die erhoehten entsorgungskosten sind uns aber geblieben ...

Das ist halt kein Gerücht. Der Plastikanteil im Restmüll spart Energie bei der Müllverbrennung.

Argument damals: Um einen besseren Brennwert des Restmülls zu bekommen (ohne zusätzlichem Einsatz von Primärenergie)
Wichtig ist bei der Verbrennung, dass man sich dabei innerhalb eines Temperaturfenster liegt. Ansonsten kommt es zu unerwünschten Verbrennungsreaktionen.

Meine Meinung: Würde man anstelle der Plastiksackerln Primärenergie verwenden, so würde man sich den Aufwand für die Herstellung der Plastiksackerln sparen.
Problem dabei: Die Verbrennung wird teurer, weil zusätzliche Primärenergie (z.B.: Erdgas) erforderlich wäre.

Der Hauptgrund ist

dass sich nicht alle Kunststoffarten gleich gut recyceln lassen und deswegen nach dem Sammeln erst recht wieder sortiert werden müssen. Aus Plastikfolien kann man glaub ich gar nix mehr machen.

Der zweite Grund ist tatsächlich, dass der Hausmüll ohne zusätzlichen Brennstoff nicht die erwünschte Temperatur in der Müllverbrennungsanlage erreichen würde.

Daher ist es wirklich die sinnvollste Lösung nur eine Art von Plastik zu sammeln und den Rest in den Hausmüll zu schmeißen.

Danke für die zahlreichen Antworten! :o)

pernkopf wieselburger?

es stimmt nicht ganz, Landdesrat Pernkopf kommt aus der Gemeinde Wieselburg Land, erz-schwarz....

Hier kommt der Joschi Pröll schon mal zur Jagd vorbei, wenn er's gerade auf die hochgelegene Jagdpacht schafft. Immerhin war der Pernkopf schon zu Zeiten Pröll's als Landwirtschaftsminister Kanzleichef...

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