Ermittlungen gegen Arzt nach Tod einer Zweijährigen

5. April 2011, 18:33
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Trotz starker Schmerzen Kind aus Spital weggeschickt

Vöcklabruck - Wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung ermittelt die Staatsanwaltschaft Wels gegen einen Arzt des Landeskrankenhauses (LKH) Vöcklabruck. Am Dienstag wurde vom Gericht ein Gutachter für Kinderchirurgie beauftragt zu untersuchen, ob der Tod der knapp zweijährigen Leonie hätte verhindert werden können. Das Mädchen war am 24. März von seiner Mutter mit starken Bauchschmerzen ins Spital gebracht worden. Nachdem keine ernsthafte Erkrankung festgestellt werden konnte, wurde das Kind weggeschickt. Drei Stunden später starb es an den Folgen seines abgestorbenen Darms.

Für die Eltern von Leonie trägt das LKH die Schuld an dem Tod. Denn obwohl die Mutter den behandelnden Arzt über die Krankengeschichte der Tochter informiert habe - das Mädchen kam mit einer offenen Bauchdecke zur Welt, die operativ geschlossen werden musste -, sei sie nur oberflächlich untersucht worden. Mit einem Rezept für krampflösende Koliken sei man einfach weggeschickt worden.

Ärztlicher Direktor erschüttert

Alex Blaicher, ärztlicher Direktor des LKH Vöcklabruck, zeigt sich tief erschüttert über den Todesfall. "Ich habe selber vier Töchter, meine Jüngste ist gerade zwei Jahre alt." Zu den Vorhaltungen, das Kind sei aufgrund eines Behandlungsfehlers gestorben, könne er keine Auskunft geben. "Ich begrüße es, dass ein Gutachter zwei entscheidende Fragen klären wird. Hätte ein anderer Kinderarzt das Mädchen stationär aufgenommen und wenn ja, hätte ihm dann noch geholfen werden können."

Die Gerichtsmedizinerin hatte nach der Obduktion angeregt, einen Gutachter zu beauftragen. So könne das Absterben des Darms eine, wenn auch sehr selten auftretende, späte Komplikation nach einer Bauchdecken-OP sein, habe die Gerichtsmedizinerin Blaicher mitgeteilt. Im LKH läuft eine interne Untersuchung. (ker/DER STANDARD-Printausgabe, 6.4.2011)

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