Postrevolutionärer Fußball

5. April 2011, 19:28
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Die Ballesterer-Nation Ägypten macht schwere Zeiten durch

Die Revolution hat den Nationalteamtrainer Hassan Shehata auf dem falschen Fuß erwischt: Er wollte auch nach dem Umsturz nicht von seiner Mubarak-Verehrung ablassen. Die jungen Fans der "Pharaonen" finden das gar nicht lustig, und diese verlieren unter Liebesentzugsstress ein Spiel nach dem anderen.

Aber das ist noch nicht alles. Nun musste der neue Premier Essam Sharaf fußballdiplomatisch tätig werden und sich ausgerechnet bei jenem Land entschuldigen, von dem der revolutionäre Funke übersprang, der ihm den Job eingebracht hat: Tunesien. Hunderte Anhänger der Kairoer Mannschaft Zamalek waren bei einem Qualifikationsspiel zur African Champions League in der ägyptischen Hauptstadt aufs Feld gestürmt, um ihre postrevolutionären tunesischen Brüder der Gegenmannschaft zu verprügeln. Das Spiel musste abgebrochen werden.

Die neue Zeit ist insofern noch nicht ganz angekommen, als die Hooligans vor ein Militärgericht kommen. Wobei viele Ägypter glauben, dass diese vom alten Regime gesteuert waren, das die Revolutionsgeneration als Rowdies vorführen und Ägypten destabilisieren will, um als Volkes Retter zurückkehren zu können.

So weit wird es nicht kommen. Aber es wird noch eine Menge Wasser den Nil hinunterfließen, bis die Angst vor den Pharaonen der Neuzeit weggeschwemmt ist. (guha, STANDARD-Printausgabe, 06.04.2011)

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