Generali-Präsident kam Abwahl zuvor und trat zurück

6. April 2011, 17:53
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Management siegte im Machtkampf mit Präsident

Mailand  - Der erst vor einem Jahr ernannte Generali-Präsident Cesare Geronzi hat am Mittwoch seinen Rücktritt angeboten. Bei einer außerordentlichen Verwaltungsratssitzung über die Kompetenzen der Konzernführung, hat der 76-jährige Geronzi den Rückzug angekündigt - bevor der von zehn Verwaltungsratsmitgliedern geplante Misstrauensantrag eingereicht wurde, bestätigte Geronzi.

Seit Monaten herrscht beim drittgrößten europäischen Versicherer ein Machtkampf. Während Konzernvorstand Giovanni Perissinotto, flankiert vom "Generali-Außenminister", Sergio Balbinot, die internationale Strategie des Versicherungs-Konzerns vorantreiben wollen, setzte Geronzi auf das System Italien. Er beabsichtigte vor allem italienische Projekte zu fördern. Dazu zählte auch das umstrittene Projekt der Hängebrücke von Messina (Sizilien). Es sei nicht Aufgabe des Präsidenten die Investitionspolitik zu bestimmen oder diese den Medien zu stecken, kritisierten mehrere Verwaltungsräte Geronzis Aktivitäten.

Geronzi und sein enger Mitarbeiter, Generali Vizepräsident Vincent Bolloré waren zudem mit der Oststrategie des Konzerns unzufrieden. Sie gingen mit ihrer Kritik so weit, dass die Versicherungsaufsicht und die Börsenaufsicht Informationen über das 2007 gegründete Gemeinschaftsunternehmen zwischen Generali und dem tschechischen Milliardär Pietr Keller anforderten. Die Dokumentation gab aber keinerlei Anlass zur Kritik. Trotzdem hat Generali Vizepräsident Bolloré dem Board sein Misstrauen ausgesprochen, indem er die Bilanz nicht unterschrieb.

Nachdem bekannt wurde, dass der bereits wegen Beihilfe zum Bankrott in erster Instanz verurteilte Geronzi den Kampf verloren und das Management gewonnen hat, kletterte der Generali-Kurs um mehr als vier Prozent. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.4.2011)

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