Viele Köpfe, aber kaum Bewerber

5. April 2011, 19:14
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Bisher hat nur ein einziger Republikaner offiziell erklärt, als Präsidentschaftskandidat zur Verfügung zu stehen - Die Spitzen der Grand Old Party fürchten samt und sonders, gegen Barack Obama zu verlieren

An der Washingtoner Kandidatenbörse ist es ein Wink mit dem Zaunpfahl, wenn plaudernde Jugendfreunde beginnen, Anekdoten aus der Sturm-und-Drang-Zeit eines Noch-nicht-Bewerbers auszugraben. Dann dauert es meist nicht mehr lange, bis der Kandidat erklärt, dass die Gerüchte über seine Kandidatur stimmen. Bei Jon Huntsman ist das gerade der Fall. Da der Wahlkampfstart bei den Republikanern ausgesprochen schleppend verläuft, steht er für eine Weile im Mittelpunkt.

Huntsman hatte ein aufregenderes Teenagerleben, als man es annehmen sollte bei einem, der in einer sittenstrengen Mormonenfamilie in Salt Lake City aufwuchs. Im letzten Schuljahr schmiss er die High School, um bei einer Band namens Wizard zu spielen, am liebsten Led Zeppelin. Die Rebellion währte freilich nur kurz, bald studierte er brav an der Wharton Business School und ging als Missionar nach Taiwan. Mit der Öffnung Chinas gründete auch das Familienunternehmen, spezialisiert auf Verpackungsmaterial, Niederlassungen im Reich der Mitte. Und als Obama einen Botschafter in Peking brauchte, bekam Jon Huntsman, zuvor Gouverneur Utahs, den Job, den er im Februar quittierte.

Huntsman gilt als Geheimtipp, als Hoffnungsschimmer. Ansonsten tut sich die "Grand Old Party" überaus schwer, für die Wahl in Schwung zu kommen. Vor vier Jahren war das noch anders, da waren um diese Zeit bereits acht Republikaner im Rennen ums Erbe George W. Bushs. Jetzt hat sich gerade einmal einer aus dem Fenster gelehnt, Tim Pawlenty, der Ex-Gouverneur Minnesotas, ein Außenseiter. Eine für Mai geplante erste Kandidatendebatte musste mangels Masse auf September verschoben werden. Was das Zaudern erklärt, sind Zweifel, ob sich Barack Obama besiegen lässt von Rivalen, denen es an Profil mangelt. Die junge Garde wartet lieber auf 2016, wenn er - nach einer eventuellen zweiten Amtszeit - nicht mehr antreten darf.

Pawlenty allein zu Hause

Pawlenty, ein fähiger, gleichwohl blasser Verwalter, ist bis dato der Einzige, der offiziell in den Startblöcken hockt. Einst war er als Vize an der Seite John McCains im Gespräch, zog aber den Kürzeren gegen Sarah Palin. Mitt Romney lässt sich diesmal viel Zeit, obwohl kaum jemand daran zweifelt, dass er es erneut versucht. Romney hat die Olympischen Spiele von Salt Lake City organisiert und Massachusetts pragmatisch regiert. Er will seine Managerqualitäten in die Waagschale werfen in einem Wahljahr, in dem die Wirtschaft im Vordergrund stehen dürfte. Die Gesundheitsreform, die er auf lokaler Ebene in Angriff nahm, ähnelt bemerkenswert jener Novelle, die Obama landesweit durchsetzte. Im Vorausscheid könnten ihm Tea-Party-Anhänger, für die "Obamacare" ein rotes Tuch ist, daraus einen Strick drehen.

Der kumpelhafte Baptistenpfarrer Mike Huckabee dürfte erneut die religiöse Rechte hinter sich scharen. Falls nicht doch Sarah Palin antritt, die klare Favoritin der Tea Party. Mit drei Millionen Freunden bei Facebook und regelmäßigen Kommentaren bei Fox News erreicht sie ein Publikum, von dem andere nur träumen können. Michele Bachmann, Kongressabgeordnete aus Minnesota, wäre eine Art Palin-Ersatz. Ähnlich schrill, ähnlich attraktiv, allerdings chancenlos. Haley Barbour und Mitch Daniels, die Gouverneure Mississippis und Indianas, wollen noch im April entscheiden, ob sie dabei sind.

Dann sind da noch die schrägen Vögel, die allein des Unterhaltungswerts wegen mitmischen. Allen voran marschiert Donald Trump, der Immobilienguru und Fernsehstar. Er denke übers Weiße Haus nach, lässt Trump wissen, weil kein Konkurrent auch nur ein Quäntchen seines Talents besitze. (Frank Herrmann aus Washington, STANDARD-Printausgabe, 06.04.2011)

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    Von links: Sarah Palin, Mitt Romney, Michele Bachmann

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    Die Stärken und Schwächen der möglichen Kandidaten

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