Juliano Mer-Khamis 1958-2011

6. April 2011, 14:38
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Der arabisch-jüdische Chef des Friedenstheaters von Jenin wurde erschossen, die Hintergründe sind weiter unklar

Tel Aviv/Jenin   - Nach dem Mord an dem Leiter des Friedenstheaters in der Palästinenserstadt Jenin haben am Mittwoch sowohl Israelis als auch Palästinenser Abschied von Juliano Mer-Khamis genommen. Mer-Khamis war am Montag von einem Unbekannten direkt vor seinem Theater im Westjordanland mit fünf Schüssen getötet worden.

Der politisch aktive Theater- und Filmemacher, ein in Israel auch sehr bekannter Schauspieler,  war Sohn einer jüdischen Mutter und eines christlich-palästinensischen Vaters. Mer-Khamis führte das früher von seiner Mutter geleitete Theater weiter, das 2002 beim Vormarsch der israelischen Armee gegen bewaffnete Palästinensergruppen in Jenin zerstört worden war. Beim Wiederaufbau war ihm der damals an den Kämpfen beteiligte Palästinenser Sakaria Subeidi behilflich, wie auch der schwedisch-israelische Musiker und Künstler Dror Feiler. Das Theater stieß aber nicht überall in Jenin auf Zustimmung. Es gab versuchte Brandstiftungen und wiederholt Drohungen aus konservativ-islamischen Kreisen.

Mer-Khamis' Sarg wurde am Mittwoch vormittag zunächst im Al-Midan-Theater im israelischen Haifa aufgebahrt, teilte sein deutscher Mitarbeiter Stephan Wolf-Schönburg mit. Danach sei der Trauerzug zum Grenzübergang zum Westjordanland gefahren, damit sich auch palästinensische Freunde von dem Leiter des Friedenstheaters verabschieden können.

Der 52 Jahre alte Israeli  lebte in dem palästinensischen Flüchtlingslager und leitete in Jenin auch eine Schauspielschule. Nach Angaben seiner Familie definierte sich der Grenzgänger als "hundert Prozent Palästinenser und hundert Prozent Jude". Seine finnische Witwe Jenny ist zur Zeit mit Zwillingen hochschwanger. Wolf-Schönburg sagte, Mer-Khamis sollte im Kibbuz Ramot Menashe neben seiner Mutter Arna Mer beigesetzt werden. Die 1994 verstorbene jüdische Menschenrechtsaktivistin hatte das Theater im Flüchtlingslager von Jenin gegründet. Die Theatergruppe trat auch in Deutschland erfolgreich auf.

 Hintergründe weiter unklar

 

Israelische Kulturschaffende reagierten schockiert auf den Mord.  Auch der amtierende palästinensische Ministerpräsident Salam Fayyad verurteilte den Anschlag und verlangte von der Polizei, dass sie "rund um die Uhr arbeitet und die Tat schnell aufklärt". Eine israelische Armeesprecherin sagte am Dienstag, eine Einheit sei in der Stadt patrouilliert, habe aber niemanden festgenommen. Nach Angaben von Anwohnern fotografierten die Soldaten jedoch das Theater und befragten Nachbarn zu dem Vorfall.

Das deutsche Außenministerium zeigte sich bestürzt über den tödlichen Anschlag auf den Direktor des Freedom Theaters. Das Wirken von Juliano Mer-Khamis "stand für Frieden, Toleranz und Verständigung", erklärte ein Sprecher des Ministeriums am Dienstag in Berlin. Er habe durch sein künstlerisches Schaffen den Menschen in Jenin Hoffnung auf eine bessere Zukunft gegeben.

Der Hintergrund der Tat ist weiter unklar. Der Sprecher der Sicherheitskräfte im Westjordanland, Adnan Damiri, sagte am Mittwoch, die Untersuchung dauere noch an. Es gebe mehrere Verdächtige, die allerdings noch befragt würden. (APA)

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    Plakate in Jenin in memoriam Mer-Khamis

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