Aufsicht knöpft sich Hypo NÖ vor

5. April 2011, 18:04
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Die Bankenaufsicht nimmt Niederösterreichs Hypo unter die Lupe. Die Retailbank und ihr Kreditgeschäft werden in einer Vor-Ort-Prüfung untersucht. Wer die Verluste des Vehikels Augustus trägt, ist unklar.

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Wien - So richtig zur Ruhe kommt man in den landeseigenen Banken der Hypo-Niederösterreich-Gruppe nicht. Während man in der Mutter der Gruppe, der Hypo Investmentbank (HIB), auf den 60-Millionen-Euro-Strafbescheid der Finanzmarktaufsicht wartet, werden in der Retailbank-Tochter demnächst die Vor-Ort-Prüfer der Aufsicht ein- und ausgehen.

Die Oesterreichische Nationalbank (die im Auftrag der Finanzmarkt-Aufsichtsbehörde FMA tätig wird) nimmt die Bank unter die Lupe; einer der Schwerpunkte der Prüfung wird das Kreditgeschäft sein. Wie berichtet ist es in der von einem Dreiervorstand geführten Retailbank im Vorjahr nicht rund gelaufen. Das Institut muss zum Beispiel Kredite an den Straftäter Josef F. wertberichtigen, oder die des wegen Betrugs mit Immobilienkrediten verurteilten A.N. Er hat mit der Immobiliengesellschaft Stade die größte Pleite 2008 hingelegt.

Kreditanalyse

Unter der Lupe werden auch die Engagements beim Chef der in Bedrängnis geratenen S&T, Thomas Streimelweger, landen. Er schuldete der Retailbank zuletzt rund vier Mio. Euro. Dafür ist diese nun an der S&T beteiligt: Streimelweger hat der Bank die Aktien verpfändet, die er auf Pump zugekauft hat.

In dem Rahmen sollen auch Geschäfte aufgerollt werden, die rund um den Konkurs des Kremser Malereibetriebs Göls abgewickelt wurden. Die Unternehmer mussten 2009 ihr (von der Insolvenz nicht betroffenes) neues Haus verkaufen. Erworben hat es damals um 1,2 Mio. Euro Ivo Georgiev Prokopiev aus Sofia, einer der reichsten Bulgaren und Gründer der Alfa-Finance. Mit der Gesellschaft hatte die HIB ein Joint-Venture. HIB-Chef Peter Harold hat die Malermeistervilla für seinen bulgarischen Freund besichtigt und ihn mit den Verkäufern zusammen gebracht. Aus der Retailbank ist zu hören, dass dieser kreditfinanzierte Deal in der Bank auf Anweisung "mit höchster Diskretion" zu behandeln war.

Mit größter Diskretion behandelt St. Pölten derzeit auch das Thema Augustus. In das Vehikel waren abgestürzte Wertpapiere der NÖ-Fonds der landeseigenen Vermögensverwalterin Fibeg ausgelagert worden. Kreditiert hat den Ankauf die HIB, die wegen Überschreitung der Großkreditgrenze Strafzinsen bezahlen wird müssen. Die Papiere wurden nun weiterverkauft; laut mit diesen Geschäften Befassten kann das "nicht ohne Verlust" geschehen sein. Weder Fibeg noch Bank wollen zur Höhe der Verluste etwas sagen; laut HIB-Aufsichtsratschef Herbert Fichta müsse die Bank jedenfalls keinen Verlust tragen.

Das wundert insofern, als in Augustus nicht nur eine (von einem NÖ-Fonds gezeichnete) 600 Mio. Euro-Tranche aus dem Citibank-Vehikel Centauri gelandet ist. Geparkt wurde dort auch eine 200-Mio.-Tranche, die die HIB beim Dresdner-Bank-Vehikel K2 gehalten hat. Warum das Land einen etwaigen Abwicklungsverlust daraus mittragen sollte, ist unklar. Der neue Fibeg-Chef Johannes Kern will dazu nichts sagen.

Bei den Wohnbaudarlehen, deren Verkaufserlös in die NÖ-Fonds floss und um die sich die Veranlagungen Niederösterreichs drehen, kennt er sich gut aus. Kern ist Chef der Blue Danube Loan Funding GmbH, die der Wohnbaudarlehen Privatstiftung gehört. Und auch in der HIB, in der er bis Ende 2010 Manager war, war er mit dem Thema befasst. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 6.4.2011)

  • Die Hypo Niederösterreich wird nicht nur umgebaut, sondern auch 
inspiziert: 
ein neuer Unruheherd neben Ermittlungen der Justiz und Strafe der 
Aufsicht wegen 
der Augustus-Kreditvergabe.
    foto: cremer

    Die Hypo Niederösterreich wird nicht nur umgebaut, sondern auch inspiziert: ein neuer Unruheherd neben Ermittlungen der Justiz und Strafe der Aufsicht wegen der Augustus-Kreditvergabe.

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