Krisenherde zwingen AUA, Sparkurs zu verschärfen

6. April 2011, 19:02
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Bei der AUA heißt es wieder Sparen: 30 Millionen Euro haben die Krisen vom Nahen Osten bis Japan der defizitären Airline bisher gekostet

Die bisherigen Sparmaßnahmen reichen nicht mehr aus, um die AUA heuer aus den roten Zahlen zu bringen: Aufstände in Nordafrika, massive Spritpreiserhöhungen, die Katastrophe in Japan sowie ein verschärfter Wettbewerb mit den Billig-Airlines haben die AUA bisher 30 Millionen Euro gekostet.

Nun muss die defizitäre Airline neuerlich den Gürtel enger schnallen. Mitarbeiter würden zwar nicht abgebaut werden, allerdings wurde ein Einstellungsstopp verfügt, die Personalkosten werden eingefroren, Reisebudgets halbiert. Der Flugplan wird flexibel angepasst.

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Wien - Mitarbeiterabbau, Gehaltsverzicht, Kurzarbeit; all diese Maßnahmen reichen nicht mehr um die Vorgabe aus Brüssel für heuer zu erfüllen: Ein operativ positives Jahresergebnis 2011 zu erzielen. Andernfalls darf die AUA nämlich nicht wachsen, so die Auflage der EU-Kommission bei der Übernahme der Airline durch die Lufthansa.

Am Mittwoch informierte der AUA-Vorstand die rund 6000 Mitarbeiter, über neue Sparmaßnahmen. Diese seien notwendig, weil die Krisenherde dieser Welt, steigende Spritkosten, ein verschärfter Wettbewerb und nicht zuletzt ein teures Verfahren gegen Alt-Pensionisten der Airline bisher 30 Mio. Euro gekostet haben.

Einen Mitarbeiter-Abbau wird es zwar nicht geben, neue dürfen aber nur mehr mit Sondergenehmigung des Vorstandes eingestellt werden. Nach mehreren Einstellungsstopps in den vergangenen Monaten wurden am Boden und in der Luft wieder begonnen Mitarbeiter aufzubauen.

Die aus rund 30 Personen bestehende Führungsebene wird reduziert, Stabsstellen werden zusammengelegt. Welche das sind, wurde noch nicht gesagt. Das Reisebudget wird für den Rest des Jahres um 50 Prozent gekürzt. Ausgenommen sind nur Vertriebs-Mitarbeiter.

Mit neuerlichen Preisverhandlungen müssen auch die Lieferanten (u. a. der Flughafen) wieder rechnen. Aus jetziger Sicht sei jedenfalls nicht daran gedacht, das Bord-Essen wieder zu reduzieren, sagte ein AUA-Sprecher.

Routenkürzungen

Da niemand wisse wie lang die Krisen in Nahost und Japan noch dauern, werde der Flugplan in diese Regionen ausgedünnt. Gespräche mit den Betriebsräten werden aufgenommen, um die Netzanpassungen auf der Kostenseite gegensteuern zu können.

Die Regionaltochter Tyrolean, die wie die AUA auch Bodendienste macht, soll sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und verstärkt auch für Dritte innerhalb des Lufthansa-Verbundes fliegen. Derzeit geschieht das etwa für SN Brussels. Für die belgische Lufthansa-Tochter fliegt Tyrolean die Strecke Brüssel - Hannover. Das fliegende Personal bei Tyrolean ist seit 2010 in Kurzarbeit. Diese dauert noch planmäßig bis Ende 2011.

Bis Jahresende soll entschieden werden, wer am kostengünstigsten die Nachfolger der Fokker fliegt, die in einigen Jahren aussortiert werden. AUA oder Tyrolean. Zur Erinnerung: Es gibt noch eine alte Betriebsvereinbarung, die festlegt, dass Geräte mit mehr als 110 Sitzplätze nur zu AUA-Vertragsbedingungen geflogen werden dürfen. Die Frage ist: Welche Flieger schafft die AUA an?

2010 schrieb die AUA operativ einen Verlust von 65 Mio. Euro, 2009 waren es noch 231 Mio. Euro. Bei der Bilanzpressekonferenz im Februar sagte der AUA-Vorstand, ein operatives Null-Ergebnis würde heuer schon reichen, um die internen Vorgaben und EU-Auflagen für 2011 zu erfüllen. Da war aber bereits eingeräumt worden, dass es heuer ein "herausforderndes" Jahr sein wird.

Neuer Chef

Die gestern angekündigten Sparmaßnahmen seien jedenfalls unabhängig davon, wann die Lufthansa einen neuen AUA-Chef schickt, heißt es im Konzern. Dem Vernehmen nach will sich die Lufthansa Zeit lassen, um nicht wieder in letzter Minute brüskiert zu werden, wie bei Thierry Antinori. Mit ein Grund warum dieser in letzter Minute die Stopp-Taste drückte und absagte soll auch die unterschiedliche Auffassung über die künftige Strategie der AUA gewesen sein. Während Lufthansa-Chef Christoph Franz für ein Gesundschrumpfen der AUA plädiert haben soll, stand Antinori für einen Wachstumskurs.

Fix vereinbart wurde jedenfalls, dass die AUA in ihre Langstrecke investiert. Die Kabinen der zehn Langstrecken-Flieger werden im Winter 2012/2013 komplett erneuert. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.4.2011)

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    Die AUA muss wieder einmal den Gürtel enger schnallen und weiter sparen.

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