"A bis H": Erster Band des Wörterbuchs zu Qumran-Texten erschienen

6. April 2011, 17:37
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Dreibändiges Werk soll helfen, die Entwicklung der hebräischen Sprache und damit die Interpretation religiöser Texte zu verstehen

Bonn - Katholische Theologen der Universität Bonn haben in Zusammenarbeit mit Siegener Wissenschaftern zusammengestellt, wie sich die hebräische Sprache in der Zeit zwischen Altem und Neuem Testament verändert hat. Vier Jahre lang hat eine zehnköpfige Crew die Entstehung des ersten von drei Wörterbuchbänden koordiniert, darüberhinaus war eine Reihe internationaler Theologen und Sprachwissenschafter an dem Projekt beteiligt. Das Wörterbuch soll dabei helfen, die 1947 entdeckten Schriften vom Qumran zu erschließen - aber auch das Neue Testament besser zu verstehen.

Kulturelle und gesellschaftliche Aspekte

Der erste Band umfasst 270 hebräische Stichwörter von A bis H - und das ist laut Projektleiter Heinz-Josef Fabry ein besonders spannender Abschnitt: "Er enthält quasi die ganze Familie, also die hebräischen Wörter für Vater, Mutter, Sohn und Tochter." Gerade deren Bedeutung hat sich in der Zeit zwischen Altem und Neuem Testament stark gewandelt. "Denken Sie an den Vater im Alten Testament: Das war immer der Strenge, der mit dem Stock", erläutert der katholische Theologe. "Wie also kam Jesus einige Jahrhunderte später dazu, Gott Vater zu nennen und auf die Art zu beten, wie er es gelehrt hat? Er hatte dabei offensichtlich nicht das Bild vom prügelnden Vater im Sinn."

Das Wörterbuch zeigt auf, wie sich innerhalb von 400 Jahren mit kulturellen Strömungen auch die Sprache geändert hat. Das Erziehungssystem befand sich im Wandel: "Die alten Hebräer legten viel Wert auf die Erziehung mit dem Stock", sagt Fabry, "aber zur Zeit der Qumranschriften begann die Epoche der Philosophenschulen in Griechenland: Da war plötzlich der Diskurs gefragt, man diskutierte Unstimmigkeiten aus." Dieses Prinzip hat sich bald auch in Palästina etabliert.

Fabry leitet gemeinsam mit Privatdozent Ulrich Dahmen von der Universität Siegen das Wörterbuchprojekt zu den Qumran-Texten, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Ziel ist ein dreibändiges Werk mit insgesamt 790 hebräischen Stichwörtern. Der zweite Band soll I bis O umfassen und Ende 2012 fertig sein. "2015 erscheint dann der dritte Band inklusive Register", sagt Fabry, "und danach werde ich wohl in den Ruhestand gehen." (red)


Heinz-Josef Fabry, Ulrich Dahmen (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zu den Qumrantexten, Band 1, Verlag Kohlhammer 2011.

  • Professor Heinz-Josef Fabry (links) und Mitherausgeber Ulrich Dahmen präsentieren das Wörterbuch.
    foto: volker lannert/uni bonn

    Professor Heinz-Josef Fabry (links) und Mitherausgeber Ulrich Dahmen präsentieren das Wörterbuch.

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