Bad Goisern: Das große Geschäft mit den Plumpsklos

5. April 2011, 19:07
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Tischler Johann Stockinger zimmert mit viel Liebe zum Detail stille Örtchen mit rusikalem Charme

Bad Goisern - "Bitte, das hat sogar Angela Merkel gefallen." Fast liebevoll streicht Johann Stockinger über die massiven Holzelemente mit der groben Oberflächenstruktur. Dass die deutsche Bundeskanzlerin auf der Internationalen Handwerksmesse in München (IHM) sein Plumpsklo besuchte, freut den Tischler aus Bad Goisern besonders. Prominenz belebt das Geschäft. Auch wenn viele, wie Frau Merkel, nur einen erstaunten Blick in den stillen Ort mit rustikalem Charme riskieren.

Johann Stockinger ist Häuslbauer aus Leidenschaft. Der Handwerker aus dem inneren Salzkammergut macht sein Hauptgeschäft mit dem Bau von exklusiven Plumpsklos. Vom klassischen Donnerbalken sind Stockingers Modelle weit entfernt. Wasserspülung, Garderobe, Radio mit CD-Ablage, ein Fenster zum Lüften, Bibliothek, Holzwaschbecken. "Das Häusl spielt alle Stückln. Wenn es der Kunde will, bau ich auch einen Fernseher ein. Alles ganz individuell - gleich ist bei jedem Modell nur das Herzel in der Tür", erläutert Stockinger. Vor allem aus hygienischer Sicht sei das Klo einwandfrei. "Net so wie auf der Selbstversorger-Berghütte, wo du dann mit dem Hintern über der Senkgrube hängst. Mein Plumpsklo ist ja quasi nur die nostalgische Hülle, darunter steckt eine ganz normale Toilette."

Doch in der "Nostalgie-Hülle" steckt auch viel Arbeit. Stockinger: "Bis zu 2000 Arbeitsstunden stecken je nach Ausführung in jedem Einzelstück drinnen." Entsprechend ist auch der Preis. Unter 10.000 Euro wird es mit dem Austritt im Retro-Ambiente nichts. "Es ist alles Handarbeit, und wir verwenden nur alte Hölzer. Mein Klo ist eben was für Kunden, die das Besondere suchen und das nötige Kleingeld haben."

Toiletten-Tourismus

Und davon scheint es einige zu geben. 20 Stück hat der Tischler seit 2005 schon verkauft. "Weltweit. Australien, einem Scheich in Dubai, jetzt haben wir gerade einen Auftrag aus Russland. Und natürlich auch in Österreich. Beim Stanglwirt in Tirol hab ich die ganze Kloanlage gemacht. Der wollte zum Beispiel statt dem klassischen Pissoir Trompeten an der Wand. Der Stockinger hat's gemacht." Gemacht hat's der Stockinger erstmals 2004. Da hat er nämlich den Wunsch seiner Frau nach einem Plumpsklo umgesetzt. "Die wollte immer eines haben, also hab ich eines gebaut. Und zum Spaß am Christkindlmarkt in Bad Ischl aufgestellt. Plötzlich ist dort ein regelrechter Klo-Tourismus entstanden. Und meine Geschäftsidee war geboren."

Der Häusl-Schnitzer ist seit elf Jahren selbstständig und betreibt heute in Bad Goisern eine kleine Werkstatt mit acht Mitarbeitern. "Neben den Plumpsklos bauen wir auch urige Holzbäder", erzählt Stockinger und streicht über eine Badezimmer-Armatur aus Hirschgeweih. Nein, Möbel von der Stange zu produzieren könne er sich nicht vorstellen: "I bin da Klo-Tischler, und des is guat so."

Donnerbalken anno 2011: Schon der Eintritt zum Austritt ist ein Erlebnis. Mit viel Liebe zum hölzernen Detail zimmert der Goiserer Tischler exklusive Plumpsklos. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 6.4.2011)

  • Donnerbalken anno 2011: Schon der Eintritt zum Austritt ist ein Erlebnis.
    foto: tischlerei stockinger

    Donnerbalken anno 2011: Schon der Eintritt zum Austritt ist ein Erlebnis.

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