Prozess gegen den italienischen Premierminister begann am Mittwoch - Teil drei der Telefongespräche und Abhörprotokolle, exklusiv auf Deutsch auf derStandard.at
Am Mittwoch um 9.30 Uhr startete der Prozess gegen den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, nach fünf Minuten war er auch schon wieder vertagt. Quintessenz aus den wenigen Minuten, die die Klärung der ersten Formalitäten brauchte: Das Verfahren gegen Silvio Berlusconi wegen Sex mit einer Minderjährigen und Amtsmissbrauchs wird auf den 31. Mai vertagt.
Berlusconis Anwesenheit ist nicht verpflichtend, nachdem er Gesetze - insgesamt gezählte 33 Mal (La Repubblica) - so abänderte, dass angeklagte Politiker nicht vor Gericht erscheinen müssen, so sie ihre Pflichten im Parlament sie davon abhalten. Und schon wieder bastelt der Premier an juristischen Auswegen. 20 Stunden vor Prozessauftakt setzte die Abgeordnetenkammer durch, die Zuständigkeit der Mailänder Richter vor dem Verfassungsgericht anzufechten. Um das Verfahren anschließend in politische Entscheidungsgremien zu verlagern. Darüber entscheidet das Verfassungsgericht noch.
Die Staatsanwälte stützen ihre Vorwürfe gegen den Premier vor allem auf abgehörte Telefongespräche. Fast ein Jahr lang hatten die Ermittler das Party-Umfeld von Berlusconi abgehört und Handys geortet. Daraus entstanden rund 600 Seiten Ermittlungsprotokolle. derStandard.at hat die Protokolle durchgesehen und übersetzt (Teil eins lesen sie hier, Teil zwei hier).
Viele der in den Protokollen genannten Personen möchte die Staatsanwaltschaft in den Zeugenstand rufen, darunter Minister, Abgeordnete, Promis sowie über zwei Dutzend Escort-Damen und Partymädchen.
Der dritte Teil der Übersetzung dreht sich vor allem um die bei Berlusconi stattfindenden, angeblichen Sex-Partys, die als "Bunga-Bunga-Partys" berühmt wurden. Definitionsversuch: "Silvio hat mir gesagt, dass der Ausdruck Bunga-Bunga von Ghaddafi kommt: Es sei ein Ritus in seinem afrikanischen Harem", zitiert die Tageszeitung Repubblica aus den Ermittlungsakten. Im Laufe des Augusts 2010 haben Ermittler Telefongespräche rund um Berlusconis Umfeld abgehört - private wie geschäftliche.
Die hier wiedergegebenen Gespräche fanden jeweils vor den Festen oder am Tag danach statt, meistens ging es dabei um die Auswahl der Frauen. Auch die Telefonate der Mädchen wurden abgehört, die sich um etwaige Gegenleistungen drehen - meist in Form von Geld oder Geschenken. Berlusconi selbst wird in den Protokollen immer wieder als "depressiv" und "sehr müde" bezeichnet. Zu jener Zeit war Ruby von den Beamten der Staatsanwaltschaft Mailand schon des öfteren im Zusammenhang mit Ermittlungen im Rotlichtmilieu befragt worden. Anschließend folgten die Ermittlungen im Umfeld des Premiers.
Weiterlesen in den Protokollen:
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