Strahlender Müll an Österreichs Grenzen erhitzt die Gemüter

5. April 2011, 19:26
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Die heikle Debatte um ein atomares Endlager im Böhmerwald hat sich nach Niederösterreich verlagert

Linz/Prag - Ganz traut Jirí Hulka, Bürgermeister der kleinen Stadt Oberplan (Horní Planá) im Böhmerwald, dem atomaren Frieden noch nicht. Auch wenn es "rund um die Sache" ruhig geworden sei. "Keiner weiß letztlich, wie sich die Regierung in Prag entscheidet, aber vielleicht hatte unser grenzübergreifender Protest Erfolg", hofft Hulka im STANDARD-Gespräch. 2010 drohte dem Geburtsort von Adalbert Stifter unliebsame Nachbarschaft in Form eines atomaren Endlagers. Im Mai des Vorjahres wurde bekannt, dass die tschechische Behörde für die Deponierung von Atommüll (Súrao) bei ihrer Standortsuche mit einem staatseigenes Militärgebiet nahe Oberplan liebäugelt. Der Protest ließ damals im Dreiländereck nicht lange auf sich warten. 111 Mühlviertler Euregio-Gemeinden verabschiedeten eine Resolution gegen ein Atomlager im Naturschutzgebiet.

Und nach dem Veto der südböhmischen Regierung scheint sich die heikle Debatte nach Niederösterreich verlagert zu haben. Bekannt wurde jetzt, dass die Súrao die drei tschechischen Dörfer Rohozna-Ruzena, Lodherov und Budisov ins Endlager-Auge gefasst hat. Alle drei Orte liegen nur 30 bis 50 Luftlinienkilometer vom Waldviertel entfernt. Doch auch dort wird Tschechien wohl auf massiven Widerstand treffen. Erste Unterschriftenaktionen wurden bereits gestartet.

Denn der Grund für die emsige, bereits im Jahr 1993 gestartete Suche der Prager Regierung nach einem Endlager liegt vor allem im geplanten Ausbau Temelíns um zwei Blöcke. Zentrale Voraussetzung im Genehmigungsverfahren ist eine entsprechende Entsorgungsmöglichkeit. Jährlich fallen in Tschechien 90 Tonnen stark radioaktive Mülls an. (mro/DER STANDARD-Printausgabe, 6.4.2011)

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