Sorge um inhaftierten Künstler - Daten unter Verschluss
Bregenz/Peking - Die Festnahme des regierungskritischen chinesischen Künstlers
Ai Weiwei löste auch im Kunsthaus Bregenz einige Sorge aus. Das KUB plant von 16.
Juli bis 16.
Oktober eine Ausstellung zu Ai Weiweis Architekturkooperationen. Die Vorbereitungen gestalten sich wegen beschlagnahmter Daten aber
schwierig.
"Die Besorgnis ist ganz unabhängig von unserer geplanten Ausstellung
natürlich sehr groß. Es ist aus unserem Rechtsverständnis heraus unfassbar, dass
jemand ohne Anklage so lange festgehalten wird, ohne die Möglichkeit einer
Kontaktaufnahme zu Familie oder Freunden", so KUB-Direktor Yilmaz Dziewior.
Er sei persönlich sehr betroffen, da er den Künstler kenne und ihn mehrfach
getroffen habe, so Dziewior. "Wir waren die vergangenen Monate permanent im
Austausch wegen der Ausstellung. Ai Weiwei war auch bereits einmal hier in
Bregenz, um sich die Räume anzusehen. Im Mai sollte er wiederkommen und auch zur
Ausstellungseröffnung natürlich hier sein".
Die Planungen für die Bregenzer Ausstellung laufen unterdessen weiter - trotz
schwieriger Bedingungen. In Ai Weiweis Studio in Peking seien alle Computer
beschlagnahmt worden, also auch die für die Schau benötigten Informationen. Dies
betreffe auch die privaten Computer der Assistenten des Künstlers, die auf dem
Studiogelände lebten, so Dziewior. Zudem sei der Strom abgedreht worden, das
erschwere die Kommunikation zusätzlich.
Man sei daher dort quasi im Ausnahmezustand, auch wenn sich die Mitarbeiter
bemühen, Ruhe zu bewahren. Die Assistenten würden alles versuchen, um die
anstehenden Projekte dennoch weiterlaufen zu lassen. "Wir stehen derzeit vor
allem über Festnetztelefon in Kontakt. (...) Wir werden
die für Bregenz geplante Ausstellung auf jeden Fall durchführen", so
Dziewior, der auf die Wirkung der politischen Interventionen
gegen die Festnahme hofft.
"Komplexität" des chinesischen
Rechtssystems
Die chinesische Staatszeitung "Global Times" griff die Festnahme Ais als erstes
chinesisches Medium auf
und gab an, ihre Informationen "von ausländischen Medien" erhalten zu
haben. In
ihrem Bericht wies die Zeitung den Protest westlicher Staaten gegen die
Festnahme zurück. Diese verstünden "die Komplexität" des chinesischen
Rechtssystems nicht, hieß es.
Nach Einschätzung der "Global Times" habe sich Ai mit seinen
Aktionen an der Grenze zur Illegalität bewegt: "Ai Weiwei wird möglicherweise
verstehen, dass er sich bei zahlreichen Gelegenheiten äußerst nah an die rote
Linie herangewagt hat". Sollte er seine
Aktivitäten fortsetzen, sei es "wahrscheinlich, dass er die Linie überschreiten"
werde. Viele seiner Projekte seien "aus rechtlicher Sicht doppeldeutig", hieß es
weiter.
Der Sohn des berühmten chinesischen Poeten und Malers Ai Qing (1910-96),
welchen die Kommunisten von 1958 bis 1978 mit einem Publikationsverbot
belegt hatten, war am Sonntag von der Grenzpolizei festgenommen worden, als er ein Flugzeug nach Hongkong besteigen wollte. Ai Weiwei sieht sich wegen seiner Kritik an der kommunistischen Führung
der Volksrepublik regelmäßig Repressalien ausgesetzt. Sein Anwalt Liu Xiaoyuan
sagte am Mittwoch, er habe seit Sonntag kein Lebenszeichen von Ai erhalten.
Zahlreiche Außenministerien und Künstlerverbände sowie Amnesty International haben die Freilassung Ais gefordert, das offizielle China hat bislang nicht reagiert. (APA)