David Cameron empört die britischen Patrioten

6. April 2011, 18:48
111 Postings

Mit Quasi-Entschuldigung für das Empire stößt Premier daheim auf Ablehnung

Erklärtermaßen will sich Premier David Cameron auf die Innenpolitik konzentrieren, Großbritanniens maroden Haushalt sanieren und den öffentlichen Sektor reformieren. Auf weltpolitischem Parkett werde man "mit ein wenig mehr Demut" auftreten, so der Konservative im vergangenen Jahr. Doch Außenpolitik hat ihre eigenen Gesetze, wie der Absolvent der Elite-Uni Oxford gerade wieder feststellen musste.

Gerade einmal zwölf Stunden hielt sich der Regierungschef am Dienstag in der früheren britischen Kolonie Pakistan auf - eine Goodwill-Visite, anberaumt nicht zuletzt zur Besänftigung seiner Gastgeber, denen Cameron im vergangenen Jahr zu nahe getreten war. Die arme Atommacht habe "eine unklare Haltung", was den islamistischen Terrorismus angehe, hatte der Brite den Pakistanern ins Stammbuch geschrieben. Und das ausgerechnet während eines Staatsbesuchs beim größeren und mächtigeren Nachbarn Indien.

Doch was ein Thinktank-Experte sagen darf, bleibt dem Premierminister Ihrer Majestät verwehrt. Cameron dachte wohl, er müsse nun Buße tun, als er von Studenten in Islamabad auf die zwischen Indien und Pakistan umstrittene Provinz Kaschmir angesprochen wurde. Da werde er sich nicht aufdrängen, teilte Cameron mit: "Schließlich sind wir für diesen Disput verantwortlich, wie für so viele Probleme weltweit." Als wollte er das Schuldeingeständnis untermauern, kündigte er gleich noch 740 Mio. Euro Entwicklungshilfe für das Schulwesen an.

Die Pakistaner im Saal hörten es gern, dafür ärgern sich jetzt die Patrioten in der Heimat. "Großbritannien kommt zuerst", trompetet The Sun und rechnet Cameron vor, wie viele neue Flugzeuge man für die strapazierte Luftwaffe anschaffen könne. Das Commonwealth würde es nicht geben, so der konservative Kommentator Peter Oborne, wenn das Empire wirklich so schlimm wäre. Schließlich habe man Pakistan auch "parlamentarische Demokratie, großartige Bewässerungssysteme, hervorragende Straßen, das Rechtssystem und die englische Sprache" hinterlassen. (Sebastian Borger aus London/DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2011)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    David Cameron in Pakistan

Share if you care.