Heimische Sparschweine leiden Hunger

6. April 2011, 11:12
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Wegen Inflation und Steuern bleibt weniger für die hohe Kante - Private Sparquote unter zehn Prozent

Wien - Stagnierende Haushaltseinkommen haben die Österreicher voriges Jahr im Sparverhalten zurück geworfen. Erstmals seit 2005 ist in Österreich die Sparquote unter den langjährigen Schnitt von zehn Prozent gefallen, das hatte sich im Jahresverlauf schon abgezeichnet. Nun liegt die amtliche Statistik für 2010 vor. Die Wirtschaftsforscher haben erst letzte Woche prognostiziert, dass wegen der inflationsbedingt gedrückten Realeinkommen die Sparquote in Österreich auch 2011 sinken wird. Trotzdem legen die Österreicher im internationalen Vergleich aber relativ viel auf die hohe Kante.

Die Statistik Austria hat am Mittwoch nach der neuesten vierteljährlichen Berechnung die Sparverhaltensentwicklung für 2010 bekanntgegeben. 2010 gab es bei der Sparquote sogar einen recht deutlichen Rückgang.

Demnach sparten die österreichischen Haushalte 2010 9,1 Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Zum Vergleich: In den zwei Jahren davor lag die Sparquote der privaten Haushalte um 2 bzw. 2,7 Prozentpunkte höher - 2009 bei 11,1 Prozent und 2008 bei 11,8 Prozent.

Weniger Einkommen

Dass die Sparquote aktuell weiter sank, führen die Statistiker auf unterschiedlich hohe Wachstumsraten des verfügbaren Einkommens und der Konsumausgaben zurück. Denn während die privaten Konsumausgaben nominell - also zu laufenden Preisen - um 2,6 Prozent stiegen, kam es zu einem bedeutend schwächeren Anstieg des nominellen verfügbaren Einkommens um lediglich 0,6 Prozent.

Gleichzeitig stieg die Inflationsrate (Verbraucherpreisindex) um 1,9 Prozent, womit das Wachstum des verfügbaren Einkommens unter der Inflationsrate zu liegen kam, wie die Statistik Austria in einer Aussendung mitteilte.

2010 stieg das verfügbare Einkommen im Jahresabstand nominell nur um 0,6 Prozent. Positiv zu diesem nominellen Plus trugen laut Statistik Austria neben dem Arbeitnehmerentgelt (plus 2,3 Prozent) die Selbstständigeneinkommen (plus 0,4 Prozent) sowie Sozialleistungen (plus 3,9 Prozent) bei. Negativ wirkten dagegen die Sozialbeiträge (plus 1,9 Prozent), Steuern vom Einkommen (plus 1,6 Prozent) sowie der Rückgang der Vermögenseinkommen um fast ein Fünftel.

Niedrige Zinsen

Die Vermögenseinkommen sanken vor allem wegen der niedrigen Zinsen, aber auch wegen stark gesunkener Dividenden. Kursgewinne und Kursverluste von Wertpapieren werden nicht ins Vermögenseinkommen einberechnet.

Trotz allem sind die Österreicher im internationalen Vergleich zumindest in den vergangenen Jahren Sparmeister gewesen: Den 11,1 Prozent heimische Sparquote im Jahr 2009 standen 7,9 Prozent für die EU und 9,6 Prozent in Euroland gegenüber. In den USA liegt die Sparquote traditionell bei weniger als der Hälfte der europäischen Werte.

Aktuelle Werte für die EU und den Euroraum veröffentlicht Eurostat üblicherweise vier Monate nach Quartalsende, das nächste Mal am 30. April 2011, wie es heute aus der Statistik Austria hieß. (APA)

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    Heimische Sparschweine sind weniger gut gefüttert.

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