Teenager soll Kleinkind mit Stahlrute verprügelt haben

6. April 2011, 17:56
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Ein 18-jähriger Wiener steht im Verdacht, den eineinhalbjährigen Buben seiner Lebensgefährtin schwer misshandelt zu haben. Kein Einzelfall: Allein in Wien wurden im Vorjahr über 1500 Verdachtsfälle gemeldet.

Wien - Nein, mit der Stahlrute habe er den Eineinhalbjährigen nicht verprügelt, sagte der Verdächtige im Polizeiverhör. Nur mit der flachen Hand zugeschlagen, "wenn das Kind schlimm war". Eine Darstellung, die einen 18-jährigen Wiener nicht vor der Untersuchungshaft bewahrte: Die Exekutive geht nämlich sehr wohl davon aus, dass er das Kind seiner Lebensgefährtin ebenso wie die Frau schwer misshandelt hat, möglicherweise bereits länger.

Angezeigt hatten den Fall die Eltern der 18-jährigen Kindesmutter. Der Teenager hatte sich seit zwei Monaten immer mehr zurückgezogen und den Kontakt zu den Eltern reduziert. Am vergangenen Sonntag besuchten diese die Jungfamilie in der Wohnung in Wien-Brigittenau. Und entdeckten sofort zahlreiche Blutergüsse und Striemen bei dem Kleinkind und ihrer eigenen Tochter.

"Das Kind ist von der Bank gefallen", beschied der 18-jährige Verdächtige, ehe er nach einer Diskussion die Wohnung verließ. Erst dann sagte die junge Frau die Wahrheit: dass sie von ihrem Partner, mit dem sie seit acht Monaten eine Beziehung hat, mit einer Stahlrute verprügelt worden seien. Die in Österreich verbotene Waffe wurde von der Exekutive in der Wohnung sichergestellt.

Die Eltern erstatteten Anzeige, der junge Mann dürfte aber gewusst haben, was ihm drohte. "Er kam selbstständig in eine Polizeiinspektion und wollte wissen, ob gegen ihn etwas vorliegt", schildert Polizeisprecherin Iris Seper. "Er selbst hat keine wirklichen Angaben zu einem Motiv gemacht. Die Frau hat ausgesagt, dass er krankhaft eifersüchtig ist."

Körperverletzung oder "Quälen einer unmündigen Person"?

Kind und Mutter sind mittlerweile im Krankenhaus, die körperlichen Verletzungen seien aber nur oberflächlich, Hinweise etwa auf Knochenbrüche gebe es keine.

Das könnte bedeuten, dass der Mann nicht wegen schwerer Körperverletzung, sondern wegen "Quälen einer unmündigen Person" angeklagt wird, die Höchststrafe beträgt dabei drei Jahre. Im Jahr 2009 wurden laut Statistik Austria nach diesem Paragrafen 30 Personen verurteilt.

Beim Wiener Jugendamt geht man aber davon aus, dass weit öfter Kinder Gewaltopfer werden. "Wir haben im Vorjahr 1545 Meldungen wegen möglicher Fälle körperlicher Gewalt gegen unter 18-Jährige bekommen", sagt Sprecherin Herta Staffa. Die Mehrzahl kommt dabei von der Polizei. "Aber die Dunkelziffer ist hoch, da noch immer viele Menschen kein Problem mit einer Ohrfeige haben oder wenn Kinder ,über das Knie gelegt' werden." (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2011)

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