Josef Prölls Schweigen nährt Spekulationen

5. April 2011, 17:47
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Josef Pröll taucht ab: Sogar sein Handy hat er abgegeben, weil die Ärzte ihm zu absoluter Ruhe raten - Er spricht nicht einmal mit Parteigranden oder dem Kanzler - Im Polit-Marketing könnte das sogar nützlich sein

Wien - Und was sagt Josef Pröll dazu? Diese Frage versucht die Umgebung des Vizekanzlers und Parteichefs spannend zu machen. Pröll sagt nichts, spricht mit fast niemandem. Parteigranden schicken gelegentlich eine SMS mit guten Wünschen, bekommen auch eine zurück.

Aber das wird wieder. Sagt ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger, der neben Maria Fekter und Onkel Erwin Pröll der Einzige ist, der mit dem ÖVP-Chef auch telefoniert habe.

In der vergangenen Woche habe man Pröll sogar das Handy abgenommen, damit er nicht in die Verlegenheit komme zu telefonieren: Aus einem Telefonat würden ja üblicherweise zwei bis drei Folgeanrufe und dann mindestens ebenso viele Vollzugsmeldungen. Da sei die Ruhe dahin, sagt Kaltenegger. Er habe seinen Chef am Sonntag über das Festnetz erreicht.

Kein Kanzler-Kontakt

Selbst Bundeskanzler Werner Faymann hatte bisher keinen persönlichen Kontakt mit dem Vizekanzler. Erste Versuche, Josef Pröll am Telefon zu erreichen, schlugen fehl, offenbar hatte Pröll zu Beginn seiner Zeit im Krankenhaus überhaupt keine "Verfügungsgewalt" über sein Handy. Erst später hatten Faymann und Pröll Kontakt per SMS, gesprochen haben sie aber noch nicht miteinander. Bis heute nicht.

"Der Kanzler respektiert, dass Pröll Ruhe braucht", heißt es aus Faymanns Büro, er wolle seinem Vize die Zeit lassen, sich zu erholen. Die Arbeit auf Regierungsebene funktioniere auch in Abwesenheit des Vizekanzlers, der von Innenministerin Maria Fekter vertreten wird. Was die Agenden des Finanzministeriums betrifft, laufe die Arbeit im Kabinett ungestört weiter. Kein Grund zur Aufregung.

Spezialklinik im Ausland

Aber Anlass für wilde Spekulationen in der ÖVP: Wo versteckt sich Pröll? Im Ausland, heißt es. In einer Spezialklinik, die auf Fälle wie seinen spezialisiert sei. "Kein Kommentar", sagt dazu sein Sprecher. Die Diagnose nach der Einlieferung in die Innsbrucker Universitätsklinik am 18. März lautete Lungenembolie. Er brauche "absolute Ruhe". Zwei Tage später, am Sonntag um halb zehn Uhr morgens, soll Pröll fit genug gewesen sein, den Rücktritt von Ernst Strasser zu erzwingen. Danach nur noch Aussagen von Ärzten, dass er die Lungenembolie gut überstanden habe und noch zwei Wochen Ruhe brauche. Pröll bedankte sich per Aussendung bei den behandelnden Ärzten.

Zu sehen und zu hören war in der Öffentlichkeit nichts mehr von ihm. Die Zwei-Wochen-Frist wurde mittlerweile verlängert bis nach Ostern. Dabei erwartete die Partei, in der prompt eine Führungskrise ruchbar wurde, starke Worte des Chefs.

Aus der Not eine Tugend

Den seit Tagen laufenden Spekulationen, Pröll sei vielleicht krankheitsbedingt (etwa wegen Erschöpfung nach der Therapie oder wegen eines Burnouts) gar nicht in der Lage zu sprechen, wird auf zweierlei Weise entgegengetreten: Erstens wird darauf verwiesen, dass blutverdünnende Medikamente für den zuletzt wieder übergewichtigen Patienten genau eingestellt werden müssten. Daher brauche er Ruhe.

Zweitens will man gerade aus dieser Not eine Tugend machen: Am 27. April, dem Mittwoch nach Ostern, werde er mit einem Schlag ein medienwirksames Comeback haben - da ist Ministerrat, anschließend eine ÖVP-Klubtagung über Arbeit und Energie, und schließlich kommt der 1. Mai, an dem die ÖVP das Thema "Leistung und Arbeit" kommunizieren will. (Conrad Seidl, Michael Völker/STANDARD-Printausgabe, 6.4.2011)

  • Josef Pröll ist gesundheitlich angeschlagen. Wie sehr, darüber wird viel spekuliert, insbesondere in der ÖVP. Der Vizekanzler hat sich eine Auszeit genommen.
    foto: standard/cremer

    Josef Pröll ist gesundheitlich angeschlagen. Wie sehr, darüber wird viel spekuliert, insbesondere in der ÖVP. Der Vizekanzler hat sich eine Auszeit genommen.

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