Starbucks Coffee sieht sich zur alten Stärke zurückkehren

6. April 2011, 18:16
18 Postings

Die US-Kaffeehauskette lässt die Zeit der Krise weltweit hinter sich. Auch in Österreich wird wieder expandiert

Die US-Kaffeehauskette lässt die Zeit der Krise weltweit hinter sich. Auch in Österreich wird wieder expandiert. John Culver, Präsident von Starbucks International, über den Einstieg in Supermärkte und fehlende Betriebsräte.

***

Wien - John Culver eilt durch Europa. Eine Woche hat er, um dem Geschäft von Starbucks ein neues Gesicht zu geben: Die amerikanische Kaffeehauskette sieht keinen Grund mehr, sich in Schweigen zu hüllen. Die bitteren Zeiten, in denen der Konzern nach Gewinneinbrüchen weltweit 800 Cafés dicht machte und tausende Mitarbeiter nach Hause schickte, sind vorbei.

Culver hat knappe zwei Tage für Österreich, bevor er nach Amsterdam tourt. Er ist als Präsident von Starbucks International Herr über gut 6000 Standorte außerhalb der USA. Jahrelang trieb er die Expansion in Asien voran, eröffnete Filialen von Korea über Thailand bis Japan. Nun stimmt er seine europäischen Manager auf neue, wenn auch disziplinierte Expansion ein.

Starbucks eröffne heuer an die 600 Standorte weltweit, ein Drittel davon in den Staaten, erzählt er im Gespräch mit dem Standard. Österreich erhält im April ein elftes Café in Wien, in der Bräunerstraße nahe des Grabens. Es ist das zehnte Jahr seit dem Einstieg des Konzerns in Österreich. Zwei Läden überlebten nicht. Mit kühnen Wachstumsansagen hält man sich seither zurück. Culver spricht von viel Potenzial in Wien und Plänen über den Schritt in andere Landeshauptstädte. Mit wie vielen Filialen, lässt er offen.

Wettlauf der Amerikaner

Der Wettbewerb hier sei jedenfalls hart. Starbucks gehe künftig noch stärker auf lokale Gepflogenheiten ein, im Sortiment wie in der Architektur und im Design. Man wolle Teil österreichischer Kaffeehauskultur werden. Rivale in diesem Wettlauf ist vor allem McDonald's, der die traditionelle Branche mit mittlerweile mehr als hundert schnellen Cafés einkocht.

Starbucks hat im 2010 das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte hingelegt. Die operativen Margen waren nahezu doppelt so hoch als zwei Jahre zuvor. Im ersten Quartal 2011 zogen die Gewinne um 41 und der Umsatz um acht Prozent an, auf nahezu vergleichbarer Fläche. An der Börse war der Konzern zuletzt fast 27 Milliarden Dollar wert. In Österreich stieg der Umsatz 2010 nach eigener Angabe um mehr als zehn Prozent. Dieses Jahr soll dem Kaffeesieder hier ähnliche Zuwachsraten bringen.

Starbucks hat Appetit auf noch mehr. Über eigene Läden hinaus soll es gehen, rein in Supermärkte. Ein Konsumgüterkonzern soll geformt werden und die Abhängigkeit vom Filialgeschäft sinken.

Viele Milliarden Dollar zusätzlich ließen sich in Zukunft mit der Marke lukrieren, ist sich Culver sicher. Neben Kaffee in allen Spielarten geht es vor allem um Tabs, Getränke, Snacks und Desserts.

Starbucks sei mit seinen Labels neben den USA und Kanada mittlerweile etwa in britischen und deutschen Handelsketten vertreten. Er sehe dafür auch Möglichkeiten in Österreich, sagt Culver. Die Vertriebskooperation mit dem Lebensmittelriesen Kraft fand im März ihr Ende. "Wir wollen direkten Kontakt zu den Kunden, das Geschäft selber kontrollieren."

Preis als Balanceakt

An der Preispolitik, die die Kette aus Sicht ihrer Kritiker für viele unerschwinglich macht, hält er fest. Der Konsument erhalte dafür schließlich hohe Qualität. Zudem stellte man europaweit zur Gänze auf fair gehandelte Kaffeebohnen um, auch Biologisches gewinne an Gewicht. Die jüngste Preishausse an den Rohstoffmärkten führt Culver auf Spekulation zurück: Letztlich treffe sie die Kaffeebauern.

Kritik der Gewerkschaft an den Gebaren des Konzerns mit seinen weltweit mehr als 130.000 Mitarbeitern weist der Manager zurück. Starbucks ist alles andere als das Liebkind der Arbeitnehmervertreter. Immer wieder hagelt es Klagen über missachtete Mitarbeiterrechte, massiven Druck, ungerechtfertigte Kündigungen. Culver nennt die Mitarbeiter gemäß der Firmenpolitik Partner. Man achte sie und sorge für ein hervorragendes Arbeitsumfeld, versichert er. Es gebe sehr wohl Betriebsräte, in Amsterdam etwa und in Deutschland. In Österreich fand sich für den Job bisher noch keiner. DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.4.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    John Culver treibt das internationale Geschäft neu voran.

Share if you care.