Steckt die Lehrer in die Schulen

6. April 2011, 21:48
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Mehr Anwesenheit in den Schulen würde das Image der Lehrer verbessern, ihre Kontrolle ermöglichen

Die Lehrer haben ein Problem, ihr Image rangiert irgendwo zwischen Keller und Kellerstiege. Natürlich ist das erklärbar. Jede und jeder hatte mit Lehrern zu tun, gute und schlechte Lehrer prägen in ihrer Weise die Schüler und Staatsbürger. Spätestens wenn man selbst zu arbeiten beginnt, kommt der kollektive Neid hinzu. Die Lehrer haben drei Monate frei im Jahr, wird kritisiert. Zumindest müssen sie nicht in die Schule. Auch die Wochenanwesenheitszeit ist Kritik ausgesetzt. Zwanzig Stunden müssen die Lehrer in der Klasse unterrichten. Dass die restliche Zeit Vorbereitungszeit ist, wird vergessen. Doch die schiere Absenz der Lehrkräfte in rund der Hälfte der Arbeitszeit an ihrem Arbeitsplatz gibt Platz für Spekulationen über die reale Arbeitszeit des Berufsstands.

Klar ist, ein engagierter Lehrer wird mit 38,5 Stunden die Woche wohl kaum sein Auskommen finden. Doch sollte diese Arbeitsleistung vermehrt auch in den Schulen sichtbar werden. Dies wird unter anderem nun zwischen Lehrervertreter und Regierung diskutiert. Durch eine ausgeweitete Kernarbeitszeit für Lehrer wird die Abstimmung zwischen den Lehrern, der Kontakt mit den Schülern und den Eltern erleichtert. Dabei sollte nicht so sehr die Zeit in der Klasse als Maßstab gelten.

Für eine erhöhte Anwesenheitszeit in den Schulen müssen natürlich auch die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Unsere Schulbauten haben schon lange nicht mehr den Standard, den ein modernes Schulsystem benötigt. Es sind Kasernen, in denen eine LehrerIn ebenso wie SchülerInnen Spinde zugeteilt bekommen. Eine dauerhafte Arbeitsumgebung, genügend Platz für Vorbereitung und Besprechungen brauchen auch LehrerInnen, wenn wir von ihnen verlangen mehr Arbeitszeit in den Schulen zu absolvieren. Und das sollten wir verlangen.

Zusätzlich zu den Zeiten während des Schuljahrs müssen wir uns überlegen, ob die heutige Ferienregelung haltbar ist. Neun Wochen Ferien im Sommer klingen prickelnd. Gerade in dieser Zeit ist oftmals nicht nachvollziehbar, ob LehrerInnen sich weiterbilden, sich vorbereiten oder sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Hier sollten wir verpflichtende Weiterbildungssysteme schaffen, die individuell auf die Bedürfnisse der Lehrer zugeschnitten sind. Zusätzlich sollen diese Ferien auch Arbeitstage in der Schule umfassen, zum Beispiel in Form von kostenlosen Intensivkursen für lernschwache SchülerInnen vor Schulbeginn oder zur Neukonzeption von Unterrichtsinhalten.

Für die Lehrer scheint dies eine Mehrbelastung, ist es wohl auch. Im Gegenzug dazu wird ihr Berufsstand nachvollziehbarer, das Image des faulen Beamten abgelegt. Diese Chance sollte nicht nur für Junglehrer genutzt werden, wie jetzt vorgesehen. Sondern für alle. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 6.4.2011)

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