Die Granitplatte als Batterie

6. April 2011, 14:39
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Ein deutscher Physiker schlägt vor, Energie mit Hilfe von Steinzylindern zu speichern

Der klassische Einwand bei den Diskussionen rund um Solar- und Windenergie ist stets: Der Wind weht, wann er will, die Sonne scheint zwar immer, aber nicht immer genau da, wo sie gerade gebraucht wird - also macht das ohne ordentliche Speichermöglichkeiten nur wenig Sinn. Die klassische Antwort sind entweder Batterien oder Pumpspeicherkraftwerke. Ersteres ist ressourcenintensiv und technologisch noch längst nicht der Weisheit letzter Schluss - zweiteres löst meist einen naturschützerischen Aufschrei aus.

Und dann gibt es etwa diesen Vorschlag, den man gaga oder genial finden mag - jedenfalls ist es aber ein erfrischender Sidestep zu eingefahrenen Denkmustern. Die "Technologie" und die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die da dahinter stecken sind zwar uralt - aber auf die Idee muss man erst einmal kommen.

Warum immer Wasser?

Der Physiker Eduard Heindl von der Hochschule Furtwangen fragte sich nämlich schlicht und ergreifend: Warum muss man immer Wasser rauf pumpen, um Energie zu speichern? Wie wäre es beispielsweise, wenn man die Energie mit Hilfe von Granit speichern würde?

Sein Konzept wurde vom Internetportal SolarServer prompt zur "Anlage des Monats" gekürt. Das war zugegebenermaßen schon im verwichenen September - aber diese Idee ist es einfach wert, noch einmal entsprechend gewürdigt zu werden.

Die Berechnungen Heindls: Würde man in Granitgestein einen Zylinder mit einem Durchmesser von einem Kilometer schneiden - und würde man diesen Kolben mittels Pumpen hydraulisch in die Höhe drücken, könnte man locker einen mehrtägigen Energiebedarf von ganz Deutschland als Lageenergie speichern. Will man die Energie wieder entnehmen und umwandeln, wird das Wasser im Hubraum unter dem Granitblock hinauf zu einer Turbine geleitet.

Der Temperaturunterschied

Das mag gigantomanisch klingen - aber Heindl argumentiert, dass eine derartige Anlage um einiges kleiner als herkömmliche Stauseen und auch um mehr als die Hälfte billiger wäre. Ein mögliches ökologisches Problem verschweigt Heindl auch nicht: Ist der Hubkolben oben, wäre die Temperatur dort oben um rund zwei Grad niedriger als zu ebener Erde. Und das hätte entsprechende Auswirkungen auf die Vegetation.

Man kann sicher noch eine Menge anderer Einwände finden - was zum Beispiel mit den armen Viecherln wäre, die von dort oben runter plumpsen könnten. Aber man könnte auch noch ein wenig Hirnschmalz einsetzen und dieses Konzept entsprechend weiter entwickeln. Ist wohl billiger und einfacher als die Erforschung einer Superbatterie. (Romand David-Freihsl, derStandard.at, 6.4.2011)

  • So funktioniert das Modell: In einen Granitgestein einen Zylinder mit einem Durchmesser von einem Kilometer schneiden und dann diesen Kolben mittels Pumpen hydraulisch in die Höhe heben.
    foto: www.solarserver.de

    So funktioniert das Modell: In einen Granitgestein einen Zylinder mit einem Durchmesser von einem Kilometer schneiden und dann diesen Kolben mittels Pumpen hydraulisch in die Höhe heben.

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