Ungarns Banken wanken wegen Franken

5. April 2011, 17:57
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Moody's stuft Erste Hungary und sechs weitere Institute wegen erhöhter Risikovorsorgen für Fremdwährungskredite ab

Wien - Es ist eine Zitterpartie, die sich jeden Monat aufs Neue abspielt. Hunderttausende Ungarn haben ihr Haus, Auto oder ihre Waschmaschine mit einem Fremdwährungskredit finanziert. Beliebt waren vor allem Darlehen in Schweizer Franken und Euro. Wer seine Monatsrate bei der Bank begleichen will, muss seit Ausbruch der Krise den Blick auf Wechselkurse fürchten.

Denn die Raten haben sich stark verteuert. 2007 kostete ein Franken 160 Forint. Derzeit sind es mehr als 200. Die Folge: Immer mehr Schuldner können ihre Rechnungen nicht bezahlen.

Das bekommen nun auch die Banken verstärkt zu spüren. Am Dienstag senkte die Ratingagentur Moody's die Bonitätsnoten für sieben ungarische Kreditinstitute. Betroffen waren auch die Erste Bank Hungary und die MKB-Bank (Zehn-Prozent-Beteiligung der Bawag). Schuld an dem Downgrade sind die erhöhten Risikovorsorgen wegen der vielen Fremdwährungsdarlehen. Rund zwei Drittel der in Ungarn vergebenen Kredite laufen in Franken und Euro - nur in den baltischen Staaten ist dieser Wert noch höher.

Das Problem dabei: Auch wenn die ungarische Wirtschaft sich erfangen hat, sind die Währungskurse längst nicht dort, wo sie vor drei, vier Jahren waren. Ein Blick in die Statistiken der Bankenaufsicht PSZAF zeigt ein beunruhigendes Bild. Nach Ausbruch der Krise sind vor allem Forintkredite weggebrochen. Mit der Zeit hat sich das aber geändert: Nun sind es vor allem Franken-Schuldner, die ihre Raten nicht mehr begleichen können. Die Zahl der faulen Devisendarlehen lag im März 2011 um 43 Prozent höher als noch vor einem Jahr. Derzeit sind in Ungarn laut PSZAF 300.000 Hypothekenkredite notleidend.

Lange Verträge

Derzeit hilft auch niemandem, dass Ungarn ebenso wie die Ukraine und Republik Moldau Devisenkredite 2010 de facto verboten hat. Die Verträge laufen oft über Jahre.

Die faulen Kredite hinterlassen auch in den Bankbilanzen Spuren. Bei der Erste Hungary sind die Risikovorsorgen 2010 um 85 Prozent gestiegen, die Bank hat es gerade in die schwarzen Zahlen geschafft. Die MKB meldete 2010 einen Verlust vor Steuern von 440 Millionen Euro. Die Ungarn Tochter der Raiffeisen Bank International fuhr bis zum dritten Quartal ein Minus von vier Millionen ein.

Probleme bereitet den Banken zudem, dass sie derzeit ihre Immobilien nicht verwerten können. Erstens, weil die Häuserpreise im Keller sind. Zweitens hat die Regierung unter Premier Viktor Orbán ein Moratorium zum Schutz von Eigenheimbesitzern erlassen.

Das Regelwerk verbietet alle außergerichtlichen Exekutionen. Gerichtliche Exekutionen dürfen nicht vollstreckt werden. Moody's nennt das Moratorium, das nur bis April laufen sollte, nun aber bis Juli verlängert wurde, als einen Mitgrund für die Downgrades.

Derzeit laufen intensive Verhandlungen zwischen Bankenverband und Regierung für eine neue, nachhaltigere Lösung. Die Idee ist, die Wechselkurse für Kreditnehmer bei einem festen Wert zu fixieren. Steigt der reale Kurs über diese Marke, muss der Schuldner diesen Überbetrag erst später zurückzahlen. Der Staat könnte dafür als Garantiegeber einspringen. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 6.4.2011)

  • Die ungarischen Banken wanken - sie müssen ihre Risikovorsorgen für Frendwährungskredite massiv erhöhen.
    foto: epa

    Die ungarischen Banken wanken - sie müssen ihre Risikovorsorgen für Frendwährungskredite massiv erhöhen.

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