EZB-Zinswende macht Krisenstaaten zu schaffen

6. April 2011, 23:45
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Verteuerung der Immobilienkredite trifft Portugal, Irland und Spanien am härtesten

Wien/Frankfurt - Heute, Donnerstag, dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) die Wende in ihrer Geldpolitik einleiten. Ökonomen erwarten im Kampf gegen die Inflation einen Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent. In der Eurozone wird der Kurswechsel unterschiedlich aufgenommen, dem Euro bescherte er seinen stärksten Stand gegenüber dem Dollar seit Jänner 2010.

Der steigende Zins macht insbesondere Hausbesitzern in der Euro-Peripherie Probleme:In Portugal, Spanien und Irland sind Hypotheken mit variablen Kreditzinsen üblich, höhere Zinsen übersetzen sich sofort in höhere Kosten für Kreditnehmer. Erhöht die EZB die Leitzinsen bis Jahresende um 75 Basispunkte, wie derzeit an den Kapitalmärkten eingepreist, könnten Portugal und Spanien 0,4 bis 0,5 Prozent Wachstum einbüßen, erklärt Andreas Rees, Ökonom bei der UniCredit.

"In Deutschland wird es weniger wehtun" , sagt die Europa-Ökonomin Astrid Schilo von HSBC. Immobilienkredite orientieren sich dort am Zehn-Jahres-Zins. Der Effekt einer 0,25-Prozentpunkte-Erhöhung sei wenig spürbar, weitere Zinsschritte in den kommenden Quartalen "werden aber einen merklichen Effekt haben. Positive Konjunkturüberraschungen werden dann schwieriger." Vertreter von Metall-, Bau- und Finanzindustrie bekräftigten hingegen, dass die Risiken der Inflation größer seien als jene von steigenden Zinsen. (sulu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.4.2011)

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