ÖBB-Fortsetzungsroman

Gib dem Fahrgast Zucker

Thomas Rottenberg, 11. April 2011, 16:41
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    foto: rottenberg

    Das Salz kam leider zu spät.

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    Dafür war der Zuckerstreuer leer.

Die Freundlichkeit des Bistro-Personals ist einwandfrei. Aber auf Gastro-Sonderwünsche der Fahrgäste ist man bei den ÖBB nicht vorbereitet

Wenn einer eine Reise tut, heißt es, dann kann er was erzählen. Und wenn einer eine Reise immer wieder "tut", wird daraus ein Fortsetzungsroman. Aus dem unvollständigen Reiseroman "Spaß und Freude am Railjet" lesen Sie heute: "Salz, Zucker und andere Extravaganzen".

Es jedem Gast immer recht zu machen, ist eine Kunst, die keinem Küchenchef gelingen kann. Doch während manche Hauben-Küchenchefs ihr Handwerk als Kunst verstehen und den Wunsch nach Salz- oder Pfefferstreuern ähnlich schätzen, wie ein Maler, auf dessen Bild der Betrachter Konturen nachziehen lassen will, ist man in der regulären Gastronomie weniger pingelig - die einschlägige Hardware gehört zur Grundversorgung.

Salz

Freilich: Am Railjet ist das anders. Dort wird - wie überall bei der ÖBB - in der ersten Klasse an den Platz serviert. Freundlich, höflich und engagiert. Dass man nicht jedem Gast einen Salzstreuer mit an den Platz trägt, ist nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar, oder gar vorhersehbar ist aber, was passiert, wenn man die (gerade einmal lauwarme) Gulaschsuppe nachsalzen will: "Salz? Nein, so was haben wir nicht!" erklärt Servicekraft A mit einem Lächeln, dass den Umsitzenden fast die Tränen kommen. Auf das ungläubige "wirklich nicht?" des Gastes folgt ein bedauerndes Schulterzucken.

"Die ist für Pfeffer. Glaube ich."

Doch da auch eine zweite Servicekraft (die aus der menschenleeren Premium) im Waggon ist, erntet die den Salzbestand in Abrede stellende Dame eine Rüge. "Oh ja, wir haben schon Salz. Irgendwo." Man durchsucht das Durchgangsabteil zwischen First- und Premium. "Nein, hier ist es auch nicht. Nur diese Mühle." Sie hält sie in Richtung Passagiere. "Aber die ist für Pfeffer. Glaube ich" Die Mühle wird weggeräumt. Beide Servicekräfte verlassen den Waggon - in Richtung Bistro, einen Waggon weiter.

Nach etwa zehn Minuten kommt eine wieder. Sie strahlt, als hätte sie gerade das Rad erfunden: „Stellen Sie sich vor: Wir haben Salz gefunden." Sie stellt einen Teller auf den Tisch. Darauf: Ein Beisl-Salzstreuer. "Oh, Sie haben schon aufgegessen? Schade!" Heiterkeit im Abteil - die Servicekraft ist gekränkt.

Schmarrn

Zwei Reisen später. Kaiserschmarrn steht auf dem Tisch. Nur sieht der nicht aus, wie auf der Karte. "Stimmt, da sollte Staubzucker drauf sein," bedauert die Servicekraft. "Aber ich glaube, wir haben keinen. Ich kann aber suchen." Sie durchwühlt das Trenn-Abteil zur Premium. "Leider. Ich schau noch im Bistro."

Sie verschwindet - und kommt drei Minuten später wieder. Strahlend. "Da, der Staubzuckerstreuer." Es gibt aber auch eine Hiobsbotschaft: "Ich glaube aber, er ist leer." Stimmt. Heiterkeit im Abteil. Die Servicekraft ist gekränkt - und geht ab. Ein Fahrgast schaut lachend auf Kaiserschmarrn, Zuckerstreuer und die erfolglose, aber bemühte Kellnerin: "Ich arbeite für die Westbahn. Wenn das die Vorgabe ist, die wir toppen müssen, müssen wir uns nicht sehr anstrengen."

Müsli

Dabei weiß der Mann nicht, dass es auf der Paradestrecke der ÖBB noch lustiger geht: Auf der Frühstückskarte etwa steht "Müsli". Aber in zwei von drei Fällen bedauert der Servicemensch, dass "das heute leider nicht geliefert worden ist". Wenn er selbst überhaupt kommt. Im Speisewagen ist der gute Mann am Rotieren - und schon vor St. Pölten schweißgebadet: "Natürlich kommen wir auch in die erste Klasse. Aber ich schaffe heute schon das Bistro kaum. Mein Kollege ist den allerersten Tag da. Den muss ich einarbeiten. Der hat noch nie im Service gearbeitet - dem muss ich alles erklären, zeigen und beibringen."

Nächstes Mal an dieser Stelle: Vom Wunder, wie in einem frisch von der Reinigung kommenden Waggon Scherben unter den Sitzen liegen können - und der Freude des Zugsteams, diese händisch einsammeln zu müssen: "Lassen Sie, das machen wir schon - wir haben weder Besen noch Schaufel. Das sind wir schön gewöhnt." Und: Die Geschichte von der Dame mit schlafendem Kind, die versucht einen im "Ruheabteil" lautstarken Dauertelefonierer auf das "Handyfreie Zone"-Schild hinzuweisen: "Ich bin von den ÖBB - gehen sie nur zum Zugsbegleiter: Dem huste ich was." (Thomas Rottenberg/derStandard.at/11.04.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 93
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johnny3031
04
14.4.2011, 13:39
Gut so, Thomas Rottenberg

Nur wenn man die Strukturmängel dieser Speisewagenfirma öffentlich macht, haben die armen Angestellten in den Zügen die Chance, von ihrem Arbeitgeber ernst genommen zu werden. Zuckerstreuer und Salzfässer sind Kleinigkeiten; aber dahinter steckt Desinteresse der Geschäftsführung, das die "Kleinen" im Dienst am Kunden ausbaden müssen.

Der Große von Gegenüber
03
14.4.2011, 07:40

Rotti, Sie sind nicht halb so lustig wie Qualtinger als Herr Travnitschek

wann mi derStandard net vermittelt hätt ...

Grammelknoedel
00
14.4.2011, 08:08

... hehe, um beim "Quasi" zu bleiben: der Wilde auf seiner (Schreib)Maschin'

Der Große von Gegenüber
00
14.4.2011, 09:42

oder: Weil mir so fad is ...

Grammelknoedel
01
13.4.2011, 18:16

und sind Sie auch halbwegs puenktlich angekommen - oder waere sich ein zweiter, dritter, vierter, ... Teller Gulaschsuppe MIT Salz noch ausgegangen?

... und hat er geschmeckt, der Kaiserschmarrn ... mir rinnt da gleich das Wasser im Mund zusammen ...

weekend friend
53
13.4.2011, 14:02

"Heiterkeit im Abteil"
Herr Rottenberg, kann es sein, dass sie und nicht die Servicekraft ausgelacht wurden?
Sie kommen mir vor wie manch dekadenter Urlauber, der billig einen Urlaub beim Hofer bucht und dann dauernd am Raunzen ist, weil dies und das nicht passt.

Cerberus303
02
14.4.2011, 15:33
naja...

... wenn salz nicht gefunden wird, zucker garnicht da ist (und lustigerweise noch leer gebracht wird) bei lauwarmen süppchen... Das schau ich mir an, dass sie dann nicht angfressen sind...

Es sei denn, Sie zählen zu den buckelnden Bürgern, die immer devot und brav alles schlucken, was Ihnen vorgesetzt wird...

Taji Soron
04
13.4.2011, 14:43

Würde jemand zweite Klasse fahren und sich beschweren, dass er kein erstklassiges Service bekommt, dann wäre ihr Vergleich wohl passen, so geht er etwas an der Sache vorbei. Wenn die ÖBB schon mit viel Tamtam eine Premiumklasse einführt (was auch immer man grundsätzlich davon halten mag), so sollte der Fahrgast dort auch ein entsprechendes Service erhalten. Und sich beschweren, wenn das nicht der Fall ist. Es gibt keinen Grund, das einfach stillschweigend hinzunehmen.
Natürlich ist das das Fehlen von Zucker- und oder Salzstreuern nicht das wichtigste Problem der ÖBB, aber ein Symptom von vielen dafür, dass dort gerade einiges ziemlich falsch läuft.

sonja1978
00
17.5.2011, 21:25

ist er nicht first class gefahren? was würde man da erwarten? scho a bissl an service oda?
(meine erfahrung: war mit dem railjet 1. klasse in münchen. hinfahrt bis auf bittere kälte im abteil noch keine weiteren auffälligkeiten. rückfahrt ab münchen war zug verspätet. daher konnte er nicht grundgereinigt werden. auch nicht mit goodies aufgefüllt. wir haben also das uns versprochene knabberpaket nicht erhalten NEIN wir mussten sogar unsere Plätze selber reinigen - es hat ausgschaut wie auf der donauinsel nach dem fest in da fruah - so ein dreck!! für 100 Euro aufpreis völlig NICHT in ordnung!)

weekend friend
26
13.4.2011, 15:04

Herr Rottenberg ist nicht Premium Klasse gefahren. Und dass eine Zugküche kein Sterne-Restaurant ist, sollte auch jedem klar sein...
Dass bei der ÖBB vieles im Argen liegt ist mir bewusst, allerdings hilft so ein stupider Raunzerartikel weder der ÖBB noch deren (großteils) engagierten Mitarbeiter weiter. Öffentliche Kritik ja, aber bitte zuerst um die wahren Probleme annehmen. Und dann auch mal ordentlich recherchieren. Nicht immer nur solche Bashing-Artikel a là Ungerböck.

Cerberus303
01
14.4.2011, 15:34
wieseo glauben sie eigentlich...

... dass dieser Artikel der ÖBB helfen soll? Das ist doch garnicht die Intention des Artikels. Ich mein, Rottenberg ist ja kein PR-Mitarbeiter der ÖBB. Die ÖBB baut einen Mist nach dem anderen und bekommt halt medial an Spiegel vorgehalten - das ist doch ganz normal...

na so was!
03
14.4.2011, 10:02
klar geht das auch anders

ich kann mich an eine fahrt in einem tschechischem speisewagen erinnern, der hieß zwar nicht "bistro", dafür bekam ich dort ein frühstück, dass so manches brunch-buffett in wien in den schatten stellt. frisches brot am sonntag in einem zierlichen brotkorb, ein perfekt weichgekochtes ei + salz + pfeffer, drei sorten marmelade, butter, schinken, salami, käse und eine art topfenaufstrich. dazu gab es wahlweise tee oder kaffee, wobei ich mich für ersteres entschied, denn der kaffee kam leider aus dem filter. aber ansonsten ein perfektes frühstück.

Ex Tempore!
02
13.4.2011, 12:06

Schön, wenn das die einzigen Sorgen der ÖBB sind! ;-)

sonja1978
00
17.5.2011, 21:08

naja aber bezahlen soll mans ja doch (mit immensen preisen!! 1 weckerl und ein kaffee 7 euro! :-o)
also kann man auch eine leistung dafür erwarten - oder? ;-)

Rapid is supa, Austria braucht Milupa
32
13.4.2011, 13:30
tja, verwöhnte, nervige bobos ...

sollten lieber auto, was sag ich, cabrio fahren, nicht bahn, das fortbewegungsmittel der massen.

Taji Soron
31
13.4.2011, 13:41

Was sind dann Sie? Das "neidige Subproletariat"?
Diese Bobo-Suderei ist höchst entbehrlich. Da es offensichtlich keine konkreten Kritikpunkte gibt, wird der Autor halt als "Bobo" (was auch immer das sein mag - Projektionsfläche für alles Böse für die "echten aufrechten Altlinken"?) diffamiert. Schwach!
Die sogenannten "Massen" fahren übrigens aller Vernunft zum Trotz Auto!

Lappe ohne Rentier
00
13.4.2011, 11:49
Dikeser Artikel schreit eigentlich nach einem Abstract...

Herzelichst
Ihr Lappe

Erisian Liberation Front
06
13.4.2011, 17:14
Do isser

Ein weiterer flatus scribus des R.

Lappe ohne Rentier
00
14.4.2011, 10:21
Gehnört dieser flatus scribus...

...zur Obergattung der flati in silvam?

Herzelichst
Ihr Lappe

Erisian Liberation Front
00
14.4.2011, 10:40
Definitiv

wobei dieser wohl auch mit der Gattung flatus in railwayus verwandt sein dürfte ;-)

Jar Jar Binks
00
14.4.2011, 11:43
wenn schon nahe an latein, dann

flatus in via ferrum

rud L
11
13.4.2011, 00:00

Gut, auf der Westbahn kann es schon mal kein Gratis-Upgrade für Journalisten geben, in den Garnituren gibt es nur Jausen- und Sitzklasse. Damit scheidet die Westbahn für Rottenbergs Kolumne vorweg aus. Das Service dort wird einem verwöhnten Premiumkunden wenig mehr Warmes anbieten können als eine Minibar: zuvor Warten bis der Schaffner das Geld für die ausgegebenen Fahrkarten ausgegeben aus Hygienegründen wird in der Verpackung serviert, Salz und Krümelpfeffer liegen bei. Rottenberg in der Westbahn, das wird heiter.

FEINBEIN
03
12.4.2011, 20:46
ÖBB?

Die Servicefirma heißt E Express und wurde vom ehemaligen Vorstand Wehinger mit Forster, Huber, Söllinger und Meinl am Graben mit viel Steuergeld auf den Zug gebracht. Es gilt die Unschuldsvermutung!

mola mola
02
12.4.2011, 20:37
railjet

Ich bin im letzten Monat 4x mit dem Railjet (privat) gefahren. Eine Reise (H+R) in der First sonst Economy. Ich finde, dass der Service gut ist. Für die lange Strecke in den Skiurlaub in St.Anton habe ich mir mehr Komfort geleistet und den Mehrpreis nicht bereut. Das Tischservice ist aufmerksam und halbwegs schnell. Die Preisgestaltung okay (nur keinen Großen Braunen bestellen, der ist der doppelte Preis des Kleinen). Auch das Zeitungsservice ist gut, weil man im Zug die Zeit und den Platz für die Wochenendzeitungen hat im Vergleich zu den Europa-Kurzflügen. Das Premiumprodukt habe ich nicht probiert, da der mehrpreis doch empfindlich teurer ist.

Hugo Zender
02
12.4.2011, 16:43
witzig geschrieben

Muss man nur ab und zu fahren, kann man ja auf Konsumation verzichten. Wenn man aber öfters beruflich Bahnfahren muss und einen engen zeitplan hat, ist das schlechte Essen sehr ärgerlich.

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