Drittklassige Ausreden

6. April 2011, 18:55
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Wenn schon die eigene Muttersprache in Wort und Schrift nicht sitzt, tut man sich beim Erlernen einer Fremdsprache erst recht schwer

Auch wenn drei Parteien es anders prophezeien: Mit Türkisch als Unterrichtsangebot droht noch lang kein Untergang des Abendlandes.

Ja, die schwarze Innenministerin will das Steuergeld lieber in Deutsch für Zuwandererkinder investieren. Doch jeder, der sich kurz mit Erkenntnissen der Sprachpädagogik befasst hat, weiß: Wenn schon die eigene Muttersprache in Wort und Schrift nicht sitzt, tut man sich beim Erlernen einer Fremdsprache erst recht schwer. Warum also nicht einem Gutteil der 55.000 Schüler aus türkischen Familien die alte Heimatsprache als Fach anbieten, damit sie auch gleich beim Deutschbüffeln besser vorankommen?

Ja, der blaue Parteichef beschwört die Parallelgesellschaften, die damit gefördert werden. Dazu Nachhilfe aus der Migrationslehre: Wer im Gastland nicht emporkommt, verkriecht sich lieber bei seinesgleichen. Derzeit besuchen im Land nur 5000 Kinder mit türkischem Background Oberstufen höherer Schulen - mit Türkisch im Angebot könnten das endlich mehr werden, und die jungen Leute schaffen dann auch leichter Aufstieg wie Integration.

Ja, das orange Bündnis besteht darauf, die Türken sollten lieber die europäischen Sprachen beherrschen. Dahinter steckt simpel die Haltung, Türkisch sei halt eine Sprache zweiter Klasse. Und damit sind wir bei unserem alten Problem: dass allzu viele hierzulande Migranten einfach wie Menschen zweiter Klasse behandelt wissen wollen. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.4.2011)

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