Aus dem Zweifel wird Methode

6. April 2011, 17:51
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IOC führt wieder Geschlechtstests ein - "Fall Semenya" als Lehre und Warnung

London/Wien - Zwölf Jahre nach ihrer Abschaffung führt das Internationale Olympische Komitee (IOC) wieder Geschlechtskontrollen für Frauen ein. Auffällige Athletinnen sollen ab 2012 und also vor den Spielen in London auf eine Überproduktion von männlichen Hormonen, auf Hyperandrogenismus, untersucht werden.

Die Anfang Juli anlässlich der IOC-Vollversammlung in Durban zu verabschiedende Regel ist Resultat der Affäre um Caster Semenya. Der Südafrikanerin war 2009 nach ihrem WM-Gold über 800 Meter unterstellt worden, ein Mann zu sein. Semenya wurde suspendiert. Sie durfte erst nach elf Monaten, nach etlichen Tests, zum Teil entwürdigenden Diskussionen sowie einer Hormonbehandlung wieder starten. In London wird die dann 21-Jährige zu den Favoritinnen zählen.

Das IOC wünscht, dass sich alle Fachverbände der neuen Regelung anschließen. Die Ergebnisse der Tests wird ein Gremium aus Experten bewerten, die Getesteten sollen anonym bleiben. "Es wird wohl nicht sehr viele Fälle geben", räumte Arne Ljungqvist, der Chef der Medizinischen Kommission des IOC, ein. Den wenigen würden Maßnahmen vorgeschlagen, die den Start in der Frauenklasse ermöglichen könnten.

Kritische Fachleute wenden ein, dass Geschlechtskontrollen zu teuer kämen und die Mittel angesichts der Seltenheit von ausgeprägtem Hyperandrogenismus weit sinnvoller in der Dopingbekämpfung eingesetzt wären. Zumal es immer noch genügend Länder gäbe, in denen ungenügend oder gar nicht kontrolliert wird. (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe 07.04.2011)

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    Caster Semenya hat die Diskussionen hinter sich.

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