"Bauchschmerzen immer ernst nehmen"

6. April 2011, 18:08
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Es mehren sich die Zweifel, ob die knapp Zweijährige am Krankenhaus Vöcklabruck ausreichend behandelt wurde

Vöcklabruck/Linz - Was passierte am 24. März mit der kleinen Leonie im Landeskrankenhaus (LKH) Vöcklabruck? Diese Frage müssen jetzt Staatsanwaltschaft, medizinische Gutachter und eine interne Untersuchungskommission klären. Fakt ist: Das zweijährige Kind starb nur wenige Stunden nach der Untersuchung durch zwei Ärzte an Herzversagen infolge eines abgestorbenen Darms.

Immer mehr verdichten sich die Indizien, dass während der Untersuchung des Mädchens nicht sorgsam genug vorgegangen wurde. Wegen starker Bauchschmerzen kam die Mutter mit ihrer schreienden Tochter in das LKH Vöcklabruck. Als jedoch weder beim Abtasten noch beim Abhören des Bauchraums etwas festgestellt werden konnte und sich Leonie wieder beruhigt hatte, sahen die behandelnden Ärzte keinen Grund, die knapp Zweijährige stationär aufzunehmen. So schildert Alex Blaicher, ärztlicher Direktor des LKHs, den Fall. Auf einen Ultraschall wurde verzichtet.

Für Edith Tutsch-Bauer, Leiterin der Gerichtsmedizin Salzburg, eine durchaus ungewöhnliche Vorgangsweise: "Ich habe den Leichnam des Kindes obduziert und will daher zu dem tragischen Fall nicht konkret Stellung nehmen. Aber: Bauchschmerzen bei einem Kind sind immer ernst zu nehmen, und es braucht umfassende medizinische Untersuchungen - etwa einen Ultraschall. Insbesondere wenn man weiß, dass es eine Vorerkrankung im Bauchraum gibt." Die Mutter hatte die behandelnden Ärzte davon unterrichtet.

Loch neben Bauchnabel

Leonie kam mit einem Loch neben dem Bauchnabel zur Welt. Diese Fehlbildung wurde unmittelbar nach der Geburt verschlossen. Der Eingriff wurde an der Kinderklinik in Linz durchgeführt. Ob das Absterben des Darms eine mögliche Spätfolge der OP sein könnte, kann der Primar der Kinderchirurgie, Wolfgang Pumberger, nicht beantworten. "Ich kenne den Obduktionsbericht nicht. Deshalb könne er nur grundsätzlich sagen: "Nach derartigen Operationen gibt es ein engmaschiges Netz von Nachuntersuchungen, denn es können immer Verwachsungen auftreten, die die Darmfunktion beeinträchtigen."

Eine mikroskopische Untersuchung des Gewebes soll noch klären, "ob und wie lange Leonie schon vorab Beschwerden hatte", erklärt Tutsch-Bauer. (Kerstin Scheller/Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2011)

  • In der Landeskinderklinik Linz wurde Leonies Fehlbildung direkt nach der
 Geburt operiert.
    foto: rudolf brandstätter

    In der Landeskinderklinik Linz wurde Leonies Fehlbildung direkt nach der Geburt operiert.

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