200 Tote bei Flüchtlingstragödie

6. April 2011, 18:45
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Überfülltes Schiff aus Libyen kenterte in schwerer See

Rund 200 Flüchtlinge aus Eritrea, Somalia und anderen afrikanischen Staaten sind bei einem Schiffbruch 39 Seemeilen südlich von Lampedusa ums Leben gekommen. Das 13 Meter lange und überfüllte Boot war vor drei Tagen von der libyschen Küste ausgelaufen. Bei heftigem Sturm kenterte das bereits lecke Schiff.

"Wir konnten nur 51 Insassen bergen. Die Nacht war stürmisch, hohe Wellen und schlechte Sicht behinderten unsere Arbeit", schilderte Antonio Morano von der Küstenwache die Verhältnisse am Unfallort. Unter den Opfern befinden sich viele Frauen und Kinder. Die erschöpften Überlebenden wurden in Lampedusa medizinisch versorgt, einige befanden sich in kritischem Zustand. Ein Hubschrauber sichtete am Morgen mehrere Dutzend Leichen im Meer. In dem gesunkenen Schiff befanden sich nach Angaben, der internationalen Migrantenorganisation OIM rund 300 Flüchtlinge.

Abkommen mit Tunis

Indessen hat der italienische Innenminister Roberto Maroni nach achtstündigem Tauziehen in Tunis ein Abkommen zur Migrationskontrolle unterzeichnet. Demzufolge stellt Italien den fast 20.000 tunesischen Ankömmlingen befristete Aufenthaltsgenehmigungen aus, mit denen sie in EU-Länder ihrer Wahl reisen können. Künftige Migranten können nach Tunesien zurückgeschickt werden, aber nur in kleinen Kontingenten zu "höchstens 50 Personen pro Flug." Abflug- und Ankunftsort müssen geheim bleiben.

Italien fördert im Gegenzug die Zusammenarbeit mit der tunesischen Polizei und liefert Boote und technisches Gerät zur Kontrolle der Küste. Die Evakuierung Lampedusas, wo sich noch 1500 Flüchtlinge aufhalten, wurde am Mittwoch fortgesetzt. Die Lage in den hastig errichteten italienischen Aufnahmelagern ist vielfach chaotisch.

Allein aus dem apulischen Lager Manduria haben sich rund 1000 Tunesier abgesetzt. Die von der Lega dominierten Regionen des Nordens weigern sich, Migranten aufzunehmen. Lega-Minister Roberto Calderoli: "Wer sie will, kann sie bei sich zu Hause beherbergen." (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2011)

  • Ein Überlebender des Schiffsunglücks.
    foto: epa/ettore ferrari

    Ein Überlebender des Schiffsunglücks.

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