Raiffeisen verklagt Lobbyist Hochegger

5. April 2011, 18:25
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RLB NÖ Wien fordert 300.000 Euro aus persönlichen Bürgschaften für PR-Gruppe

Wien - Die Raiffeisen Landesbank Niederösterreich Wien (RLB NÖ Wien) beschert dem Lobbyisten Peter Hochegger weitere juristische Unbilden. Die Bank, einst Hausbank von Hocheggers Public-Relations-Gruppe, hat den 62-Jährigen auf Zahlung von rund 300.000 Euro geklagt. Die Begründung für diese Zivilklage, die vorigen November eingebracht wurde: Hochegger hat persönliche Bürgschaften für offene Kredite übernommen - aber nicht bezahlt.

Zur Entstehungsgeschichte dieser Auseinandersetzung ist ein Blick ins Jahr 2009 nötig. Damals kam im Zug der strafrechtlichen Ermittlungen zur Causa Immofinanz die Buwog-Vermittlungsprovision an Hochegger und Walter Meischberger auf. Bekanntermaßen geht es um fast zehn Mio. Euro, die die beiden nicht versteuert haben. Sie erstatteten Selbstanzeige bei der Finanz, die Causa, in der auch Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser Beschuldigter ist, ist nach wie vor anhängig. Die Betroffenen bestreiten, dass sie bei der Privatisierung der Bundeswohnungsgesellschaften Illegales getan haben, und es gilt die Unschuldsvermutung.

Für die RLB NÖ Wien war die aufsehenerregende Sache im Herbst 2009 jedenfalls Anlass, Hocheggers PR-Agentur ihre Kreditlinien (mit einem Rahmen von bis zu 1,2 Mio. Euro) einzufrieren. Die Banker verlangten von Hochegger persönliche Haftungen zu übernehmen, was er auch tat. Letztlich wurden die Kredite fällig gestellt, mangels Zahlung eingeklagt.

Nicht erreichbar

Hochegger war zu diesem Thema für den Standard nicht erreichbar. Dem Vernehmen nach soll er die Zahlung mit der Begründung verweigern, dass er von seinen ehemaligen Hausbankern bei der Haftungsübernahme unter Druck gesetzt worden sei; man habe sozusagen seine persönliche Notlage ausgenützt. Inzwischen soll eine Umschuldung auf andere Banken wie Bawag und Oberbank stattgefunden haben.

Sicher ist, dass Hochegger die in den Achtzigerjahren mit seinem Bruder gegründete Public-Relations-Agentur samt angeschlossenen Gesellschaften verkauft hat. Eingestiegen ist der einstige Gesellschafter der Matrix - Agentur für neue Kommunikation GmbH, Laszlo Jakabffy. Das Hochegger-Nachfolgeunternehmen heißt nun Matrix Communications Group GmbH.

Jakabffys ursprüngliche Agentur mit Spezialisierung aufs Internet und andere neue Medien hatte 2009 (aus diesem Jahr stammt der letzte im elektronischen Firmenregister Compass einsehbare Jahresabschluss) ein negatives Eigenkapital von 460.000 Euro, im Jahr davor waren es minus 474.000 Euro gewesen. Überschuldet war die Gesellschaft nicht, weil eine positive Fortführungsprognose bestand.

Auch die (ebenfalls existierende) Matrix PR GmbH der Hochegger-Gruppe ging Ende 2010 in der neuen Matrix Communications auf. Sie stand 2009 aber besser da. Ihr Eigenkapital betrug 1,7 Mio. Euro, sie hatte 1,7 Mio. Euro Forderungen in den Büchern und Schulden von 752.000 Euro. (gra, DER STANDARD, Printausgabe, 6.4.2011)

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    Lobbyist Peter Hochegger wurde von seiner Hausbank geklagt.

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