Japan und Libyen verunsichern IPO-Markt

6. April 2011, 11:24
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Wien - Das Erdbeben in Japan und die Revolutionen mehreren arabischen Ländern haben dem Weltmarkt für Börsengängen (IPO) im ersten Quartal 2011 einen Dämpfer versetzt. Die Anzahl der Börsengänge blieb zwar mit 290 nahezu stabil, das Emissionsvolumen sank jedoch um 14 Prozent auf 46,1 Mrd. US-Dollar (32,5 Mrd. Euro), wie das Beratungsunternehmen Ernst & Young errechnet hat. Besonders gedrückt ist die Stimmung in Europa, wo das Emissionsvolumen um drei Viertel auf 2,2 Mrd. Dollar zurückging. In Nordamerika hat es sich hingegen auf 14,6 Mrd. Dollar verdreifacht.

Die Anzahl der Börsengänge ging in Asien von 174 auf 164 und in Nordamerika von 43 auf 38 zurück. In Europa gab es zwar einen leichten Anstieg von 48 auf 50, beim Emissionsvolumen hingegen einen regelrechten Einbruch von 8,4 auf 2,2 Mrd. Dollar. Auch an den asiatischen Börsen ging das Emissionsvolumen deutlich zurück - von 35,9 auf 26,4 Mrd. Dollar -, während in Nordamerika ein deutlicher Anstieg von 5,2 auf 14,6 Mrd. Dollar zu verzeichnen war. Grund für den starken Anstieg in den Vereinigten Staaten waren vor allem Börsengänge von Unternehmen aus dem Portfolio von Finanzinvestoren. So fanden im ersten Quartal mit den IPOs der Krankenhauskette HCA (4,4 Mrd. US-Dollar) und des Pipeline-Betreibers Kinder Morgan (3,3 Mrd. US-Dollar) der größte sowie der drittgrößte jemals durchgeführte IPO von Unternehmen aus dem Besitz von Private-Equity-Firmen statt.

Dieser Trend wird vorerst anhalten, erwartet der Leiter der Ernst & Young Transaction Advisory Services in Österreich, Gerhard Schwartz: "Insgesamt stehen derzeit weltweit 55 Unternehmen aus dem Besitz von Finanzinvestoren kurz vor dem Börsengang, was geschätzte 14,3 Milliarden US-Dollar in die Kassen der Private Equity-Firmen spülen könnte." Allerdings fahren die Finanzinvestoren derzeit zumeist zweigleisig und bereiten neben dem IPO auch einen Verkauf an einen strategischen Investor oder einen anderen Finanzinvestor vor. Bei einer Eintrübung des IPO-Klimas - etwa durch die Schuldenkrise in Europa - könnten also vermehrt diese Käufergruppen zum Zug kommen.

Hutchinson Port

Der bisher größte Börsengang des Jahres 2011 fand in Singapur statt: Der Hafenbetreiber Hutchison Port Holdings hat bei seinem IPO in Singapur 5,5 Mrd. Dollar eingenommen. Fast ein Drittel des weltweiten Emissionsvolumens entfiel im ersten Quartal auf die New York Stock Exchange (13,8 Mrd. US-Dollar bzw. 30 Prozent des weltweiten Emissionsvolumens), die damit erstmals seit 2008 wieder die Rangliste anführt - gefolgt von der chinesischen Shenzen Stock Exchange (11,2 Mrd. Dollar, 24 Prozent) und der Singapore Stock Exchange (5,6 Mrd. Dollar, 12 Prozent). Gemessen an der Anzahl der Erstnotierungen liegt hingegen die Shenzhen Stock Exchange (78 IPOs) weiterhin an erster Stelle, gefolgt von der Warschauer NewConnect (29 IPOs) und der Australien Securities Exchange (26 IPOs).

Die Mehrzahl der IPOs findet nach wie vor in den aufstrebenden Schwellenländern statt: 72 Prozent aller Börsengänge wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres in den "Emerging Markets" gezählt. Mit 110 Börsengängen, die insgesamt 23,9 Mrd. Dollar einbrachten, war China (inklusive Hongkong) abermals die Hauptstütze des weltweiten IPO-Markts. In Europa sticht vor allem der Boom-Markt Polen heraus, wo 31 IPOs stattfanden, bei denen allerdings nur 122 Mio. Dollar erlöst wurden. Im übrigen Europa wurden nur 19 Börsengänge gezählt, die insgesamt 2,1 Mrd. Dollar einbrachten.

In Österreich stehen aktuell die Börsengänge des Aluminiumkonzerns Austria Metall AG (AMAG) und des Photovoltaik-Zulieferers Isovoltaic an. Nach drei Jahren ohne einen einzigen Börsengang in Österreich sei heuer insgesamt zumindest mit zwei bis drei neuen Listings zu rechnen, sagt Schwartz. Zumindest im Fall der AMAG dürfte sich das Anlegerinteresse allerdings in Grenzen halten: Zwei Tage vor der erwarteten Erstnotiz an der Wiener Börse wurde am Mittwoch das Preisband auf 19 bis 21 (bisher 24) Euro verkürzt. Das Angebot an Aktien wurde von knapp 17 Millionen auf 14 Millionen Stück reduziert. (APA)

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