Was auf die Ohren

7. April 2011, 07:38
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Internet ist immer wieder für Überraschungen gut. Nachdem ich auf meinem persönlichen Blog ein Musikvideo des wohl sinnlichsten Rai-Duos aller Zeiten, Cheb Hasni & Zhouania aus dem algerischen Oran, gepostet habe, erreichte mich per Twitter eine Nachricht, die mich stundenlang vor dem Computer festhalten sollte. Es war nur ein Link, doch der hatte es in sich.

www.algeriemusique.com heißt die Seite. 2689 Alben mit 28038 Liedern von 1246 SängerInnen und 17 unterschiedliche Musikrichtungen heißt es dort. Und die Website hält, was sie verspricht. Rai, Chaabi, Andalusi, Musik aus der Sahara, oder kritische Liedermacher und Rap, Hip-Hop sowie Pop aus Algerien sind dort zu hören. Ein einfacher Klick, die Playlist des Albums geht auf, der Musikgenuss kann beginnen.

Ich empfehle den Rai-Künstler Cheb Hasni, der 1994 ermordet wurde. Bis heute ist unklar, wer tatsächlich hinter dem Attentat des populärsten Rai-Sänger stand. Außerdem seien Cheb Mami sowie die Frühwerke des international bekannten Cheb Khaled empfohlen.

Und was wäre ein Ausflug nach Algerien ohne den Protestbarden Lounes Matoub aus der Berberregion Kabylei? Matoubs Version der algerischen Hymne auf dem Album "Tavrats i lhekam - Lettre ouverte", die mit den Generälen hart ins Gericht geht, ist längst zum Kulturerbe der algerischen Demokratiebewegung geworden.

Ich besuchte den überzeugten Gegner der religiösen Fanatiker und erbitterten Kritiker der Machthaber in Algier im März 1998 in seinem Haus im Bergdorf Beni Douala. Kurz darauf - am 25. Juni 1998 - wurde er ermordet. Ob die Täter radikale Islamisten waren, oder die Geheimdienste, darum ranken sich bis heute Gerüchte und Vermutungen.

Wer es gerne traditionell mag, dem sei der Chabbi-Künstler Dahmane El Harrachi empfohlen. Sein "Ya Rayah" ist das Lied der Immigranten. "Du gehst, aber du wirst zurückkehren", singt er mit melancholischer Stimme.

Und für Rap-Liebhaber ist das Sammelalbum Algerap ein Muss. Hier sind alle versammelt, die bereits in den 1990er Jahren rappten, und das ohne Angst vor Terror und Repression.

Viel Spaß beim Hören. (Reiner Wandler, derStandard.at, 7.4.2011)

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    Der international bekannte Cheb Khaled.

  • Reiner Wandler, Korrespondent für Iberien und Nordafrika.
    foto: privat

    Reiner Wandler, Korrespondent für Iberien und Nordafrika.

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